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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1848-02-06 · Heft 6 (6.2.1848) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
9 (1848)
Issue
Heft 6 (6.2.1848)
Date
1848-02-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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ligtcn Fl eisd) c u. Blutc. Dieser jnd. Ratio » alität und zwar in ihrer rohesten und crassesten Form, wie sic Herr Vr. Sachs gcbrandmarkt, kann der Jude nie und nimmer siel, entänssern, d. h. er kann sich, weil er alS Jude geboren, seiner an diese Geburt fcstgebundenen Verpflichtung, wenn er auch vom Gegentheilc überzeugt ist,, nicht entbinden. — Gar sonderbar argumentirt der sonst im Talmud bewanderte Herr Rab. Fastet, (Bestlmeidung der Israeliten von G. Brecher S. 10), daß die m uthw il lige .(für grundsätzlich weiß Herr F. kein besseres deutschrS Wort als mnthwillig) Nichtbcschncidnng alS ein Hcranstreten aus dem Jndenlhum zu betrachten sei, weil die Bcschneidnng gegen den Willen dcö Vaters mit Zwang vorgenommen wird. „Warum," fragt Herr F., ist gerade die Bcschneidnng zu erzwingen? Weil das Nichtbcschncideulasten eine Lossagung vom Jndenthnme ist und eine solche Ausdehnung kann den Rechten des Vaters über sein Kind nicht gegeben werden." Wir beneiden Herrn F. nicht um seine Bewunderung für die talmndische Religion, die den Rechten des Vaters über seinen Sohn so billige Schranken zu setzen weiß. Aber falsch ist diese ganze Argumentation, denn nicht blos die Beschneidnng, sondern die Ausübung jedes affirmative» Gebotes, wie Sukotb, Lnlab re. wird nach dem Talmud erzwungen, d. b. der Renilirendc wird so lange geprügelt, bis ihm die Seele ansgcbr (Ketoborh 65). Herr M. Steinschneider scknndirt Hrn. F., polcmistrt (das. S. 5.) gegen uns. Herr S. mag über die Beschneidung der Araber und Muhamrdaner viel Interessantes zu sagen nassen. Ich könnte ibm mit I. Sirach antworten: rw nnnoa poy Aber gegen einen Mann der Wissenschaft, der eine Ansicht, welche der jüd. Rcligionsbebörde die 'Anwendung von Gewalt oder das Anrufen obrigkeitlichen Zwanges gegen einen Familienvater widerräth, „moderne Sophist ik'' nennt, daS vertbeidkgte Prinzip der Gewissensfreiheit mit „Willkühr" bezeichnet, habe ich keine Waffen, brauche ich keine Waffen. Soweit sind wir also mit Einhorn gegen die christliche und die jüdische Romantik völlig einverstanden, daß auf dem talmndischcn Standpunkte weder die Beschneidnng den jüdischen Charakter verleihen noch ihre Unterlassung denselben nehmen könne. Allem die Bedenken des Herrn Prof. D. heben noch einen dritten Gesichtspunkt, den der Bibel hervor. Indem er glaubte, daß Herr vr. Eindorn vom talmudischen Standpunkte als von einem fremden sprach, macht er bemerklich, daß cs in der Bibel ausdrücklich heiße: Wer sich nicht beschneiden läßt, deß Seele solle ausgerottel werden aus ihrem Volke, meinen Bund bat sie zerstört (1. B. M. 17. 11.). Und hier muß man gestehen, da in der Bibel keineswegs solche schroffe Theorien stvie im Talmud ausgebildct sind, daß nach dem natürlichen und schlichten Sinne der h. S. der die Beschneidung grundsätzlich verweigerndeZude allerdings als ans der Gemeinde ausgerottel, ans dem Verbände mit Jehova losgcrissen anznftben sei. Hierauf entgegnet Herr vr. Einhorn, daß er vom talmudischen Standpunkt keineswegs als einem fremden spreche, vielmehr in ibm eine historische Entwickelung des biblischen erblicke. Er beruft sich auf die ganze historische Reformschule, die freilich dem christlichen Professor eine terra incognila ist, welche über den Talmud mit demselben Rechte hinwegfthreitet, mit dem dieser über die Bibel hinweggeschrirten ist. Da es nun der erste wichtige Fall ist, wo diese Schule von ihrer Aeformtbcorie einen praktischen Gebrauch macht, so ist die Sache interessant genug, um bei ihr etwas länger zu verweilen. „Das Jndenthum," sagt Einhorn," will daher auch heute keineswegs wie Prof. D. irriger Weise meint, das rabbinische ignoriren und die Tradition beseitigen, um zur starren biblischen Gesetzlichkeit zurnckznkehrcn, sondern von demselben göttlichen Geiste dem die Schöpfungen seiner vieltausendjährigc» Geschichte ihre Entstehung verdanken, in vollem Bewußtsein seines Hohen Berufes weiter vorwärts zu dem glänzenden Ziele, das schon die Propheten gesteckt, getrieben werden, und demnach seinen Wahrheiten und Sittcngcbore» eine so lebendige Herrschaft über die Gemütdcr verschaffen, daß sie sich nicht mehr durch Symbole in dieselben cknschmuggeln müssen." .... Diese Auffassung des talmudischen Judentkmns als eines bedeutsamen Moments in der Emwickelungsgeschichte deS Judenthums, fährt E. fort, sei zuerst von Geiger ausgesprochen und auch von uns, nachdem wir lange dagegen angekämpst, doch zuletzt auch anerkannt worden. Das talmudifche Judenthum sei von der gegenwärtigen Eutwickelnngs stufe überschritten aber nicht als ein fremdes erkannt worden. Mit dieser Ansicht im Allgemeinen, soweit sie als ein Reformprinzip aufgestellt wird, stimmen wir voll-

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