Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1848)
- Date
- 1848-02-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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4Z kommen überein. Aber kann man mit Hülfe derselben Die Veschneidung abschaffen? Las ist die Frage, die uns hier beschäftigen muß. Zn dem vorliegenden concreten Faste müssen mir mit der Bibel iugestehen, daß die Nichtbeschneidung eine Zerstörung des Bundes zwischen Gott und dem Juden sei. Wird angenommen, daß ein solcher Bund noch besteht, so hat der die Bcschnei- Dung verweigernde Jude sich von ihm losgerisscn. Nach dem Talmud kann man sich nicht losreißen, man ist Lurch die Geburt in diesen Bund gebannt. Aber man hat das Bundeszcichen zerstört und darum eine strafwürdige Sünde begangen. Zwischen diesen bestimmten Ansichten bat Einhorn zu wählen. Erkennt er die ralmudische Ansicht, welche über die Bibel hinausgeht, oder sie anders auffaßt, als einen Fortschritt au, so mag er mit Recht zu ihr sich bekennen. Aber wie kommt man über die Sünde hinweg? Einhorn kann sagen: Soweit Der Talmud über die biblische Ansicht, daß die Nichkbeschneidung ein sich Losreißen vom göttlichen Bunde sei, hinausgcbct, erkenne ich. ibn gegen die Bibel als einen Fortschritt an; inwieweit auch er in dem Zrrtbume befangen ist, daß die Zerstörung dcsBundeszcichens eine strafwürdige Sunde sei und darum zu deren Abwendung und Verhütung gewaltsame Maßregeln gegen den Willen des Vaters genommen werden müssen, sei er von der gegenwärtigen Entwickelnugostufe des religiösen Bewußtseins überschritten worden. Und darin scheint uns!)r. Einborn gar sehr zu irren und in ein sehr verfängliches Dilemma sich zu verstricken. Tenn die talmndische Ansicht, nach welcher man widerwillig Jude geboren und dcßhalb in demselben ewig verharren müsse und sich nicht davon lostrenncn könne, ist durchaus nicht von der gegenwärtigen Stufe des Religionsbewußtscins als ein Fortschritt anzuerkenncn, vielmehr als ein scharf ausgeprägter Widerspruch gegen das Prinzip der Gewissensfreiheit, nach welcher der Mensch über die Angehörigkeit an eine Glaubensgemeinschaft nach freier Ucbcrzeugm'g sich selbst bestimmen muß. Welche Brutalität liegt in dem Gedanken: Weil du als Jude geboren, d. h. aus solchem Saamcn entsprossen bist, mit dem Gott ein ewiges Bündniß geschlossen, bist du für dein ganzes Leben verpflichtet, in demselben zu verharren und alle Bedingungen dieses Bündnisses zu erfüllen oder den Zorn Gottes auf dich zu laden und Strafe zu tragen? Dieser talmudische Kanon, auf den Einhorn sich stützt um zu beweisen, daß der Unbeschnittene nicht ans dem Judenlhum ausgeschieden sei, weil man aus demselben nie heraustreten könne, ist cs eben, welchen das gegenwärtige Bewußtsein desavouirt, weil er dem Inden zürnst: Du mußt Jude sein, d. h. du mußt das Gesetz beobachten und wenn du dessen Verbindlichkeit tausendmal leugnest, weil du gegen deinen Willen vom Indcnthnm fcstgchalten wirst. Die gesetzlichen Bestimmungen, welche gebieten, die Veschneidung wie andere Ceremonialgcbote zu erzwingen, sind nur Konsequenzen, die ans dem Prinzip des widcrwilligen Judeseins fließen. Es herrscht zwischen den zwei Gliedern des Satzes: Tu bist ohne und gegen deinen Willen auf das Gesetz verpflichtet und mußt zu dessen Ucbung gezwungen werden, ein inneres correlativ eS Verhältniß und sind sie nicht von einander zu trennen. Hat Einhorn das erste Glied des Satzes, welches lautet: weil du mit der Verpflichtung auf das Gesetz geboren, kannst du dich nicht davon entbinden, zugegeben, so muß er auch das zweite Glied welches den Zwang gebietet, unbedingt zugeben. Protcstirt er gegen den Zwang im Namen der Gewissensfreiheit, so muß er auch gegen die uufreiivillr'ge Uebernabme von Pflichten in demselben Namen protestiren. Er kann aber dann nicht mehr auf den Talmud sich berufen, daß der Unbcschnittene, der nicht llnfreiwittiger Jude sein will, dennoch ans dem Judentbnme nickt geschieden sei, weil man nach dem Talmud unfreiwillig Jude sein muß. Wir tadeln also Herrn Dr. Einhorn nicht, daß er mit dem Tal m ud r e f o r m i r e, sondern daß er mit einem solchen t a l :n u d i s ck c n P r i nzi p re formi re, welches er selbst als ein falsches anerkennt. Also: erkennt Einhorn an, daß zwischen Gott und dem jüdischen Volksstamme ein solches engere Bündniß, wie es in der Bibel beschrieben wird, wirklich bestehe, so müssen die Konsequenzen dieses Bündn isses, d. h. die Verpflichtung auf das mos. Gesetz gleichfalls anerkannt werden. Erklärt der Einzelne, daß er an ein solches Bündniß nicht glaube, so scheidet er allerdings ans der Gemeinschaft derer, die in einem solchen Bündniß sich fühlen. Meint Herr Dr. Einhorn, daß man ohne das Bündniß in Abrede zu nehmen,.doch die Verbindlichkeit der einst in Geltung gewesenen Glsetze leugnen können und sich in dieser Beziehung auf die historische Entwickelung des ZudenthumS zu berufen, so wird