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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-02-14 · Heft 7 (14.2.1847) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 7 (14.2.1847)
Date
1847-02-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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54 bemerkbar mW in auffallender Weise geltend. Früher „in den guten alten Zeiten" der Discussioneu und Pilpuls in den Schierstubeu und Synagoge«, des regen Eifers, der aus dem Talmudstudium sich oder — als Sühne für die eigne Fahrlässigkeit — durch Protection Anderer Lebenspflicht machte, erhielt dieses eine Art von Regsamkeit und Thätigkeit, und lernte man, wenn gleich fälschlich erfaßte höhere Znteressen kennen. Was wird uns aber fetzt vor Verdumpfung und Erstarren bewahren, wenn wir den Sauerteig weggeschafft und kein anderes Gährmittel an dessen Stelle geschaffen, das dunkle Lämpchen erlöscht und keine hellere Flamme angefacht haben? Stagnation ist Tod, nur in der Thätigkeit ist Leben. Was soll uns dem geistigen Absierbcn entziehen, wenn wir uns in dem süßen Jndiffercntismus und lockenden Materialismus jeder höhern Thätigkeit ganz begeben, jeder Sorge um geistiges Leben, um Religion und höhere Znteressen uns entschlagen? In den benachbarten deutschen Gauen ist bei dem Geisteshauche, der über die Erde fuhr eine jüdische Literatur aufgethaut, und, deren Aussprache sie war: hat eine Umwälzung sich vorbereitet und eingeleitet: — wir bereichern die Literatur nicht, die Umwälzring hat uns nicht ererrcicht. Dort hat jede Meinung ihre Organe, wagt selbst die lichtscheue Orthodoxie sich an den Tag; wir begnügen uns mit spärlichem Raume, den jene unfern Angelegenheiten lassen können; bei uns vermag selbst der Fanatismus, an dem wir doch eben keinen Mangel leiden keine Energie zu schaffen. Es ist wahr, wir siechen da an einem Uebel, das auch in den außerjüdischen Kreisen fühlbar ist, und wird vielleicht auch für uns eine bessere Zeit eintreten, wenn das jetzt allgemeine Chaos sich sondern, die Elemente sich senken, die Strömungen der Zeit und des Zeitgeistes im Vaterlande sich ihr tiefes Bette graben, das Erdreich befruchten, beleben werden. Aber wird wohl Jemand fremden Fehl für sich als Entschuldigung gelten lassen? Dieses Jahr gibt uns wieder einen Landtag. Was wird er uns bringen, und wird er uns überhaupt etwas bringen? Bei der Menge von Gegenständen, die sich schon gehäuft, und die harte Kämpfe, lebhafte Tratten herbeiführen werden, ist es nicht wahrscheinlich, daß der Judenftage eine Erledigung, und eine solche Erledigung werden wird, wie wir sie wünschen und der Geist der zwei letzten Landtage sie erwarten ließe. Und sollten die Wahlen wirklich dermaßen in conscrvativem Sinne ausfallcn, wie es bis jetzt den Anschein hat, sind glänzende Resultate um so weniger zu erwarten. Wohl aber sollten auch von unserer Seite gemeinsame Schritte geschehen, die nöthigen Maßregeln besprochen und ergriffen werden, damit der Landtag uns nicht müßig finde und wir mehr als den bloßen Wunsch zur Lösung der Frage beigetragen haben. Gehen wir dem Heile entgegen, wenn wir es denn anders erreichen wollen, und wäre dieß um so mehr zu wünschen, als die Judenfrage seit dem letzten Landtage keine günstigere Stimmung hervorgerufen, kein weiteres Terrain sich erworben hat. Vielmehr macht sich, in der Belletristik zumal ein scharfer Ton der Beschuldigung hörbar, der, wenn er ungerecht widerlegt, wo nicht durch unumwundenes Geständniß durch Befolgung und Ausreutung des Lolchs stillgemacht werden sollte. Jenes wird zwar dadurch erschwierigt, daß die Judensache nur ein günstiges politisches Organ (Pesti Hirlap), und in diesem nur einen karg zugemessenen Raum zur Dispositton hat. Um so erfreulicher dürfte es sein, wenn es sich bestätigt, daß Herr Lövie Papa eine ungarische Zeitschrift für jüdische Interessen herausgeben wird, und was zu wünschen, auch von seiner geübten Hand zu erwarten ist, er diese Interessen wahrhaft vertreten und beachten wird. Jedoch möchte ich nicht versichern, daß das Unternehmen, ich meine dessen ungarische Abfassung ganz zweck- und zeitgemäß sei, und wollte es mich bedünken, daß die Wahl der ungarischen Sprache dabei ein Mißgriff ist. Ist doch ein sehr großer Theil der Juden Ungarns von flavifcher oder deutscher Bevölkerung umgeben, dadurch von der Betheiligung an dem neuen Institute ausgeschlossen, und wird es nur in wenigen zählbaren Gemeinden und auch da keineswegs den Zugang und Wirkungskreis haben, den solche Schriften, die auf die Gesinnung und Meinung, die auf religiöse Belehrung einwirken sotten, haben müssen, wenn sie mehr als Prunksache sein sollen. In Erwägung der allgemeinen Noih sorgte die hiesige Gemeinde für ein Arbeitshaus, wo jeder Arme Arbeit und Brod fände. Hingegen brachten die Pesther Zechen den hochweksen Beschluß keine jüdischen Lehrlinge anz.-nehmcn. Dann wird man wegen ihrer Liebe zum Schacher und Abneigung wider die Handwerke gegen die Juden Lärm schlagen und zu petttioniren sich nicht erblöden. mrooo ronao rhm nrom mio Einige Worte an den „kurzen Anzeiger und Kritiker,, meiner Kanzelvorträge imLiteraturblatt zum Israeliten des 19. Jahrhunderts. Nro. 50 und 51. Keine Anti-Kritik, mein Herr! eine Anti-Kritik, hörte ich immer, sei bedenklich; doch da die meinen Predigten von Ihnen gewidmete Beurtheilung schwerlich eine Kritik sein durfte

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