Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1847)
- Date
- 1847-02-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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60 aber auf das Nichtbeschnittensein setzt die Bibel ma (1 Mose 17, 14). Somit hat die Beschneidung Einfluß auf den Geist des Kindes selbst, nachdem es erwachsen ist. 2) Nicht auf den Geist des Vaters oder dessen, der seine Stelle vertritt soll die Beschneidung Einfluß üben, sondern auf den Geist der gesammten Religionsgemeinde; die Gesammtheit gebraucht und verbraucht aber immer die individuelle Persönlichkeit. Der Staat schickt seine Krieger in den Tod. Nun stellt sich Herr Gutmann wieder auf gleichen Boden mit uns, gibt zu, daß das Ceremonialgesetz der Bibel nur den Zweck hat, bestimmte Religionsideen uns einzuprägen; aber, sagt er, „so könnte sich der Mensch allenfalls der Beobachtung solcher Gebote entziehen, deren symbolische Bedeutung er nicht einsiehet und die eben darum keinen Einfluß auf seine Veredlung und Heiligung haben; nicht aber der Beobachtung derjenigen Gebote, deren symbolische Bedeutung er erkannt hat, sonst scheint er sich doch der Grenze zu nähern, wo die Freiheit in Zügellosigkeit ausartet." (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. Religiöse Verhältnisse in Mecklenburg. (Von der Müritz, im Jan.) — Ein erfreulicheres Bild als die bürgerlichen, bieten unsre religiösen Zustände dar. Wer könnte dies auch anders erwarten, da ein Holdheim an deren Spitze steht? Schade, daß der wackere Mann uns vcrläßi! Man muß sterben wenn man gelobt sein will. Holdheim muß abgehen, um sein Streben auch von seinen — Gegnern anerkannt zu sehen. Ich berichte der Wahrheit völlig gemäß, w enn ich Ihnen sage, daß sein Abgang sämmtlichen Juden Mecklenburgs welcher religiösen Richtung sie auch folgen, mit dem tiefsten Schmerze erfüllt und jedes Opfer, sei es noch so groß, wenn es ihn zurückzuhalten vermöchte, mit Freuden gebracht werden würde. Man weiß, was man an ihm verliert, und selbst die starrste Orthodoxie muß sich noleus volens gestehen, daß in Folge seiner Wirksamkeit Juden und jüdische Zustände in Mecklenburg eine viel freundlichere Gestalt gewonnen haben. — Der Zelotismus in Hamburg bemüht sich, auf die Wahl unsres künftigen Rabbinen zu influiren, und schickt den Chocolaren-Probenritter S. im Lande umher, um unsre Altgläubigen zu einer Petition an die Regierung, die Wahl des neuen Seelsorgers nicht dem Oberrathe allein zu überlassen, zu vermögen. Solche Machinationen scheitern indeß an dem gesunden Sinne der mecklenburger Juden. Aber wer kann es ohne Rührung hören, daß Hamburg, trotz dem es mit sich selbst so viel zu thun hat — denn bei aller Gelehrsamkeit und Frömmigkeit seines Ü7'->!12 hat es noch immer nicht aus dem Schlamme der craffesten Ignoranz und des kabalistischen Unsinnes herauskommcn können — seinen Nachbaren eine so freundliche Aufmerksamkeit schenkt und die Besorgniß um deren Seelenheil auf eine so eclatante Weise zu erkennen gibt! Was für ein weites Herz müssen die Hamburger Juden doch im Busen tragen! — Auch die Benennung „der neue Eisenmenger," die man unsrem Holdheim gern beilegt, soll zuerst in dem Gehirnkasten eines — Hamburger Juden fabrizirt worden sein. Wie geistreich! Ich, und mit mir gewiß Viele, hätte einem Hamburger Juden durchaus nicht so viel Scharfsinn zugetraut, daß er für den Mann, der das Verdienst hat, zuerst auf das Falsche des, leider! viele Jahre hindurch beliebt gewesenen Verfahrens, mit dem Talmud in der Hand zu reformiren, aufmerksamgemachtzu haben und in diesem Sinne allerdings ein „neu entdecktes Judenthum" geschrieben hat, eine so treffende Bezeichnung finden würde. Dem Erfinder dieses Namens soll, wie seit kurzem verlautet, in der Elbstraße, der großen Synagoge gegenüber, ein Monument gesetzt werden, und Alles freut sich schon im Voraus auf den angemessenen und guten Vortrag, den Bernays, dessen Rednertalent bekannt ist, bei Gelegenheit der Enthüllung dieses Denkmals halten wird. — Die Concurrenz für die Besetzung unseres Landes-Rabbinats ist jetzt eröffnet und man sieht zahlreichen Meldungen entgegen. Hirsch in Luxemburg, der darauf reflektirt, hat bereits im Oct. in Schwerin gepredigt und diese Predigt (über Genes. 17, 1) durch den Druck veröffentlicht. Er hat, wie man hört, gefallen. Da wir Holdheim doch einmal nicht behalten können, so würden wir uns allerdings Glück wünschen, wenn wir Hirsch zu seinem Nachfolger bekämen. Unser Oberrath hat jetzt die rituelle Zehn-Zahl beim öffentlichen Gottesdienste für nicht mehr nothwendig und die Frauen für religiös emancipirt erklärt. Wir erkennen diesen Fortschritt dankend an, können aber nicht.'umhin, unser Befremden darüber auszudrücken, daß der Oberrath Beschlüssen erst künftiger, vor denen, theilweise viel wichtigere bereits abgehaltener Rabbiner- Versammlungen den Vorzug gibt. Die drei Gemeinden des Landes, welche schon vor beinahe einem Jahre um die Erlaubniß zur Einführung der Liturgie der R. - V. pelitionirt haben, harren noch