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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-02-07 · Heft 6 (7.2.1847) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 6 (7.2.1847)
Date
1847-02-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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4« legen, wäre offenbar eine große Ungerechtigkeit. Uebrigens herrscht doch in allen Schulen grade durch den Einfluß der Rabbincn ein ganz anderer besserer Geist als ftüher; die meisten sind in ganz erträglichem, einzelne in ganz vorzüglichem Zustande. Was die Synagogen betrifft, so kehrt in dieselben Ordnung und Anstand immer mehr ein und wird der Choralgesang, trotz der Schwierigkeiten, die sich demselben in so kleinen Gemeinden entgegenstellen, allmählich überall eingeführt. Was den Skandal betrifft, der in der Gemeinde der Stadt I. am stattgefunden haben und der damit vor Gericht entschuldigt worden sein soll, daß dergleichen an diesem Tage geschehen müsse, so bezweifle ich, ob der Correspondcnt gut unterrichtet ist, indem der Richter alsdann nicht unterlassen hätte darüber ein Gutachten von dem bettcffcnden Bezirks - Rabbiner einzuholen und die Schuldigen dann auch sicher bestraft worden wären. In keinem Falle läßt sich daraus, wie der Corrcsp. thut, ein Schluß auf die verkehrte Wirksamkeit der Rabbiner machen. Umgekehrt, daß nur Ein solcher Fall bei den kaum aus der mittelalterlich-religiösen Sphäre herausgctretcnen Gemeinden vorgekommen sein soll, könnte eher zum Lobe als zum Tadel der Rabbinen gereichen. Uebrigens haben dieselben bereits faktisch bewiesen, daß sie überall, wo sich nur irgend ein empfänglicher Boden vorfindet, Zeit- und Religionsgemäße Reformen bei dem Gottesdienste einführcn. So sind in sehr vielen und namentlich in den Orten, wo der Rabbmats-Sitz ist, eine große Zahl von Piutim gestrichen. Zn Weilburg und Wiesbaden und, wie wir hören auch schon in einzelnen andern Gemeinden dieser beiden Bezirke, sind sämmtliche Piutim mit Ausnahme derjenigen des Neujahrstages und Versöhnungstages, aus der Liturgie ausgeschieden und das deutsche Element, das auch an den gewöhnlichen Sabbathen nie fehlt, dafür eingeführt. Der ganz vorzügliche Choralgesang in diesen Gemeinden wird in Weilburg durch die eingeführte Orgel noch erhöhet, während in Wiesbaden blos der, bald zu beseitigende Mangel an Raum die Anwendung der Orgel bisher verhinderte. Die Confirmation der sämmtlichen Knaben und Mädchen ist bereits vollständig in das religiöse Leben übergegangen und wurzelt in demselben. Der heilige Akt der Copulation, wird auf die würdigste, unserer Zeit angemessene Weise vollzogen. Es wird jeden Sabbath gepredigt. Eine Sanitätspolizeiliche Verfügung ward auf Anregung der Rabbinen bereits im Jahre 1844 erlassen, wodurch dieunter die Aufsicht der Herz. Medicinalbeamten gestellt find und die NL'LQ «-geschafft ist. (Sollte die Redaction es wünschen, so find wir bereit, ihr die Verfügung zuzuschicken.) Bedenkt man nun noch, daß es erst einige wenige Jahre sind, seit- , dem die vier Bezirksrabbiner angestellt sind und die Gemeinden bis dahin wie eine hirtenlose Heerde in gräßliche Verwilderung gerathen war — wie der Correspondcnt ja auch selbst erklärt — so muß sich offenbar jeder Edle und billig Denkende diesen Männern zu Dank verpflichtet fühlen für die Resultate, die geräuschlos, ohne daß ein bemerkenswerther Widerstand sich irgendwo gezeigt hätte — was von anerkenncnswerther Umsicht zeugt — bereits gewonnen sind und kann von einem „zweideutigen wankelmüthigen Benehmen der Rabbiner" am allerwenigsten die Rede sein. So viel im Allgemeinen. Wir bedauern nur im Stande zu sein über die specielle Amtsführung eines Einzelnen berichten zu können, woraus die Gehässigkeit des Correspondenten noch mehr ersichtlich ist. So hat Rabbiner Süskind in Wiesbaden den Bartwuchs als Zeichen der Trauer, längst vor der dritten Rabbinerversammlung faktisch aufgehoben, indem er erklärte, daß bei auffallendem Bartwuchs?, nach dem Talmud, in den Wochentagen den Bart abzunehmen gestattet sei; am Sabbath aber sei man verpflichtet nicht in auffallendem Bartwuchs? zu erscheinen. — Als im verflossenen Jahre die Wiesbadner Israeliten bestellt wurden bei der Stadirathswahl,die an einem Sabbath vorgenommenwurde, mitzuwirken, begab sich der Rabbiner persönlich zu den Israeliten und forderte sie auf, diese Bürgerpflicht zu erfüllen und ohne Anstand zu schreiben. Das Erfreulichste dabei war, daß selbst die Orthodoxesten, sich auf dem Stadthause einfanden, um von der Erlaubniß ihres Rabbiners Gebrauch zu machen. Die politischen Blätter haben damals berichtet, daß die Israeliten unter dem auffallenden Verwände, daß sie irrthümlicher Weise eingeladen worden feien, unverrichteter Sache wieder nach Hause gehen mußten. — Es würde uns zu weit führen, wollten wir von Süskind's Wirksamkeit zur Belebung bestehender und Stiftung neuer wohlthätiger Vereine sprechen, von seiner musterhaften Thätigkeit zur Unterstützung der Unglücklichen, namentlich der armen Kranken während der Kur und dergl. Aber der Correspondcnt scheint den Rabbinen vorzüglich deßwegen gram zu fein, weil dieselben die bürgerliche Emancipation noch nicht erwirkt haben. Was man alles für Ansprüche an einen Rabbinen macht! Und doch ist es keinem Zweifel unterworfen, daß gerade die Rabbinen durch ihre Predigten wie durch ihr ganzes Benehmen überhaupt eine im Allgemeinen günstige Ansicht bei den Bürgern wie bei den Behörden über Juden und Judenthum bewirkten und bewirken. Man frage nur diejenigen Christen, die z. B. der Synagogeneinweihung zu Weilburg oder der im Spätsommer dieses Jahres in dem Badeorte Soden von Süskind abgehaltenen, oder sonstigen Feierlichkeiten, bei denen auch! Christen veranlaßt werden, zu erscheinen, (in Wiesbaden wohnen

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