Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1848)
- Date
- 1848-01-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2566751-2567071-2567074--2973-2570058- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Gegenübcrstehen; denn während die bürgerlichen Gutsbesitzer an ihrer Spitze die Zierden unseres Landtages, Schncllc-Buchholz und Stcocr-Wustrow für das Prinzip der Gleichstellung der jüdischen Untcrthancn kämpften, traten fast alle adeligen Gutsbesitzer — ein Mann wie von Hudm Vrcdcnfelo machte natürlich eine Ausnahme — als Gegner der Zudcnsache auf. Auch der Judcncid ist auf dem gegenwärtigen Landtage von allen den Juden hcrabwürdigendcn Förmlichkeiten entstellt worden, ohne daß dieser Negicrungsantrag irgendwie Opposition gefunden hätte. Senats-Bescheid. (Hamburg, im Januar.) — Was ich in meinem letzten Schreiben (S. die vorige Nummer, Rer:) vermutbet, hat sich voll« kommen bewährt. Der Senat hat desiniriv cnrschicren. daß das ohne Blutvergießen von seinem Vater dem iiraelrtti'chen Glauben bestimmte Kind auch ohne jenes blutige Zeichen in die Geburtsregister der israelitischen Gemeinde eingetragen werden solle. Zwar wird zugleich gesagt, daß die Register nur einen Eivilcharakter haben und dcßhalb auch nicht getaufte Ebrislenkiiwer in dieselben eingetragen werden; inreß es ist schon genug, raß der Staat seinerseits durch Eintragung in die jüdischen Register das uubcschnittcne Kind als Jude anerkannt habe; er hat roch damit bewiesen, daß er ras jüdische Gesetz, welches nie und nimmermehr die Angehörigkeit zum Judeutbum von jenem blutigen Drama abhänzkz macht, besser gekannt, als der Seelsorger und Prediger Herr Dr. Mannheimer in Wien, rer einstmals rem Frankfurter Rabbinat geschrieben: Ich erkläre als Gottesgclchrter und Seelsorger, raß ich in dem Falle, wie er in Ihrer Gemeinde sich ereignet den fraglichen Knaben in keinem Falle in die Matrikel und Eeburtsbüchrr cintragcn. ihn weder zur Einsegnung und Eonfirmation, noch zum Ausrufen vor die Thora zulassen, weder seine Ebe cinsegnen, noch wenn er stirbt, zur Beerdigung auf dem jüdischen Gottesacker;ulasscn, noch in irgend einer Beziehung ihn als zum Juventhume gehörig betrachten und anfchcn werde. Uebrigens wird wohl unser Geme'mdevorstaud selbst m'c eine solche Ausschließung und Verketzerung gegen das einst groß gewordene Kind zugcbrn. selbst wenn dieses aus Grundsätzen roTpwie cs die Gutachten an das Frankfurter Rabbinot mei. rwn, die Vornahme jener Zeremonie an sich verweigern sollte; er müßte denn jeneAusschließung auch gegen seine eignen Mitglieder ausübcn lassen, von welchen mehrere bekanntlich andere eben so wichtige und heilige Zeremonien, wie z. B. das Verbot des na. gesäuerten Brores am Pessach und hoffentlich doch auch aus Grundsätzen längst nicht mehr beobachten. Jüdische Zustände. 1. Artikel. Eorrespcndenien und Neccnsentcn. Ostpreußen. Ton geistigen Barometerstand jüdischerBilduug und Zustände irgend einer Gemeinde kann man nicht immer na.'o dem ermessen, was zuweilen schwarz auf weiß in den Blättern geschrieben steht. Die Fassung vieler dcßfallsigen Nachrichten und Aussätze bringt mich heute nokns vukas auf den Gedanken , dem geneigten Leser das Portrait eines der vielen Eorrespoudentcn und Rec.nscnten versuchsweise zu skizziren. Der leichtfertige Journalist wird oft zum gefährlichen und gefürchteten Individuum. Er hat Eigenschaften von Geschöpfe» aus manchen Klassen des Thierreichs an sich; wie der Tiger nach Blut, lechzt cr nach den Tagesbegebeuhciten, aber wie die Hyäne die Gräber heimsucht und Leichen herauswühlt und zersteifcht, verschmäht cr cs zuweilen nicht, längst vergessene Zänlercre» hcrvorzusuchcn und frssch aufzuftutzcn; gierig und unersättlich wie der Haiüfch verschlingt cr Alles, was ihm an Novirärrnködcrn zugcwsrrcn wird. In feinen Aufsätzen befleißigt cr ssch ciucr aphoristischen Kürze; sein Charakter ist cpigrammaissch Seine Farbe ist zeitweilig nicht ganz bestimmbar; illiberal gegen den religiösen Fortt-brüt und gegen dessen Vertreter, desto liberaler aber in der Politik; renn er trinkt mit demselben Wohlgefallen radrealen Eharuvagner und liberalen Punsch wie das loyale bayrische Baerl Aber er ist auch ein Terrorist, ein Robcspierre, ein Maral stir die Ehre seiner Sache, zugleich aber feige wie jeder Tyrann und verschmäht cö dcßhalb mchr den Schauplatz seiner jour»alifti''chen Thätigkeit nach Spree-Athen zu versetzen, dort seine zukünftigen seeleirsorgerischcu Amtsbrüdcr auss Schaffol zu ziehen uns gnilloriuireu zu lassen! Was Wunder demnach, wenn man häufig Referate liest, die nur das bedauerliche Verdienst zum Zwecke haben, die Ansichten über tägliche Zustände zu verwirren, geistreiche, reichbcgatte Verfechter des religiösen Liberalismus bei ihren Vorgesetzten und Laadesbchörccn zu verdächtigen, mindestens in ein falsches Licht zu stellen? Wird eine Erscheinung sichtbar, die dem vorgeblichen Prinzipc des Berichterstatters nicht Zusagt; verläßt die Presse ein in Form und Inhalt noch nicht dagcwcscnes nützliches und sehr interessantes Schulbuch; 'ist von einem unter Juden sonst nicht vorhandenen verrienstreichen Institute die Rede, einem Institute, das vermöge der kräftigen und uneigennützigen Mit-