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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-01-16 · Heft 3 (16.1.1848) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 3 (16.1.1848)
Date
1848-01-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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ZG auf irgend eine Weise auszumittelnde körperliche Zustände des Beschneiders giebr. die dessen Speichel zum Gifte für einige. ausnahmsweise d'lifiir besonders cmpfängliwe H-rurwiinkc» N-ngeborner machen, z» welcher Einsicht man nikeß erst gelangt, nachdem mehrere unschuldige Cprer auf die traurigste Weise bereits gefallen sind. Muffen nicht nach dieser Darstellung, die vielen Ntngcberncn die allein in Temschland jährlich durch die Beschneidnng ihr Leben einbnßen, als eben so viele in dircclem Widerspruch mit göttlichen u. menschlichen Gesetzen, gefallene Menschen - Opfer betrachtet werden? Verdient der einzelne Fall etwa weniger diese Benennung, wen» er sich auch nicht wie eins zu zwei Millionen verbielte? Tie Verhältnisse die Gottes heiliger uncrsorschlicher Nachschluß durch die Anlage der Neugebernen zu tödlli-chen Folgen jeder blutigen Verletzung, bei einzelner! Individuen herbeigesuhrt bar, machen offenbar aus jeder Beschneiduug einen Akt, der nicht nur möglicher Weife, sondern mir einiger, wenn auch verbal miß mäßig sehr geringer Wahrscheinlichkeit, zum Opferrode snbrcn kann. SS bezeichnet die bobe Würde des Menschen, daß er in der Liebe zur Wabrbeit, zur Freibeir und zum Vaterlande, höhere Güter anerkennet, die ihm nur keinen-Preis, also auch nicht um den der Lebenserhaltung veräußerlich sind, und es zeugt von der unendlichen Natur des menschlichen Geistes, daß er sein Dasein nicht ganz von dem Leben bicnieden erfüllt fühlt, letzteres vielmehr für nichts achter, wo cs das öffentliche unumwundene Bckenntniß seiner beillgsten Angelegenheit, seiner religiösen Ueberzeugung betrifft. Tie bar barsche Tyrannei fast aller europäischen Staaten Haben, bis noch vor Kurzem, dem Inden keine andere 'Alternativ.' gelassen, als sein Kind entweder besann .den zu lassen oder zu lausen. Tie Wahl des frommen Inden konnte also bier mir Recht nicht einen Augenblick zweifelhaft fein, wenn auch die Wahrscheinlichkeit sein Kind durch die Beschuerdung zu opfern, noch unendlich viel größer gewesen wäre, als sie eS wirklich rst. In den erleuchtete» Staaten Hingegen, wo dieser empörende Gewissenszwang ansgehört bat, tritt die, ans physische» Gründen hervergehende religiöse Ueberzeugung daß die Beschneidung unbedingt als mittelbare Uebertretutiß eines der ersten mosaischen Gebote, und als größtes Verbrechen gegen die gefammre menschliche Gesellschaft zu betrachten sei, in ihrer vollen Bedeutung und Kraft hervor. Das Tasein oder Rübtdasein eines allem Anscheine nach so unbedeutenden hier in Rede siebenden Tbeiles des menschlichen Körpers, wird Niemand in ursächliche Beziehung zu irgend einem Glauben zu bringen vermögen, und kann der bloße Glaube an einen cineinigen Gott ohne Vermittler, dem strengerlhodoren Juden nicht genügen, um sich von den Bekenner» eines jeden andern Herrschenden Glaubens hinlänglich zu unterscheiden, so findet er in der großen Zahl der ihm noch, außer der Beschneiduug, überbleibeudeu mosaischen- und talmudischen Gebote hinlängliche Mittel zur Manifestation seines Glaubens. Wellte übrigens der fromme Jude, die Gefahren der Beschneiduug deshalb keiner Rücksicht würdigen, weil, wenn cs Gottes Wille ist, daß sein Kind am Leben bleibe, cs entweder mit keiner tödtlichen 'Anlage geboren sein, oder wenn cS auch damit geboren, dennoch der Beschneiduttg ungeachtet, ihm erhalten werden würde, so äußert er nicht nur dadurch den irreligiösen Wahn, daß der Schöpfer Seine als unabänderlich von Ihm geschaffenen Gesetze der Natur, zu seinen Gunsten abändern werde, sonder» beurkundet auch dadurch, daß er ein wcscuttlckes Prinzip desmubamedanischen Glaubens, den Fatalismus anerkenne, der dem mosaisch-talmudischen Aeligionssysteme durchaus fremd und zuwider ist. Ter Fatalist mußte auch jedes noch so sehr urotivirte Gesuch um Dispensation von der Erfüllung eines Gebots und noch mehr, jede Bewilligung desselben für die größte Sunde Halten, was dem oben angegebene» Verfahren der Nabhincr aller Iabundene, offenbar widerspricht. Was die Meinung vieler betrifft, daß die Beschneidüng gegen einige örtliche Krankheiten, denen Nnbe» schnittene ausgesetzt sind, ganzlrch schütze, und andere in minder heftiger Form erscheinen kaffe, so läßt sich nicht leugnen, daß ein jeder vom lebenden Körper getrennter Thcik, jede Erkrankung der er in lebendiger Verbindung mir dem.Körper ansgesetzr sein wurde, unmöglich mache, so wie auch daß seine Nichter-sten; nicht mehr Ursache der Leiden seiner benachbart gewesenen THeile werden könne. Wäre indeß kiese Meinung nicht nur im ausgedehnteren Sinne, überhaupt wahr, sondern an und für sich von viel größerer Bedeutung, so wird

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