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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-02-14 · Heft 7 (14.2.1847) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 7 (14.2.1847)
Date
1847-02-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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53 und Concentrirung, scheint wie auf allen übrigen Lebensgebieten, so auch auf dem des Judenthums gegenwärtig eingetreten zu sein. Vielleicht stehen wir am Vorabende großer Ereignisse, vielleicht daß die nächste Zukunft schon unsre Tage als die wahren Rüst-- tage bewährt. Allein in diesem Augenblicke kann ich Ihnen von keiner That, von keinem Ereigniß Meldung thun, das auch nur von einigem Belang wäre. Wollen sie jedoch erfahren, welcher Geist gegenwärtig die jüdische Masse durchdringt, und welche Interessen sie bewegen, so begleiten Sie mich gefälligst auf einen kleinen Rundgang der bei geringer Beobachtungsgabe und ein wenig Aufmerksamkeit wohl am sichersten zum Ziele führen wird. Und wirklich dort höre ich schon Leute davon sprechen, wie erwünscht es wäre wenn vr. Holdheim seinen Principienentwurf recht bald einsenden wollte, damit derselbe je eher je lieber der Oeffentlichkeit übergeben werden könnte, noch erwünschter aber wenn er selber recht bald nachfolgte, wozu jedoch kaum Hoffnung ist; wie heilsam es wäre, wenn die Religionsschule schon Ostern eröffnet würde, wenn die neue Reformzeitung, deren erste Nummer in diesen Tagen die Presse verlassen wird, recht entschieden und schlagfertig aufträte und einen Kampf auf Tod und Leben eröffnete, nicht gegen die Vertreter der der Reform entgegcnstehcnden Richtungen, sondern gegen diese Richtungen selbst. Wem gilt das Hohngelächtrr, das so dumpf an unser Ohr tönt? Die Geldaristokraten glaubten auch auf dem Gebiete religiöser Reform sich Vorrechte anmaßen zu können und sind dies um so eifriger zu thun geneigt, weil ihnen der Zeit noch andere Kreise verschlossen sind, welche ihrem Dünkel wie ihrer Eitelkeit die reichste Nahrung gewähren könnten. Sie allein wollten als Begründer des genossenschaftlichen Gemeindefonds gelten und in den Statuten allein als solche genannt werden; jeder dagegen, der auch nur einen Heller unter 300 Thlr. beiträgt, sollte auf den Namen eines Mitbegründers und auf die Erwähnung in den Statuten Verzicht leisten, und sich jedes Anrechts auf das Capital begeben für den Fall, daß die Genossenschaft einst den Weg alles Fleisches gehen sollte. Aber sie haben eine Niederlage, eine so vollständige Niederlage erlitten, mit Hülfe einiger edlen und gesinnungstüchtigcn Männer aus ihrer eignen Mitte, daß ihnen wohl auf lange Zeit das Gelüste benommen ist, mit solchen Anmaßungen wieder hervorzutreten. — Dort unterhalten sich einige über die Rabbinerversammlung; nicht mehr der hierarchische Spuk, nicht der frühre Jefuitenpopanz sondern die Protokolle der Rabbinerversammlung bilden den Gegenstand des Gesprächs. Sehen Sie dort jene Gruppe? Es sind einige Anhänger der Pofitivhistorischgläubigkeit. Wie sie sich wüthend gebärden. weil ihnen die Genehmigung zur Errichtung einer positiv-historischen Synagoge in der Nähe der Garnisonkirche versagt worden. Es ist diesen armen Leutchen auch gar nicht zu verdenken, wenn sie ihrem Unwillen, ihrem innern Jngrim auf jede Weise Luft zu machen suchen; denn dieser Bau ward und ist für sie gleichsam eine Kabinetsfrage, der beabsichtigte glänzende Ausweis ihrer pofitivhistorischen Eristenz, da es bis jetzt Jedem ernsten besten sehr leicht noch einfallen könnte, ihr ganzes Dasein zu bezweifeln. Und der Donnerkeil gegen die Reform mit all den flammenden Blitzen in seinem Gefolge welch prächtiges .4uto da fe hätte das nicht möglicherweise geben können, und nun find sie um Alles betrogen. Denn das ahnen diese Herrn sehr wohl, wenn sie cs auch nicht wissen oder nicht wissen wollen, daß nirgends mit größrem Recht als gerade hier und in dieser Angelegenheit der Spruch seine Anwendung findet: Zeit gewonnen, Alles gewonnen. Und nun lassen Sie uns nur noch jenes Kränzchen an der Ecke Rosenstraße belauschen. Ist es wahr daß an Herrn Rabbiner Oettinger vom Oberlandesgericht zu Königsberg eine Anfrage wegen der Falksonschen Mischehe ergangen ist? — Ja wohl! ich habe sie selber gelesen, sie lautet etwa: sind Juden als Juden nach den Grundsätzen ihrer Religion gehindert sich den christlichen Ehegesetzen zu unterwerfen mit Bezug auf Z. 36 des allgemeinen Landrechts. Den Anhang bilden einige judenfeindliche Fragen über jüdische Christenfeindlichkeit, die sich nach Eisenmenger und Consortcn vorgeblich im Talmud finden sollen. Die nach bestem Wissen und Gewissen abzugebende Antwort soll sich stützen auf den Talmud und das aus demselben „von Joseph Karo ausgezogene Gesetzbuch Schulchan Aruch genannt, dessen Vorschriften noch heutigen Tages von der gesummten Judenheit als religiöse Normen anerkannt werden." Der Ausfall der Antwort kann, trotz des milden Charakters und der persönlichen Humanität des Herrn Oettinger kaum irgend einem Zweifel unterliegen, und glaube ich mich vollkommen überzeugt halten zu können, daß der Eifer, mit welchem sich alle jüdischen Parteien für die Beantwortung dieser Frage interessiren, keinen wesentlichen Einfluß auf dieselbe üben werde. Verhältnisse in Ungarn. (Pesth, im Januar.) — Der Mangel an geistiger Rührigkeit, den mein letztes Schreiben als jeden Fortschritt zum Bessern hemmend, die Quelle unseres kläglichen Zustandes bezeichnete, macht sich auch ausser dem Schooße unserer Gemeinde

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