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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-02-07 · Heft 6 (7.2.1847) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 6 (7.2.1847)
Date
1847-02-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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daß dadurch ähnliche Exccsse wie die vorjährigen ausblieben; denn einem ^.uta da fe hatten schon Manche diesmal mit Lust entgcgengcsehen, und bedauern nun den Genuß, um den sie betrogen finv. Oder glaubt der Correspondent im Ernste, daß das Werk der Aufklärung nur durch Krieg und Posaune errungen werde? so irrt er. Es gibt stille und um desto wirksamere Mittel, die Resultate der Rabbinerversammlung mit den Jveen des Volkes zu befreunden, und ihnen in Praxis Eingang zu verschaffen, und belobend müssen wir es anerkennen, daß Hr. Oberrabbiner Cahn unter gegenwärtigen Umständen besonders diese Mittel anstatt des Predigtstuhls in Anwendung brachte. Der Tag bricht nicht auf einmal heran, sondern allmälig und lautlos durch die Nacht bahnt das wahre Licht sich seinen Weg. Rückblick auf das Jahr 1846. (Aus Bayern, im Jan. — Schluß.) — Im Laufe des Jahres wurden zwei Rabbinate besetzt, das zu Dettingen mit einem gewissen vr. Feuchtwangcn, und das zu Burgprcppach mit einem I. G- Adler, welcher bis dahin Lehrer in einer pfälzischen Gemeinde gewesen war. Beide huldigen hyperorthodoxen Grundsätzen und gehören zur Parthei des Zionswächters. Das wäre nun so ziemlich in der Ordnung. Nicht in der Ordnung aber ist es, daß bei der Wahl des Letzteren allerlei niedrige Kunstgriffe und Umtriebe angewendct wurden, um den Mitbewerber der noch dazu ein Ortskind war, zu verdrängen! Die Wahl wurde auch' wegen Simonie beanstandet, von der Krcisregierung zu Würzburg jedoch genehmiget, und Adler wirklich installirt. Nun kam erst hintendrein eine Entschließung des Ministeriums, wodurch die Wahl als ungültig erklärt und eine neue Wahl, wozu jedoch auch Adler concurrircn könnte, angeordnet wird. Sollte nun Adler, der seine frühere Stelle natürlich aufgcben mußte, nicht wieder gewählt werden, so ist der Mann mit seiner Familie brodlos gemacht. Die abscheulichen Umtriebe, welche seit geraumer Zeit bei den meisten Rabbinerwahlen Vorkommen, sind aber auch ein Krebsschaden, welcher an dem religiösen Leben nagt und der Synagoge und ihren Dienern alle Achtung nach Innen wie nach Außen raubt. Es kann deßhalb nicht oft und nicht nachdrücklich genug auf diesen Unfug hingewiesen werden. So wurden für das seit länger als 3 Jahren erledigte Rabbinat Wölbhausen bereits zwei Wahlen annulirt, weil sich die Kandidaten die Anklage der Bestechung einander an den Kopf geworfen haben und diese Anklage auch als begründet befunden worden sind. Wenn das so fortgcht, müssen die Behörden doch endlich aufmerksam werben und kräftige Maaßregeln zur Abhülfe ergreifen.' Lassen Sie mich nun meinen Bericht mit einer erfreulicheren Nachricht schließen. Wir haben nämlich feit dem Anfang dieses Jahres auch eine religiöse Wochenschrift „Sinai", herausgegeben von dem Rabbiner Dr. Aub zu Baireuth. Dieselbe vertritt zwar bloß den gemäßigten Fortschritt, thut dieses jedoch mit vielem Takte und Geschicklichkeit, und in einem populären zwar, aber doch würdevollen Tone, wodurch sie bereits viel zur Verbreitung hellerer und besserer Ansichten gewirkt hat. Sie hat sich auch dadurch die Gunst ihrer Leser erworben, daß sie recht kräftig unsere bürgerlichen Jntressen vertritt. Unseren Finsterlingen ist sie ein Stein des Anstoßes und ein Dorn im Auge, Wir aber wünschen ihr ferneres Gedeihen und ein rüstiges Fortschreiten auf der betretenen Bahn, wodurch sie zur Vorbereitung der praktischen Reform, die doch einst eintreten must. Vieles beitragen kann. Literarische Anzeige. Bei Gerhard Stalling in Oldenburg ist so eben erschienen und durch alle gute Buchhandlungen zu beziehen: Die Auswanderer. Ein Vortrag, gehalten im Vereine für Volksbildung zu Oldenburg, nebst einem Vorworte von B. Wechsler, Landrabbiner. 8. geh. 3 gGr. In demselben Verlag erschien früher: Ueber jüdische Schul - und Lehrer - Verhältnisse. Ein Vortrag, gehalten im Vereine für Volksbildung zu Oldenburg. Auf Verlangen dem Drucke übergeben, nebst einem Vorworte, B. Wechsler, Landrabbiner in Oldenburg. 8. geh. 3 gGr. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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