Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1847)
- Date
- 1847-03-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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SV den Mantel. Wäre nur der Dorfanger bei allen seinen Amts- Verrichtungen mit einem Talith bekleidet und wendete er dabei stets der Gemeinde den Rücken zu, so ginge es noch an. Erhataber bei verschiedenen andern gottesdienstlichen Handlungen in Amtstracht gegenwärtig zu erscheinen, wo sich diese armselig ausnimmt. Er begleitet z. B. eine Leiche. AlS Stellvertreter des Rabbinen folgt er unmittelbar nach den Leidtragenden und vor den übrigen Begleitern. Da nimmt er sich aber in Baret und dem nichtssagenden Rückendeckelchcn fast lächerlich aus. Man lasse ihn entweder in dunkler anständiger Kleidung auftrcten, oder gebe ihm (wie solche z. B. die Vorsänger im Badenschcn haben) eine Amtskleidung, die ihn nicht dem Spott der Juden und Christen auSsetzt. Es ist in der That zu wundern, wie der isr. Obcrkirchenbehörde, in allein bedacht den Gottesdienst würdevoll zu repräscntiren, dieser Punkt bis jetzt entgangen! Israelitische Zustände. (Von der Mosel, im Febr.) — Langsam, aber desto friedlicher und gesegneter gedeihen auch bei uns die Früchte der gegenwärtigen Bestrebungen bezüglich der Umgestaltung unserer religiösen Verhältnisse. Die Gemeinde Saarlouis, offenbar die gebrldetsie des trierischen Rabbinates, gehet den andern Gemeinden mustergebend voraus. Sie hat seit Kurzem auf die Empfehlung unseres Herrn Oberrabbiners Kahn einen wissenschaftlich gebildeten Lehrer und Prediger angestellt, der sich bemüht, die reformarorischen Errungnisse. der Gegenwart in dem Kreise seines Wirkens Geltung zu verschaffen. Während der kurzen Zeit seiner Anstellung wurde das Aeußere des Gottesdienstes würdiger gestaltet, Choralgesänge eingcführt und der s. g. Tropp beim Vorlesen der Thora abgeschafft. Weitergehende Reformen werden hoffentlich nicht lange auf sich warten lassen. Ich nehme hier Gelegenheit, die Nothweneigkeit und Wohlthätigkeit des vereinigten Schullehrer- und Predigeramtes in den s. g. kleinen m^np, die einen eigenen Rabbiner nicht anzustellen vermögen, zu erwähnen. Das belehrende Element darf wie in keinem, also auch in unserem Gottesdienste nicht fehlen. Es müssen darum auch in den Orten außerhalb des Nabbinatssitzes, zur Abhaltung der Predigten geeignete Subjekte vorhanden sein, da die alljährliche Rundreise eines Rabbiners dem Bedürfnisse eben so wenig, als das Ablesen unlokaler und unbrauchbarer, ferne Gegenstände besprechender gedruckter Predigten zu genügen im Stande ist. Es gibt unter den Lehrern viele gute Köpfe, die, wenn auch nicht klassische, (was gar nicht nöthig ist) doch dem Bedürfnisse der Landleute genügende Vorträge zu halten vermögen. Sind doch auch nicht alle Rabbinen oder alle Pfarrer befähigt, Musterpredigten zu halten, und sind vielleicht für ein gewöhnliches Publikum einfache und populäre Predigten wirksamer, als solche, die in blühender Schulsprache den Redegegenstand in eine für gewöhnliche Personen nicht zu erreichenve Hohe hinaufschrauben. In Baumholden, zum Regierungsbezirke Trier gehörend, das nur vier jüdische Familien zählt, sind zwei Juden, Vater und Sohn, zu Stadträthen erwählt worden. So sind nun in den meisten von Juden bewohnten Städten der Rheinprovinz Juden Stadtraths - Mitglieder. Das ist die Wirkung der französischen Gesetzgebung! — Cultns - Verbesserungen. (Meisenheim, im Febr.) — Der bessere Geist der Zeit, der alle Wohnungen der deutschen Juden durchzieht, hat nunmehr auch bei uns Einkehr genommen, seitdem Herr Flehinger seine Anstellung als unser Rabbiner erhielt. Er bemüht sich in weiser Umsicht das leider bei uns noch im Argen liegende religiöse Bewußtsein auf eine bessere Weise umzugestalten und es auf die Höhe der Gegenwart zu erheben, Ich thue der von ihm getroffenen Einrichtungen bezüglich der Einführung des Chorgesangs, der äußerlichen Ordnung beim Gottesdienste rc., die anverswo kaum mehr des Aufhebens werth find, nur aus dem Grunde Erwähnung, weil der größte Theil seiner Gemeindemitglieder orthodox, Herr Flehinger nur altgläubige Vorgänger hatte unv sein Rabbinat übernahm, nachdem dasselbe lange ohne geistlichen Hirten gewesen. Uebcrvies ist bei jeder Aenderung des Status quo des Gottesdienstes die Zustimmung des jüdischen Vorstandes erforderlich, welche bekanntlich nicht immer mit leichter Mühe zu erlangen ist. Wir können sicher noch weitcrgreifende Reformen von unserem Rabbiner erwarten. Erwähnen muß ich noch, daß Herr Flehinger nach dem Schlüße des sabbathlichen Gottesdienstes am Freitage die Jugend vor sich treten läßt und sie segnet, d. i. benscht. Riecht das nicht nach Priesterlichkeit? Auch eine bürgerliche Verbesserung ist uns zu Theil geworden. Unsere Regierung hat nämlich das kaiserliche Dekret deS f. g. Moralpatentes außer Kraft gesetzt, und so können wir unS nunmehr als völlig emancipirt erklären. — Im Ganzen leben i in der Landgrafschaft '1000 jüdische Seelen, die sich der Achtung j der Beamten und der Licbe ihrer christlichen Mitbürger erfreuen. Die eigentliche Landgrafschaft Homburg hat einen eignen Rabbiner, so viel wir wissen vom orihovoren Genre, Herr Flehinger ist nur Rabbiner in der Herrschaft Meisenheim.