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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-03-07 · Heft 10 (7.3.1847) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 10 (7.3.1847)
Date
1847-03-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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75 feit über Höheres und Göttliches. Allein das ist fein Grundfehler, den er schon in seiner Polemik gegen meine Cultusprinzipien, die er total mißverstand, an den Tag legte, daß er auf den Grund und Boden des Mosaismus und innerhalb der symbolischen Sphäre des Alterthums überhaupt ein Leben feinem Geiste und seinem Gotte anders als mittelst der Symbolik sich möglich denkt. Wohl ist es die Absicht des mosaischen Sabbath, daß der Mensch aus der Materialität, die ihn sechs Tage festhält, heraustrete, in sich zurückkehre und seinem Geiste und seinem Gotte lebe; aber dem Mosaismus, dem unser moderner Begriff der Innerlichkeit und der innerlichen Gottesverehrung, welcher in Cultusformen nur ein anregendes, den Geist nach innen hinwendendes Mittel sieht, fremd ist, ist dieses nicht anders gedenkbar, als mittelst der Symbolik, an welche die Innerlichkeit gebunden ist und von der sie sich nicht los machen kann. Es fiel mir nie ein, zu behaupten, daß unsere Gottesverehrung, so innerlich sie sein möge, der äußern Formen, oder — wenn man sie durchaus anders benannt wissen will — der Symbole entbehren könne oder je können werde; aber ich bin gegen die fehlerhafte Verwechslung des Begriffes des mosaischen Symbols mit dem Begriffe des Symbols, wie ihn die moderne Anschauung auffaßt. Das mosaische Symbol ist nicht blos geistig anregende Form für die innerliche Gottesverehrung, sondern ist Gottesverehrung selbst. Eine rein innerliche Gottesverehrung unabhängig von dem Symbol, over in dem Sinne, daß das Symbol blos eine äußerlich anregende Kraft habe, zur Gottesverehrung nur wie ein Mittel sich verhalte und darum sie nicht wesentlich bedinge, kennt der Mosaismus nicht, er kennt nur eine symbolische Gottesverehrung in ihrer ausschließlichen Gültigkeit. Die Auffassung des Symbols im abweichenden Sinne ist ein Produkt der gegenwärtigen jüdischen Religionsanschauung. Im Christenthum wird noch zur Stunde der mosaische Begriff des Symbols als den Glauben und das Bekenntniß bedingend, festgehalten und eine Aufnahme ins Christenthum ohne das Symbol der Taufe und des Abendmahls für unmöglich gehalten. Ich will gewiß nicht die Geltung der modernen Auffassung des Symbols für die Religionsanschauung der Gegenwart bestreiten, vielmehr kämpfe ich überall für ihre Geltendmachung; aber ich muß die Unklarheit mit aller Entschiedenheit bekämpfen, welche mit dieser Auffassung im Mosaismus zu stehen glaubt. Indem im Mosaismus die.Gortesverehrung durchweg als eine symbolische sich zu erkennen gibt, in Bezug des Sabbath, der selber eine Gotteszeit genannt wird, mithin an sich Cultus ist, so ist es wahrlich mehr alsWillkühr, wenn man etwas anderes als die Ruhe, in der nun die Weihe, nämlich die symbolische, enthalten ist, als sein charakteristisches Wesen bezeichnen will. Allerdings soll der Mensch am Sabbath in die Idealität zurückkehren; aber wie und wodurch? Der Mosaismus weiß nichts anderes anzugeben und gibt das, was er weiß, mit dürren, klaren Worten an; wie Gott aus der Schöpfung der Welt in seine Idealität zurückkehrte und — ruhte. Wir sehen daher Hrn. A. Adler, indem er die symbolische Sabbathbedeutung siegreich zu bekämpfen glaubte, am Ende von ihr selbst überwunden. Sehen wir nun wie Hr. A. Adler über die einzelnen Anträge des K. B. sich ausspricht. Mit vollem Recht, meint er, habe der K. - B. die Wiederherstellung der Weihe und Feier an die Spitze gestellt. Ja wohl, für die Gegenwart; aber mit eben so vollem Unrecht, wenn dieser damit den mosaischen Sabbath zu restituiren vorgiebt. Hr. A. der neben der Weihe die Ruhe doch immerhin als ein Moment des Sabbath dulden muß, sucht sich dieses lästigen biblischen Elementes durch eine geistreiche Bemerkung zu entledigen. Die biblische Sabbathruhe und deren gesetzliche Ausprägung im talmudischen Juventhum gehöre nach seiner Ansicht zu den politischen Elementen des jüdischen Staates. Die R.-B. sei aber durch ihre Erklärung vom v. I., daß sie die Restitution des partikulären jüd. Staates mit dessen Institutionen nicht im Wesen des Judenthums gegründet halte, über den Talmud und dessen tabellarisch juridische Formen hinausgegangen und habe daher nur die Weihe und Feier alsSabbathidee zu erklären. Wir glauben, Hr. A. Adler habe einen sehr geistreichen Schwung, wie ihn die Taube des R. Jirmiah schwerlich nachmachen wird, gethan. Denn kann auch heute nach dem gänzlichen Untergange aller politischen Institutionen des jüdischen Staates das Arbeitsverbot nicht bürgerlich bestraft und daher auch nicht zum Gegenstände polizeilicher Controlle gemacht werden und ist dadurch auch die gesetzliche Ausprägung wie sie im Phantasiestaate des Talmuds sich findet, rein illusorisch geworden, so ist doch die Sabbathruhe in der Bibel immer geboten, wenigstens so bestimmt als die Sabbathweihe geboten und kann daher unmöglich aus dem biblischen Sabbathbegriff mir nichts dir nichts verabschiedet werden. Nachdem die Religionsideen des JudenthumS nicht mehr wie ehedem in der beschränkten Theokratie, in dem bestimmten jüdischen Staate sich zu verwirklichen, vielmehr in die großen nud universalen Gesellschaftsverhältnisse sich einzuleben haben, nachdem auch der Sabbath aufgehört hat, Staatsinstitution zu sein unv angefangen als Religionsidee frei zu wirken, sind jene wie dieser aus der Sphäre des Staatslebens herausgetreten und als wahre Religion in die Sphäre der Gewissensfreiheit eingegangen. Aber

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