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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-03-14 · Heft 11 (14.3.1847) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 11 (14.3.1847)
Date
1847-03-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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80 schlusse gekommen, so dürste auch dann aus der allgemeinen De-! batte kein bestimmtes Resultat gezogen werden und der Ausspruch wie der K. - B. ihn in diesem bestimmten Fall thut: es gehe aus der allgemeinen Debatte das und jenes Resultat auf das Entschiedenste und Nachdrücklichste hervor, wäre noch immer eine große und unverantwortliche Unwahrheit, denn nur in den Beschlüssen, in dem nämlich, worüber die Versammlung sich zum Be. chlusse geeinigt hat, giebt sich die Ansicht der Versammlung zu erkennen,nicht aber in den Berathungen, wenn und so lange diese zu keinem Beschlüsse geführt haben. Eine Versammlung ist wie ein Individuum, eine aus vielen Einzelnen organisch verbundene Persönlichkeit, und nur dasjenige, worüber der Einzelne zum Entschluß gekommen ist, ist seine Ansicht, nicht aber Das, worüber er noch schwanket uud berathet. Es muß dies von dem sonst so gewandten und umsichtigen Präsidenten um so mehr befremden, da er schon stüher S. Protok. S. 137 Gelegenheit hatte, einem Redner, dem Alles negirenden, gegen Alles protestirenden Ben- Israel, zu entgegnen: In seinen Protesten habe der Redner sich immer nur an die einzelnen Mitglieder zu halten, indem keiner die Versammlung vertrete und diese ihre Ansichten nur durch ihre Beschlüsse kund gebe. Mögen die einzelnen Mitglieder, welche dem deßfallsigcn K. - B. beigetreten sind, dessen formelle Unrichtigkeit für sich damit entschuldigen wollen, daß sie bei sich fühlten, sie würden gegen jeve Verlegung der Sonnabcnvfeier, wenn sie zur Sprache gekommen wäre, gestimmt haben, mögen diese übersehen haben, daß ihre Ueberzeugung in diesem Punkte, so lange derselbe nicht in der Debatte vielseitig beleuchtet worven, keine sichere sei, daß sie vielleicht den überwiegenden und überzeugenden Gegengründen würde haben weichen müssen, so hat jedenfalls der Präsident doppelt gefehlt, indem er die Versammlung theils zu einem Beschlüsse über einen nicht dcbatiirten Gegenstand veranlaßte, theils sie auch des B.schlusses übcrhob, indem er sie auf die allgemeine Debatte über einen ganz andern Fall hinwies, aus der hervorgehen sollte, daß sie über den fraglichen Punkt bereits zur Einigkeit gelangt wäre, was thatsächlich nicht der Fall ist. Von Herrn A. Adler aber, der, indem er die Verwirklichung der Sabbathivee am Sonntage nicht blos für sich ausdrücklich zugiebt, sondern dieselbe sogar als eine solche bezeichnet, mit der Alle, welche die Erzählung von den sechs Schöpfungstagen nicht für buchstäblich wahr, sondern für einen Mythus oder Allegorie halten, einverstanden sein müssen, von dieser thatsächlichen Unwahrheit am besten überzeugt sein mußte, muß es pnS sehr wundern, wie er in dem fraglichen Ä. - B. und noch dazu als Commissionsmitglied hat einstimmen können. — Auf den interessanten Streit zwischen Adler und Stein, ob die Erzählung vom Sechstagewerk Mythus oder Allegorie sei, wollen wir noch zurückkominen. (Schluß folgt.) Verschiedenes aus Würtemberg. (Aus Würtemberg, im Febr.) — Von den Preisen, welche pro 1846 von der Synode für Schullehrer ausgesetzt waren, hat abermals ein Jiraelite — Mainhardt in Michelbach — einen erhalten. — Unser außerordentlicher Landtag hat begonnen. Laut Eröffnungsrede des Ministers sollen an ihm auch nur die außerordentlichen Angelegenheiten Erledigung finden. Demgemäß haben wir die Revision des Judcngesetzes erst bei nächstem ordentlichen Landtag, Anfangs 1848, zu erwarten. — Es wäre ebenso auch an der Zeit, daß unsere Synagogen-Orvnung einer Revision unterworfen würde. Als sie bald vor 9 Jahren erschien, war sie zeitgemäß und batte als Anfängerin genug gethan. Sie verlieh.dem Gottesdienst Ruhe und Ordnung, Anstand und Würde; kürzte mehrere Gottesdienste, gab deutsche Gebete und Gesänge, Predigt, Catechese re. deßhalb fand sie auch im In- und Ausland viel Beifall und Nachahmung. Allein seit 1838 hat man in diesem Gebiet Riesenschritte vorwärts gethan. Viele auswärtige Gemeinden haben ihren Gottesdienst nach neuesten, besten Ansichten restaurirt. Sollen wir Zurückbleiben? Gehört jetzt mehr Muth dazu, vorwärts zu gehen, als das damalige Geben der Liturgie? So manche Piece des Gebetbuchs (z.B. nD3 ,pipmnPiO dürfte ganz kassirt, andere Gebete (wie der lange Bim Nim und so viele Stücke an Festen) abgekürzt werden re. Dagegen sollte man den dreijährigen Cyclus einfuhren, das deutsche Element vorherrschender machen u. s. f. Wenn eine Kirchengemeinde die betreffenden Beschlüsse der Rabbinervcrsammlung einführen will, tritt zwar die israel. Oberkirchenbehörde dem nicht entgegen. Aber wie weit wird man kommen, wenn man die Reform von dem Verlangen der Gesammtheit abhängig machen will, abwartct, bis der Zögling dem Erzieher Vorschläge macht? Scheint das nicht ein Rückschritt zu sein? Hat man nicht auch 1838 die Synagogen--Ordnung ohne vorheriges Nachsuchen der Gemeinden gegeben? Wie viele dieser wären dahin gelangt, wo sie jetzt stehen, wenn man eben diesen Weg einst cingeschlagen hätte? — Da wir nun doch einmal am Gottesdienste sind, «ollen wir eines Gegenstandes erwähnen, der schon oft getadelt worden. Das ist die sogenannte „Amtstracht" unserer Vorsänger. Kaum einen solchen Namen verdienend, besteht dieselbe aus einem Baret und einem halben den Rücken decken sollen-

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