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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-02-06 · Heft 6 (6.2.1848) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 6 (6.2.1848)
Date
1848-02-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Einhorns Erlajr. Cröve lin iu Meklenburg - Schwerin im Januar. — Mit Kummer und Entrüstung must es nicht allein jeden gebildeten, sondern auch jeden wahren Bekenner der jüdischen Religion crsüllen, wenn er sieht, wie seit einiger Zeit in unserem Lande Ignoranz und Fanatismus ihr Haupt erheben, unv sich bemühen, das Nrthcil und die Person unsers neuen Landes - Rabbiners \\i verdächtigen. LLahrlich, die Zeloten, die seit einiger Zeit, unfähig und unberufen in Teterow und andern Orlen laut wurden, sie allein sind Schuld, wenn Bekenner anderer Religionssekien geringschätzig aus uns hrrabschen, und die volle Befähigung zur Emancipation uns abspreche!,. - Als ein jüdischer Later in Teterow seinem unbcschnittcnen Kinde jüdischer Seits in der Lpna. goge einen Namen gegeben haben wollte, und I>r. Einhorn befragt wurde, ob d es zu gestatten, da erkannte er, mit Recht und gestützt auf den Boden des Rcligionsgesctzes, dast allerdings rem Kinde die Aufnahme in dasZudcnthum nicht zu versagen sei, wenn auch der Later dasselbe nnbeschnitten ließe. Keineswegs erlaubte er, weder in diesem Falle, noch für zukünftige das Rach, lassen der Bcschiieirimg, er räumle nur dem uubeschniltcueu Kuaden das ljkecht ein, Jude zu sein und verlangte nicht — Bcschncidung oder Taufe. Dies verstand die Clane der s. g. Orthodoxen nicht, oder richtiger, sie wollte nicht verstehen. Und alS nun ein Roslocker Professor. Prosclpt und Pietist, Einhorn in einem esse,ulichen Blatte angriss, und von seinem pictistisch bekehrende-!, Standpunkte ans, das Kind nicht als Jude anerkennen wollte, da brachten ihm ein Theil Juden öffentlich Da»k>'agn,ig dar, sie entblöeeten sich nicht, ihrem 'Rabbinee gegenüber, den Proseipten hervorzuhe'crn. als wäre er ein wahrer Freund des Judenthums! Empörend war cs;n lesen, wie Männer, die sonst ihren Namen kaum schreiben können, wiederholt in der Rostocker Zeitung ihre unreifen Anssch:en dem großen Publikum darlegicn. und sich ein Nrthcil anmaßren. Auch in der allgemeinen Zeitung res Judcuthums war vor Kurzem ein Aufsatz ans Mcklenbnrg, dessen Lenasser., wahrsche niich einer bekannten antirrsormisnsihcn Elianc angehörig, renr Professor Delttich Weihrauch spenreie. 'Wem, dieser Aussatz auch aus gebildeter Feder zu entspringen schien - cs ist mir Schein und leidiger Zrrthum — ein Gebildeter hätte gelesen, was in allen Zeitungen zu lesen war. dast die Stände des Landes auch Landbesitz reu Zurcn cinräumen, und rast wegen res Apoihckcrfachs noch Unterhandlungen mit hoher Laech-es - Regierung g pflogen werden. Doch diese Nngenanigke.t ist in rer Zeitung des Dr. Philipp, son nicht die einzige, verlegt doch der Redakteur selbst, in No. 47 vorigen Jahres Rostock nach Schleswig-Holstein!!! Mögen nun aber unsere Glaubensgenossen außerhalb Meklenburg nicht glauben, daß die Masse der Juden unseres Landes der lichtscheuen Partei angehöre — nein, die Sonne der Wahrheit und des Lichts bricht auch in unftrm Norden mächtig hervor, es tagt und wird hell werden, trotz der Obskuranten und ihrem gehässigen Machiniren. Was Holdhcim kräftig begonnen. wird Einhorn gemäßigt und weise sort-'etzen. und möge er nicht verzagen, es sieht ihm schützend zur Seite die Macht der Intelligenz im Lande, und auch die Anerkennung der größeren Masse wird ihm nicht fehlen. Immer mehr wird man ein''eben, daß die Männer, die gegen das Licht ankämpfen, keines Unheils fähig, keiner Berücksichtigung werih sind. Für diesmal genug; ich hätte gern nicht geschrieben, aber der Fanatismus tritt zu craß hervor, und ich glaubte der Wahrheit, was ich schrieb, schuldig zu sein. Unparteiisch war cs, denn ich keime unfern Einhorn nicht einmal, aber ich achte ihn wegen fer. uer Werke, seines Lebens und seiner in Schwerin und anderweitig bewiesenen Energie und Tüchtigkeit, und ich werde mich reich belohnt fühlen, wenn er nicht erlahmt in seinem Streben, und die Ucbcrzeugnng gewinnt, daß d:c Anerkennung aller derer i'gtn zu Theil wird. die überall ein Urtheil haben. I. Weil Dr. me<*. Hoffnriugorr tu Oldenburg. j Oldenburg im Januar. - Sie haben wohl schon vor kän-! ge rer Zeit in öffentlichen Blättern gelesin. daß in hiesiger Stadt I von Seiten des Magistrats und Srad'.rarhs Schritte für die Am« - Hebung der Ausnadmsgesetze in Betreff der Juden res.Her-ogtl-.rmS i. und für die völlige Gleichstellung derselben geschehen seien. Da- ) rnals war diese Nachricht in so fern verfrühct, als zwar der Gegenstand schon zur Beratung und vorläufigen Beschlustuahme gekommen, ein Schritt aber noch nicht geiban worden war. Erst vor Kurzem ist die Eingabe an die Regierung und an das Kabinet erfolgt und ich tbeile Ihnen daher jetzt die Aktenstücke zur beliebigen Disposition mit *j. Ist es auch gottlob nichts Neues und Auffallendes mehr, wenn so ciwas geschieht, so liegt roch in rer warmen, energischen Art und'Weise, wie unsere Behörden sich über die Forderung der Emanzipation ans'prechen, wie sie der unbedingtesten Gleichstellung das Wort reden, ein Grund zur Veröffentlichung. so wie ferner in der schonen Einstimmigkeit beider städtischen Collegicn. Diese ist um so anerkennenswerter. wenn man *) Wir geben sie wörtlich hierunter. Die Red.

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