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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-02-07 · Heft 6 (7.2.1847) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 6 (7.2.1847)
Date
1847-02-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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47 sehr häufig Christen dem Gottesdienste bei) beiwohnten und man wird die Bemerkung gerechtfertigt finden. — Daß zuweilen politische Mißgriffe der Israeliten von Seiten der Rabbinen nicht verhindert wurden oder auch werden konnten, gestehen wir zu. Dahin rechnen wir namentlich, das von den Israeliten, als solchen, vor mehrern Jahren der nun verstorbenen Herzogin, bei dem Einzuge derselben in das Herzogthum, überreichte Geschenk. Mittelalterlich-traditionelle Ansichten und ein gänzliches Verkennen des heutigen Standpunktes in der bürgerlichen Welt war die Triebfeder dieses Benehmens von Seiten der Israeliten. Uebrigenö wissen wir, daß von Seiten Süskind's, der damals noch in Weilburg war, kräftige Protrstationen gegen dieses Benehmen nach Wiesbaden geschickt wurden; allein trotz dem fichtbaren Eindrücke, den sie machten, war die Sache bereits zu weit gediehen, um wieder rückgängig zu werden. Die wackere Wcilburger Gemeinde, die sich der Ansicht ihres Rabbiners anschloß und sich an dem Geschenke nicht betheiligte, hat die Ehre der Juden in den Augen aller Hellerdenkenden noch gewissermaßen gerettet. Selbst der Regierung gegenüber ist Süskind kräftig und gewiß nicht zum Nachtheile der bürgerlichen Verhältnisse der Israeliten aufgetreten. So war eö immer der Fall, daß die Juden des Herzogthums, wenn von Seiten der Staatsregierung wegen politischer Ereignisse ein Gottesdienst angcordnet wurde, nie davon eine offizielle Anzeige erhielten. Die Juden feierten trotz dieser offenbaren Zurücksetzung den Gottesdienst unaufgefordert. Als nun nach dem Ableben der Herzogin dieser Fall abermals eintrat, erklärte Süskind, daß er, weil nicht offiziell davon in Kenntnisgesetzt, unter keiner Bedingung an dem bestimmten Tage den Trauergotteödienst abhalten werde. Der Gegenstand soll lebhafte Diskussionen bei der Staatsbehörde verursacht haben; aber das Recht siegte am Ende und am letzten, vor dem zum Trauergottcsdienste bestimmten Tage wurde Süskind noch die offizielle Anzeige zugestellt. Es ist dadurch abermals ein Stein aus der mittelalterlich-trennenden Mauer herausgcbrochen worden. In allen übrigen Gemeinden des Herzogthums ward der Gottesdienst unaufgefordert gehalten. Wir glauben somit für jeden Unparteiischen zur Genüge dargethan zu haben, wie wenig der Wirklichkeit entsprechend der gedachte Correspondent die israelitischen Verhältnisse Nassau's aufgefaßt, und wie sehr wir diese Rechtfertigung sowohl der Wahrheit als dem gerechten Verdienste des wackern Rabbiners Süskind schuldig gewesen sind. Oberrabbiner Lahn. (Trier, im Jan.) — In Nro. 45. dieses Blattes lehnt sich ein Correspondent v. d. Mosel dagegen auf. daß Hr. Oberrabbiner Cahn die Resultate der Breslauer Rabbinervcrsammlung nicht durch Predigten zu verkünden suchte. Sogar scheint demselben an dieser Promulgationsweise sehr gelegen zu sein, obschon er durch Erfahrung belehrt seyn mußte, daß gerade diese in hiesigem Bezirke eben nicht geeignet ist eine geistige Wirkung zu erzielen; daß sie vielmehr dem Retrogradismus in die Hand arbeiten, ihm willkommenen Zunder bieten würde, Unzufriedenheit mrt> Zwietracht aufzuregen; der Moselcorrespondent mußte wissen, daß eine derartige Mittheilung von der Canzcl herab hier nur das Gesammt-Jnleresse, wie den persönlichen Frieden trüben würde, ohne der guten Sache im geringsten förderlich zu sein. Und dennoch konnte er das Unterlassen dieses Mittels tadelhaft finden! Gewiß, einem Rrbbiner, der, wie hier, in der klaren Ueberzeugung durch gcwalt'amcs Auftreten nur Aergerniß und Rückschritt hervorzurufen, dennoch die Propaganda durch so unzeitige, sich und dem Zwecke schadende Force-Märsche versuchte, und die Predigt selbst als Kampfveranlassung wählte, einem solchen würden wir für seine Selbstverläugnung wenig Dank wissen. Aber unedel, sehr unedel muß Jeder, welchem Systeme er auch anhangen mag, einen Kritiker nennen, der, selbst von der Armee fern genug um nur gerade des Gefechtes müßiger Zuschauer sein zu können, dem Geistlichen solche Maßregel zumuthet. Der Correspondent gesteht zwar ein, daß die Breslauer Berathungcn allerdings hier bekannt und verbreitet seien; aber, meint er, sie seien es nur durch andre Rabbinatsprenge! und durch die jüdischen Zeitschriften, und ohne diese wären genannte Beschlüsse hier zu Lande fremd geblieben. Wie vorsichtig! wie ganz st In Abdera klug! Eben so gut möchte er der blühendsten Residenz zurufen „die dumme Stadt, wenn keine Thore daran wäre, können man gar nicht einmal hineinkommen!" Ja gleich Eingangs seiner Ruhe müssen wir unsren schlauen Therfit eines grasten qui pro quo zeihen. „Weil die fanatischen Schreier", so behauptet er, „diesmal zurückgeblieben, deßhalb habe auch Hr. Oberrabbiner cs vermieden, der Breslauer Verhandlungen in seinen Predigten zu erwähnen". Während doch umgekehrt, es nur allzugewiß ist, daß die Berfolgungswuth nur darum geschwiegen, weil ihr jede Veranlassung zu einem Eklat fehlte, daß sie aber unfehlbar losgebrochen wäre, wenn Hr. Oberrabbiner Cahn, minder besonnen und friedliebend, dem Wunsche des scharfsinnigen Momus v. d. Mosel entsprochen hätte. Und man wäre fast zu glauben versucht, es hindere unfern Kritiker an dem Verfahren des Hrn. Oberrabbiners nichts, als

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