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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-01-23 · Heft 4 (23.1.1848) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 4 (23.1.1848)
Date
1848-01-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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wörtliche von der Regierung eingesetzte Commission hörte kaum davon, als sie sich an das Minisierkui» wandte und ihm arrSeinanversetzte, wie weder Rabbinen nöthig, noch rathsam seien. Ich habe das Dokument der Eingabe gesehen und mußtdie beißende Geschicklichkeit der Abfassung bewundern. ES wird unter andern auch dies ansemündergesetzt, wie weit und breit der Begriff „Nab. Liner" ist, wie ein Bart und ein Tatar schon oft den Anspruch darauf verleihen, wie die Morcnu unter Nichts gesunken, und wie solche Diplome von Unwürdigen genommen und gegeben werden, wie endlich Rabbiner überflüssig seien, und die größten Gemeinde», namentlich Berlin seit 48 Jahren, keinen hat! Die Regierung hat ihren Beschluß nach dem Geiste dieser Eingabe verfaßt und bei Muhr, Rubo, Zunz haben sich die Herren Rabbiner zu bedanken, wenn sie durch das Gesetz anonym geworden sind. Rubo, der durch seine Schrift „die Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden" seine große Vorliebe für rabbinische Hierarchie gezeigt hat, kostete die Abfassung der Eingabe gewiß blutige Thränen, und binc illae laeriinael Daß der junge Rothschild hier war, habe» Sie gewiß aus allen Zeitungen erfahren, aber von den Ehrenbezeugungen, die er in der großen Synagoge ausstehen mußte, haben Sie keinen Begriff; ich auch nicht, denn ich war nicht dabei. Ich gehe nicht in die große Synagoge , hier wäre es aber der Fall gc» wesen, denn unwillkührlich hätte mich die Neugierde den wundersamen Jüngling zu sehen, hingeführt. Das ist auch der Grund, warum ich so selten in diesen Tempel gehe, wenn Ocrtinger eine Derascha und Sachs eine Predigt hält; ich bin überzeugt, daß viele Sündhafte nur hingrhcn, die glänzende Predigt zu hören. Auch in den Resormtempel gehe ich dcßhalb nicht, wenn Holdheim predigt, mir geht nichts über Ich sagte, der junge Rothschild sei wundersam, ja er ist cs, wenn »nan so ungeheueren Reichthuru und so ungeheuere Frömmigkeit reden einanrcr sicht, wobei, wie sich's von selbst versteht, die Frömmigkeit noch bewundemöwerther und seltener ist als der Neichlhum. Letz, lerer wäre auch in Berlin zu finden, wenn alle Juden ihr Geld zusammenschießen, crstere dagegen nicht, wenn auch alle Juden ihre Frömmigkeit zusammenschießen und verdoppeln. Da Rcichthum überhaupt so geringfügig der Frömmigkeit gegenüber ist, so wünsche ich mir, bescheiden im durchbohrenden Gefühle meines Unverdien« fies und Rothschild unbeschadet, nur das Schlechtere, den Reich- Ihum des Letztem, der jungen Orthodoxie dagegen wünsche ich in Anerkennung ihrer überlegenen Verdienste das Bessere, seine Frömmigkeit. Auf solche Weise kämen beide Güter auch gerade an den rechten Ort, d. h. dorthin wo sie am dringendsten Dedürfniß sind. UeörkgeuS haben die Juden bei der Anwesenheit Rothschilds aufs Neue bewiesen, daß sie nicht an die Ankunft bes MesflaS glauben, denn sie haben den Frankfurter Varon so mit Spnagogenehren überhäuft, daß unmöglich für IT^'D etwas übrig bleiben konnte. Da heute der Geburtstag des Königs ist, reiste gestern Hr. v. R. aus Berlin, damit sich die Feier beider nicht dränge, PK2' DHPö iru* iro3 ■]»i&oniöo d^d »jtcr. Meine Worte über die Michael'sche Bibliothek, die Sie aus dem Magazin für L. d. Ausl, aufgenornmen haben, lauteten an mehreren Stellen ursprünglich anders, Redaktion und Cenfur haben sich jedes einen Theil behalten; aber selbst wenn nichts weggeblieben wäre, so reichte der Aufsatz bei weitem nicht hin, meinen Schmerz über den Verlust der kostbaren Sammlung auszudrücken. Die wissenschaftliche Orthodoxie hat gar keinen Schritt für die Sache gethan, ja sie hat vielmehr Herrn Ascher aufgcmuntert, seine buchhändlerischen Eigenschaften über seine literarische zu stellen, und die Bibliothek nach England zu führen. Wer neben der Begeisterung für die jüdische Literatur viele reiche Freunde hat, konnte vielleicht hinreichende Theitnahme für so unverglcich, liche Schätze gewinnen, aber zwischen Sprache und Handlung ist gerade bei der jungen Orthodoric eine so große Kluft, wie bei Vielen ihrer Anhänger eine große Kluft zwischen ihrer öffentlichen christl ichen Lebensweise unv dein vorgcbliche u Indent hu me ist. Die Geschichte der Michael'schcn Bibliothek hatte mich zum Freunde der Reform machen können, wenn ich es nicht schon längst unv aus viel triftiger» Gründen wäre. F. Lt. Gemischte Ehen. Ans Ostpreußen, im Januar. — Der Köln. Zkg. vom 1. d. M. zufolge ist auf dem jüngsten Landtage in Mcklenburg von einem adligen Mitgliede der Ritterschaft der Antrag auf Zulassung der Ehen zwischen Christen und Juden gestellt worden, der;aber mit 52 gegen 49 Stimmen abgelehnt wurde. Da mau sich hier wegen des bekannten Falksohn'schcn Prozesses allgemein für diese Frage, und zwar zu ihren Gunsten, intercfsirt, so ist dieVcrmuthung ausgestellt worden, daß nach dem Gang der politischen Ereignisse in den deutschen Kammern in Betreff der Judcnfrage zu urtheilcn, dieser Antrag auf einem der nächsten Landtage nur erneuert zu werden braucht, um einer Stimmenmehrheit versichert zu sein. Rur Preußen hält auch in dieser Frage das Priucip des christlichen Staates fest, und läßt eine in optima forma geschlossene Ehe zwischen Juden und Christen vom Staatsanwalt durch alle Instanzen verfolgen! Im Landtagsabschiede vom v. I. wurde der ständische Antrag

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