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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-01-30 · Heft 5 (30.1.1848) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 5 (30.1.1848)
Date
1848-01-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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34 Reform, so ohne weiteres den Stab zn brechen, ohne zu bedeuten, daß ihm, dem orthodoren Christen, der Sinn und das Verständniß für die Reform des Jndcnthumö und das Bewußtsein ihrer Träger eben so verschlossen sei, als dem orthodoren und nicht orthodoren Juden der Sinn und das Verständniß für das orthodoxe Christenthum abgehn. Eine solche Anmaßung muß von Seiten der Juden ebenso entschieden zurückgewicscn werden, wie dies von Seiten der Christen bestimmt geschehen würde, wenn ein Jude und noch dazu ein orthodoxer, dogmatisch befangener Jude sich es Herausnahme, ein Votum über die Rothweudigkeit der christlichen Taufe vcur Jüdischen und christlichen Standpunkt aus abzugeben. — Herr Prof. Delitsch darf sich daher nicht sonderlich geschmeichelt fühlen, wenn ihm von einigen unwissenden und gesinnungslosen Inden aus der Teterower Gemeinde für den Schutz, den er dem orthodoreu Jndenthnm im Namen des Christenchmns angedeihen ließ, öffentlicher Darck zu erkennen gegeben worden ist. Man ist es gewohnt, die Bornirtheit weniger jüdischer Ignoranten sich hinter die schützenden Iütige der christlichen Orthodoxie flüchten und sie dort, gar wohlwollend ausgenommen zu sehen. — Daß es aber Herrn Prof. Delitsch nicht nur die wissenschaftliche Eruirnng des Sachverhältrüsses zn thun sei, sondern den Leuten zu zeigen, daß wenn man die talmudische Brücke, die ans der Bibel in die gegenwärtige Entwickelung hinüber führt, verläßt, d. h. im Sinne des Hrn. Prof. D., den Talmud nicht als einen mit der Bibel gleichberechtigten Kanon anerkennt, aus der Bibel nn't einem Sprunge in den breiten und reißenden Strom des Christenthums himinpluMpst'N müsse, das hat er am Schluffe selbst offenbart, indenr er die Reform als eine „unberechtigte Selbstenlbindnug" bezeichnet, „welche zw ischcn Judenthum und CHriftenr hum ein Ding mitten ein schiebt, welches weder Schale mit Kern, noch Kern ohne Sch al e i st." Also das biblische Judenthum äst Schale und K e r n. Daö gesteht ein orthodoxer Professor der christlichen Theologie zu. Nun, warum sollte der Jude nicht berechtigt sein, die Schale wegzuwerfcn und den Kern zu.behalten, oder von der. Rcchtsverbindlichkeit gegen die Schale sich selbst zu entbinden und nur gegen den. Kern sich, verbunden zu halten? Aber welches ist in der biblischen Religion des Zudenthums die Schals noch welches der Kern?. Herr Professor Delitsch docirt: Das alttestamentliche Gesetz, von dem auch daS Christenthum seine Bekenner entbindet, ist die Schale, und der Glaube ist der Kern. Nun, warum sollte der Jude nicht selbstberechtigt sein, sich vom alttestamentlichen Gesetze, zn dem auch Die Beschneid ung gehört, zu entbinden, d. h. die Verbindlichkeit für erloschen zu halten, und nur an dem Kern allein, an dem Glauben ftstzuhalten? 'Aber, ruft Herr Prof., nur der Glaube an Christum, d. h. nur der Glaube, daß Christus durch seinen Opfertod Alle, die an ihn glauben, vom Gesetze entbunden habe, kann zn solcher Entbindung berechtigen! Wie aber, wenn der Jude glaubt, ohne diese -t u n st liche Entbindung auf ganz u a t ü r l ich em Wege sich selbst entbinden zu dürfen? Die Berechtigung zu solcher Entbindung liegt doch immer nur in dem Glauben an selche Berechtigung; ob ich glaube, ein historisches Erer'gm'ß, oder ob ich glaube, mein eigenes Bewußtsein gebe mir die Berechtigung, immer glaube ich an die Berechtigung, die für den Gläubigen ausreichend ist. Der rcformirte Jude glaubt mir dem orthodoren Christen, in dem alten T. sei Schale mit Kern verbunden, der Kern sei ewig, die Schale vergänglich. Der orthodoxe Christ 'glaubt aber, zur Hinwegräumung der Schale habe ein Wunder geschehen müssen, der reforinirte Jude dagegen zäblt einen solchen Wunderglauben mit zn der alttestamentlichen Schale und meint, die bloße Erkermtm'ß,^daß etwas Schale sek, genüge, ohne alle Wunder, zur Berechtigung ihrer Abschaffung, oder richtiger, in der bloßen Erkenntniß, daß etwas Schale sei, ihre Abschaffung schon implicite enthalten sei. Was hat also der subjektive Glaube des Herrn Prof. Dclitfch, daß zur Hinwegräuurrmg der alttestamentlichen Schale ein nentestamentliches Wunder nöthig sei, mit dem subjektiven Glauben des reformirten Juden zu rechten, der lieber an die Schale mit dem Kern festhalteu würde, als die eine Schale um den Preis einer andern hmweggeschaffr zu sehen? Wir müssen Lader, weil der Standpunkt, von welchem aus cm christlicher Professor gegen eine jüdische Religionsbehörde ankäupsst, ein subjektiver ist, das Ankämpfen als eine Anmaßung^, Äs einen unberechtigten Eingriff in ein fremLes Rechksgebiet, auf welchem es schon die Ehre einem Christen verbietet, seine. Stimme geltend Zu machen, entschieden Zurnckweisen.

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