Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1848)
- Date
- 1848-01-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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und für die Dauer erheben wird! Wollt ihr denn das ein Fortleben des Sabbaths im Geiste nennen wenn er nur noch in eurer Vorstellung cristirt, aber aus eurem Gemüthe und eurem Leben langst geschwunden ist? Oder besteht er dann noch fort, in seiner Wahrheit und Wesender! wenn sein Tisch ein besserer ist, oder wenn ihr den Abend vorher, oder am Tage, nachdem euer Geschäft abgemacht ist, das Eine, oder das Andere zn eurer Zerstreuung und Erholung thut? Oder glaubt ihr wirklich, der religiöse Sinn sei schon so erstorben, daß man auch einen arbeitsfreien, wenigstens vom Staate und der Gesellschaft dazu -achten Tag, nicht zu seiner religiösen Belehrung und Erhebung werde anwendcn wollen? So ist es gewiß nicht und wäre es, die bisherige Sabbachsfeier vermöchte am wenigsten einen solchen Sinn zu erwecken — darum nur frisch und muthvoll das Volk nbgr seinen Zrrtdum belehrt, und wo dieses schon gelungen, wo die Zulässigkeit der Sonntagsfeicr in den Gemüthern schon gereift ist, nicht damit gezögert und auch nicht wie cs da und dort geschehen, sie in dürftiger und profauisirender Weise eingeführt, dadurch daß man zum Gottesdienst nicht den ersten und bessern Theil des Tages, den Vormittag wählt, oder gar ängstlich in den Gebeten jede Beziehung auf den Sabbath vermeidet. Das aber ist das beste Mittel, gar keinen Tag der Weihe und Erhebung wieder aufkommcn zu lassen. Nein! führet ihr einen Sonntagsgottesdienst ein, so khuet es wahrhaft, uracht ihn ganz und vollständig zu einem sabbathlichen und saget nicht: Dadurch wird ja der bisherige Saböatb vernichtet und der Sonntag dazu erhoben." Letzterer ist es, wird cs durch seinen Gottesdienst, durch seine religiöse Anregung und Erhebung. Euer Sabbath aber ist cs nicht, war es längst nicht mehr, weil ihm alles fehlte, was ihm zu einem Tag der Heiligung und Erhebung hätte machen können. — Wollt ihr nun, weil ihr diesen nicht mehr besitzet, auch dm neuen, durch die Macht des Lebens und der gemeinheitlichen Verhältnisse, die ja auch eine heilige ist, sich euch barbierenden, verstümmeln und werthlos rrmchm? Das wäre Thorheit und Sünde zugleich! — Eisenach im Zarmar 4848. vr. m. Heß. ©*f£fÖte öss Tsgss. Adresse au Lord §?ussel. ^rurrLAmrgsverfuch. Berlin im Januar. — Wie man vernimmt, sollen in der hiesigen jüdischen Gemeinde Unterschriften für eine Adresse an Len «ngtischen Premierminister Lord H. g'usscl wegen feiner kräftigen Rede für die.Emancipation der Juden und Dämpfung des in Preußen ausgestellten PrincipS des christlichen Staats gesammelt werden. Ob diese Adresse, wenn sie zu Stande gekommen fein wlrd, dasselbe lraurige Schicksal treffen werde, welches eins ähnliche im Jahre 1843 an den rheinischen Landtag wegen seines freisinnigen Votuins in der Judenfrage betroffen hat, must vorläufig noch dahingestellt bleiben. Hoffentlich wird sie diesmal die Erbweisheit ohne Gleichen vor einem solchen Ende bewahren. — Dem Vernehmen nach haben sich mehrere namhafte Männer aus der alten Gemeinde an die Spitze eines Vereines gestellt, der nach seiner ursprünglichen Entstehung die Tendenz gehabt haben sollte,. ein neutrales Gebiet für die Anknüpfung friedlicher Unterhandlungen zwischen der alten Gemeinde und der Reformgenossenschaft zu bilden, in seinem Fortgange aber auf den Zweck hinauölauft, der Resormgenoflenschaft, die bei den bevorstehenden Wahlen der Repräsentanten, in deren Händen das Schicksal der Gemeinde nach dem neuen Gesetz ruhen wird, voraussichtlich ihre Stimmen auf' bestimmte Candidaten ihrer Partei vereinigen wird, eine compakte Masse entgegcnzuhalten. Gegen die formelle Berechtigung dieser Bestrebung läßt sich nichts einwenden, ch wir sind weit davon entfernt, divn solchen Wahlkampf auf der einen und der andern Seite mit dem gehässigen Namen von Wahlumtrieben zu bezeichnen, wenn nur die Mittel, durch welche eine gedankcn- und gesinnungslose Zersplitterung der Stimmen verhütet werden solle, sich nicht vom Wege der Ehre und der Pflicht entfernen. Rur das Eine wollen wir nicht unrrwogen lassen, daß die Nrformgenosscnfchaft es ruhig zusehcn würde, daß keines ihrer Mitglieder in das Collegium der künftigen Nepräsentanten-Versammlüng komme, ja sie würde auf jede Wahl zu ihren Gunsten von vorn herein versichten, wenn sie zu den künftigen Organen der Eefammtgemciude sich einer billigen Berücksichtlg'mg ihrer religiösen Bedürfnisse und einer Anerkennung ihrer Berechtigung als eines brsondern CulkusverbandeS innerhalb der Gemeinde eben so zuversichtlich v: ' dürste, wie sie ihrerseits eine solche zu gewähren bereit ist. DaI sie alles dessen von den gegenwärtigen Gemeindeorganen nicht gewärtig sein darf, ist eben so gewiß als dis Befürchtung einer ähnlichen Parteistellung von Seiten der künftigen nicht unbegründet ist. Ein Wahlkampf auf Seiten ver Bssormgttwffsulchaft ist daher not ein Krieg, re? einem zu errvs..'.enden sicher» 2nM vorberr»