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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-02-06 · Heft 6 (6.2.1848) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 6 (6.2.1848)
Date
1848-02-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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4.» Wir würden dieses Vorfalls nicht Erwähnung thun, wenn er nicht unfern englischen Glaubensgenossen grade in dieser Zeit hinsichtlich ihrer bürgerlichen und socialen Stellung höchst nachtheilig werden könnte. Ein vor unS liegendes londoner Blatt, Douglas JerroW’s Weekly New später, erzählt ihn unter der Ucberschrift: Unduldsamkeit unter den Juden, mit nachstehenden Betrachtungen: „Das englische Volk hat in den letzten Jahren für seine jüdischen Landsleute warme Sympathicen kund gegeben, und die öffentliche Meinung nöthigie die Gesetzgebung ihnen gleiche bürgerliche Berechtigung zuzngcstchcii. Juden haben die Armier eines Schrriffs und Alccrmans bekleidet, und London hat den Baron Rothschild in das Parlament gewählt. Das sind große Triumphe über Glaubcnsoorurthcile, welche erwarten ließen, daß mau bei reu Juden unter sich eine freisinnige Verträglichkeit antrcffen würde. In dieser Erwartung sieht man sich getäuscht, wir haben vielmehr einen Fall religiöser Versolgnng, über das Grab reichend, ansznzcichnen, der nicht anders als allgemeinen Unwillen hei verrufen kann." Run folgt der vollständige Hergang ans dem Jcwisii (’hronicle, sodann die Schlußdemcrknng: „Wir bedauern diese schmachvollen Vorgänge um so lebhafter als die Gegner der Juden-Emancipation nicht versehlcu werden sic zu benutzen, nur die bürgerliche Ungleichheit, welche ans diesem verfolgten Gcschlechte so lange hastet, zu verewigen." Dies, fügen wir hinzu, scheint den Hrn. Ehici-Rabbi weniger zu berühren, als das Ochsen.Hinrcrvicrtcl, reffen Genuß nach hcrausgenonunener Spannaver bisher die Londoner Juden sich erlaubt hatten, ohne Gewissen oder Magen dadurch beschwert zu fühlen, er ihnen jeroch neuerlich nnreesagt har; allem wer einen 77r bestellt har, kann begreiflich keinen -M vorgcsctzt bekommen, das ist's. Die Meklerrbrrrger Orthodoxen. Schwerin im Januar. — Ich beeile mich, geehrtcstcrHerr Redakteur, Ihnen ein Kuriosum aus dem Treiben der hiesigen Orthodoxie miizuthcilcn, worüber die Indignation so groß und allgemein ist, daß es einen förmlichen Sturm hcrvorgeruscn haben würde, wenn das Resultat der sonderbaren Jnlrigue das Ganze nicht ins Lächerliche gezogen hätte. Im Juli v. I. nämlich wurde, wie Ihnen bekannt, den hiesigen (von der Re. gierunz also getauften) jüdischen Dissidenten die Anstellung eines bcsonrcrn Rcligionslehrers gestattet. Als nun kurz nach Einhorns Amtsantritte der erwählte Ehasid, versehen mit einem Prüfungszrugnisse vom amerikanischen Echrogim.Helden zu Altona, hier ankam, um die ungeschickte Hand nach unseren jungen Ethrogim auszusirrckcn, deren Schuld cs wahrlich nicht ist, auf Bäumen gewachsen zu sein, welche den Namen Hadar nicht, verdienen, machte der Schulvorstand der hierin ein “fTiD erblickte, bei der Regierung die Bestimmung des Kirchcnstatuts, welche die Anstellung der israelitischen Lehrer von der Approbation des Land» Rabbincn abhäugcn läßt, geltend. Darauf hin erschien ein Regiernngsrcscript, wornach der anznstcllcnde weiland Tuchmachergcsclle erst in anzusragcn hat, ob er einen Theil der Schweriner Jugend in den Gan Eden führen dürfe. Es ward nun zur Prüfung geschritten. Doch kaum vernahm der Examinand die ersten Prüfniigssragcn — so erhob er sich unter der Erklärung, solche Fragen nicht beantworten zu können. Ob ans Impotenz oder aus Empörung über die vernommene Ketzerei, das weiß ich nicht. Jedenfalls war der Grund genügend und vor Abfallen, wie Durchfällen in gleicher "Weise schützend. Doch den Dissidenten war hiermit natürlich noch nicht geholfen; sic schäumten vor Wuth und trösteten sich nur mit der Hoffnung, cs sei noch nicht aller Tage Abend gekommen; sie wurden allmählig ruhig, gchcimnißvoll und siegesgewiß, ohne daß Jemand anzugeben vermochte, welcher Hoffnnngssiern ihnen leuchtet. So vergingen mehrere Wochen. S.'ellcn Sic sich mm mein Erstanncn über den Inhalt solgendcn, dem Lanr-rabbincn eben communizirtcn Regicriuigsrcscriptcs vor: „Dem Kaufmann R. )!. und Eonsortcn hiesclbst wird ans Ihren Vortrag vom 23. v. M. hiedurch zur Resolution gegeben, daß so wenig die Prüfung des von ihnen anziinchmendrii besonderen Rcligionslchrers erlassen, noch die Vornahme derselben durch den Professor Delitzsch zu Rostock verfügt werden kann, nnv haben sie vielmehr, der bestehenden gesetzliche» Bestimmung gemäß, ihre schutzpstichiigen Kinder in die öffentliche Rrligionüschule der jüdischen Gemeinde zu schicken, so lange sie den erforderlichen Religionsunterricht nicht durch einen vorschriftsmäßig d. h. durch den Landesrabbincr geprüfte» und apprebirten Religionslehrer eriheilcii zu taffen vermögen. Schwerin den 12. Januar!8i8. G. M. L. R. v. Lützow. In dieser Weise wollten also unsere rührigen und superklugen „Frommen" die Bcschneidniigssehdc für ihre Endzwecke ans» beuten! Man hat wohl auch sonst schon gehört, daß christlicher und jüdischer Pietismus zur Verdächtigung nnv Unterdrückung der Reform des Jndcnthnms sich vereinigen; aber einem Missionair des Kreuzes die heiligsten Interessen der Judcnhcit anverirauen zu wollen, bleibt selbst bei der Bornirthcit der hiesigen Orthodoxie unbegreiflich. _

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