Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1848)
- Date
- 1848-01-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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doch fein vernünftiger Mensch eine solche, bundert neun . und neunzig Ueberlcbcnden zu Gute kommende Begün- \ stigung, für eine Kompensation des, bei einem Einzigen , verankaßten Todes betrachten. Moses hätte wob!, als j symbolisches;'let)iu>alenr für die Menftben-i7p'er und j zugleich als eine damals vielleicht wichtige Kesrrndbc-ts- Maaßregel, einen Theil;n entiernen gebieten können, der für die rbierische Oeconomie minder wichtig zu sein scheint, und dessen Entfernung weniger die äußere Form entstellt, üüiein cs muß vermessen erscheinen über die Wichtigkeit irgend eines Tbciles des lebenden Körpers mit Bcstimmtbeit abznnrtbeilen, wenn es den Pbystologcn, aller ihrer genauen Untersuchungen und Forschungen ungeachtet bisber noch nicht gelungen ist, den Nutzen einiger Tbcike, die, wie die anerkannt wichtigsten mit dem größten Am'wande und mit der größten Sorgfalt der Natur gebildet sind, wie z. B. der Milz, mit Besiinnmbeit anzngeben. Es ist gewiß vernünftigen Betrachtungen gemäßer anznuebmen, daß kein Theil des lebenden rhicrischen Körpers, ebne mebr oder weniger dem Ganzen nützlich zu sein, geschaffen ist; so wie cs auch nicht zu bezweifeln ist, daß die gewaltsame Trennung r-ucs jeden durch Blutgefäße und Nerven, mit dem ganzen Körper innigst verbundenen Tbcils, den Hcerd einer tödtlich werdenden, allgemeinen Reaktion bilden könne und vielfältig wirklich gebildet hat. Ucbrrgens scheint cs einleuchtend zn sein, daß wenn, wie hiebe: in der ganzen civillstrtkn Welt, der Gegenstand eines Symbols bereits seit beinahe Jahrtausenden gänzlich erloschen ist, letzteres um so mehr gänzlich erloschen müsse, je mcb.r grade dadurch der Gegenstand selbst nicht nur '.nieder ins Leben gerufen werden kann, sondern ai.ch, wem, gleich noch so selten, wirklich wieder ins Leben gerufen wird. Hamburg, im Oct. 1847. Dr. William Leo-Wolf. Geschichte des Tages. Frankfurter Zustände. Vom Main. — Es sind nun gerade vier Jahre, daß Ihr Dlakt in erwc t.r.rm Umfange auftretend, vorzüglich uns wiederholt mit um'crcr frcen Stadt am Main sich bcschästigie. Ich war damals öfters da und freute mich der Bewegung, die damals gerade unter der. lligrntestcn der jndnwen Gememde sich zeigte. Stolz darauf, r w man de» Mutd batte, sich m drei Sätzen *) öffeinlich und entschieden für cui geläutenes Jntentdnm auezusprechen, ja dreies durch die Tbat, ich mciiif durch die d'osfagunz von rer Leschneidung jener c nzi en noch übriggcbtiebenen blutigen Opfer-Zercinonie» zu dewäor.n. regte sich wieder ein lebhafteres Interesse für die Sache umeres Glaubens. wollte man für jene 'väulcrung streben, wirten. — Das ist nun jetzt anders, ganz anders geworden. Zwar die Wirkung und Anregung nach außen, welche der Frankfurter Ncformverein veranlaßte, sie war bedeutend genug und ist heutigen TagrS noch nicht erloschen. Ec hat das Beispiel einer Manisesratie» deS höheren Neligwnsbcwußtseiiis ver Zeit durch daS Fassen derselben in klare und bestimmte Sä,je gegeben, rem nun bald Berlin in seiner iseise und in erweitertem Umfange folgte; er hat, ich muß nochmals darauf zurückkommen, sich noch, das Verdienst erworben, der Documcnlirung des Judeinhums durch die Marter und Vcrstümnielliiig des in ihm Geborenen zuerst den Krieg erklärt zu haben, was wahrlich viel sagen will, wenn man bedenkt, daß bei einem gleichen Schritt rer jüdische Vorstand in eurer anderen freien Start fast die Besinnung verliert und einen Zwang und eine Einm.schung der weltlichen Behörde in Sachen rer Ncligion und rer freien Neberzeugung Hervorrufen will. — Aber daS hat sich, wie gesagt, geändert, und die Physiognomie, wie sic jetzt die jüdische Gemeinde in un. scrm Frankfurt bietet, ist beim ersten Anblick schwerlich geeignet. Einen zu erfreuen und zu erheben. — Gehen Sie in die Synagoge, Sie treffen nur eine kleine winzige Gemeinde bei der Predigt und noch eine kleinere beim Gebete an. Noch betrübter sieht eS in dem Andachtstempel der israelitischen Real- und Bürgerschule auS. — Der geläuterte, wirklich höchst einfache und würdige Gottesdienst hat keine Betenden heranzuziehcn gewußt, und die Predigten in dem schönen, würdig verzierten Hause auch nicht. — Uno draußen, ich meine außerhalb der Synagoge und des Andachtsaales, werden Sie auch Alles sehr verändert finden gegen die Zeit vor 4 Jahren. - Das Häuflein Oithororen, damals noch ziemlich rege und rüstig ist seitdem noch mehr zusammcngeschmolzcn, und hat die alte Kampfeslust nicht mehr. Wie kann dieses auch anders sein; gewahren sie ja an ihren eigenen Kindern daS was sie verschreien und verketzern, müßten sie ja vre Waffen zunächst gegen diese kehren, wollten sie fortan für daS alte Regim streiten. — Aber auch die Reformer haben in ihrer Kampfeslust nachgelassen und fast scheint es, als ob sie da, wo nicht völ- *) Die befa: ..Un drei Artikel des Reform-Vereins.