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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-02-06 · Heft 6 (6.2.1848) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 6 (6.2.1848)
Date
1848-02-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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weiß, daß der Siadtrath viele Kaufleute und Handwerker in seiner Mitte hat, die durch die Gleichstellung manchen neuen jüdischen Concurrcnten bekommen, manches alte'Monopol verlieren würden. Man verschwieg sich bei der Verathnng diesen Nachtheil nicht, aber der gute Geist res Rechts und der Humanität siegte über den Krämergeist. Was werden unsirc nächsten Nachbaren, die Bremer, die Hamburger und selbst die Hannoveraner dazu sagen? Ich darf kaum hoffen, daß sic sich ein Beispiel daran nehmen werden — denn dort scheint man nun einmal rcn Posannenruf der-Humanität für die Juden nicht hören zu wollen — uns wir muffen froh sein, daß uns die böse Nachbarschaft nicht schadet. — Uebcr den Fortgang dieser Angelegenheit läßt sich bei unserem langsamen Gange der Entwickelung in der Gesetzgebung nicht so bald etwas erwarten. Vorläufig ist alle Wahrscheinlichkeit ra, daß auch die zwecke Stadt des Landes — Jever, ähnlicher Weise sich verwenden werde. Auch der Bericht rer Negierung wüv gut auosallcn, denn man kann den Juden des Hrrzozthums Oldenburg selbst bei dem schlimm, stcn Willen nichts Böses nachsagcn und ras Vorurtheil hat Mühe, Waffen gegen sie zu sindcn. Es mindert sich daher auch mehr und mehr und cs ist kein Zweifel, daß sobald wir Stände bekommen — was im Werke ist — die Jurciifiage keine eingefleischten Feinde, und gewiß K'rr viele Freunde finden wird. So hat vor Kurzem -.rst rer Schulvorstand der Stadt Delmenhorst beim Consistorium beantragt, man möchre roch, um der kleinen jüdischen Gemeinde eie Last zu crl:ich:crn, reu jüdischen Lehrer bei den Stadtschulen anstelle». Das Eonststorinm wird natürlich nicht daraus cr'ngebcn, denn cs ist eben — ein christliches, doch legt cs den Juden wc. nigstens kein Hinrermß in den Weg. Bon rem ersten Ackglieve dieses Consistonums, dem geheimen Obcrkrrchenrath Ur. Boitcl — einem auch sonst in der projestantisch-thcolognchcn Well nicht unbekannten Manne — inuß ich noch ein Wort berichten. Auch dieser ha: Veranlassung genommen, vor Kurzem in dem von ihm herausgegcbenen Schul- und Kirchen, blatte die Stellung rer Zurcn zum Staate zu besprechen. Ein Theolog und Nationalist hängt er dem christlichen Staate an, verlangt all'o von diesem Humanität und Gerechtigkeit für die Inden, also eine Gleichstellung, bcgränzt jedoch nicht bloß von der Kirche, scndcrn auch von Allem, was Schule und Cchulangelegenhcit auch im Entferntesten berührt. Sein Votum ist daher eine bunte Mischung von Ertrcmcn, doch so daß überall die Schwankung und die Halbheit durchblickt und daß er in Summa — zu Gott täglich betet, wir möchten Christen werden. Das ist der Refrain aller dieser Herren. auch der billigstcenkcndcn! In den dahier erscheinenden neuen Blättern ist dieses Votum besprochen und ich lege Ihnen daher die Nummern dieser Blätter bei, vielleicht daß Sie Lust haben. Eines und das Andere daraus zu entnehmen. *) Und somit für diescsinal genug, da ich über eigentlich religiöse Angelegenheit nichts zu berichten weiß. W. Geschehen Oldenburg zum Stadtmagistrate I8i7. Sept. 16. Ul pleno In der heutigen Magistratssitzung kam die Eingabe des Landrabbiners Wechsler und des israelitischen Gemeindevorstehers Hrn. Battin vom 30. Aug. d. I., welche nebst den Beilagen zur Ein. sicht bei den einzelnen Magistratspcrsonen cireulirt hatte, zur Sprache, und war der Magistrat einstimmig der Ansicht, daß dem Wunsche der Supplikanten gemäß, der Magistrat sich vahin anszusprcchen habe, wie er es nicht mir für unbedenklich, sondern für eine Forderung der Vernunft und des Rechts halte und dcßhalb beantragen wolle, daß die Ausnahmsgcsetzc, welche bis jetzt in Betreff der Juden bestehen, aufgehoben, und die Juden den ükrigen Bewohnern res Landes in ihren Reckten als Staars - und Gemcindcbürgcr völlig gleichgestellt werden. Der Magistrat beschloß, die erwähnte Eingabe, nebst deren Beilagen und Abschrift dieses Prorocolls dem Startralhe zur Erklärung mckzuthrilen. Ui fidein Wobcken. Propping. Geschehen in der Sitzung des Stadtraths zu Oldenburg dcu .2. Ortober IS 17 Nachmittags. Gegenwäriig die Herren v. Buttel, Stauklof, Hegelcr, Meyer Growermaun, Benidt, Jnhulscn, Meyer jun., Fortmaim, Sonncwald. Herr Ruder war entschuldigt, der Ersatzmann nicht erschienen. Das Protocoll des Stadtmagistrats vom 10. Scxl. v. I. betreffend die Eingabe des Landrabbincrs Wechsler und des israclit. Gemeindevorstehers Ballin, nebst Anlagen, hatte beim Stakkrath cireulirt. Derselbe erklärt sich einstimmig mit dem Beschlüsse des Magistrats einverstanden, indem auch er dafür hält, daß überall kein Grund vorlicge, die hinsichtlich der Juden creeptioiiellen Bestimmungen noch länger sortraucrn zu lassen. Die dafür sprechenden Gründe sind namentlich in der an das Landesherrliche Cabinet gerichteten Eingabe vom 13. November 1815 so vollständig enthalten, daß es einer weiteren Ausführung nicht bedarf, und kann der Startrath nur vereinigt mit dem Magistrat, seinen Wunsch *) Wird vielleicht schon in einer der nächsten Nummern geschehen. Die Red.

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