Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1847)
- Date
- 1847-02-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Gesäuerte wegzuschaffcn, sowie die Mahnung, über den Zweck des Gesetzes die Jugend zu belehren (2. B. Mos. 12, 15; 13, 8) umgibt, (woraus die vielen Vorschriften über nijpa, sowie die sogenannte rrm, an den ersten zwei Abenden des Festes entstanden) und wie er, ähnlich der Fiktion des 3ny am Sabbatb, die sonst fast unmöglich werdende Beobachtung seiner Pessachgesetze durch jene bekannten Scheinverkaufe des pcn einigermaßen zu erleichtern suchte (Talm. Pess. 32; Maimon. Abschn. 4). — Daß die nachtalmudische Zeit auch wieder so Manches erschwerend hinzugefügt, läßt sich erwarten, und so sind denn die drei biblischen Vorschriften hinsichtlich des Gesäuerten und Ungesäuerten im Talmud, und Rabbinen zu Massen geworden, die in dem sogenannten Schulchan Aruch allein 54 Capitel umfassen und sonst noch den Scharfsinn und das Gewissen der Rabbinen vielfach beschäftigt und die Folianten der Casuisten (nniffni geschaffen haben. Was ist nun die Aufgabe der jüdischen Volkslchrer der Gegenwart und namentlich der nächsten Rabbiuervcrsammlung? Stein, welcher einen hierauf bezüglichen Antrag in der dritten Rabbinerversammlung stellte, faßt diesen (Protok. 247) so, „daß eine Kommission erwählt werde, welche die am Pcssach so sehr gehäuften Erschwerungen beleuchte und über die zu gestattenden Erleichterungen der nächsten Versammlung berichte;" und führt als Beispiel nn’3 na „das Verbot einer Vermischung von Obstsaft mit Mehl an, obgleich dieses nach dem Talmud keine Säuerung erzeuge." Allein das, was sonst nach dem Talmud eine Säuerung erzeuge, resp. dem biblischen Verbote des Sauerteigs (y\m), des Säuernden (renano) und des Gesäuerten (pon) gleichgestellt wird, ist, wie wir gesehen, so umfangreich, weil Tausende von Gemüsen, an welche die Schrift nicht gedacht, zu verbotenen stempelnd; ferner das Vcrhältniß, in welches der Talmud bei einer Vermischung von Gesäuertem und Ungesäuertem ersteres zu letzterem bringt, wornach auch ein Minimum (lntwa) von jenem dieses zu jedwedem Gebrauche unfähig macht (nsorD “iidx), ein so feines und dünnes, und darum wieder eine solche Anzahl von Erschwerungen, die eben die, von dem Antragsteller beklagte Umwandlung des ganzen Haushaltes an diesem Feste zur Folge haben, erzeugend; und endlich die Zeit, auf welche jener das pvli-Verbot erstreckt, und die Nachwirkung, welche er ihm gibt, wie bereits erwähnt, so überaus hart und unbarmherzig, daß mit einer Entfernung der nachtalmudischen Erschwerungen blutwenig getban, ja eine so eng begrenzte Reform nur höchst bedenklich sein würde, weil sie indirekt die Anerkenntniß der talmndischcn Satzungen enthalten würde, von deren Zoch die Glaubensbrüder frei zu machen, wir hier, mehr als irgendwo, die Verpflichtung haben. (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. R e f o r m. / (Frankfurt, im Febr.) — Gienge es an. Kleines mit Großem zu vergleichen, wir würden von der jüdischen Reform sagen, was Mirabeau von der Revolution, yuelle kera 1e tour Nu moude^ freilich tritt sie in den verschiedenen Ländern nach deren Eigenthümlichkeiten verschieden auf. In England ergreift sie das kirchliche Leben, beschränkt sich auf den Cultus, begnügt sich mit der Predigt, und bildet sich als Sekte aus. In Rußland wird sie als Regierungs - Maasregel auf die äussere Erscheinung des Menschen, auf den Schnitt des Kleides und der Haare angewendet. In Nordamerika wird derselben, wenn den Berichten des bekannten vr. Lilrendahl, dermalen zu Newyork, in der allgemeinen Z. d. I. Glauben beizumeffen ist, in so fern vorgearbeitet, als die großenteils bayrischen Juden, welche dort zusammcnfließen, anfangen, den alten vaterländischen Unrath zu sammlen, sich Schochtim, Chasonim, Rewwes, Bacherim re. anzuschaffen, und Khillas zu bilden. Man ersieht aus diesen und andern Berichten von dorther mit Bedauern, wie auch in einem andern Welttheile und in andern Verhältnissen und Umgebungen der bayerische Jude — bayerischer Jude bleibt; setzten wir nicht so großes Vertrauen in die Macht der fteien Verfassung und in den Einfluß, welchen sie auf Gesinnungen unv Sitten dort ausübt, es stünke zu erwarten, daß diese Juden, welche ihre Erbübel aus der alten in die neue Heimath verschleppt, solche weiter auf K.nver und Kinoeskinvcr vererben, und den Saamen zu Haß und Verachtung bei andern Glaubensgenossen reichlich ausstreuen dürften. Was sie auch über den atlantischen Ocean getrieben, immer hatten sie das Verlangen nach Absondrung, die Sehnsucht nach einem andern gelobten Lande, die anmaßlicheAuscrwähltheit, und anderes noch in ihren