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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-01-31 · Heft 5 (31.1.1847) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 5 (31.1.1847)
Date
1847-01-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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39 zartere Zugend ausdehnte, (so gründete derselbe erst neulich eine jüdisch-ungarische Bewahranstalt) auch auf die Sonntags, oder Samstagsschulen, und auf eine solche Organistrung derselben sein Augenmerk richten, daß in demselben auch die Verbreitung echt religiöser Gestnnungen angestrebt würde. Möchten überhaupt Vereine entstehen, die eine Bearbeitung der Masse zu diesem Zwecke sich zur Aufgabe machen würden! Wie beklagenswerth endlich der Mangel an gesetzlicher Ordnung der Gkmeindeangelegenhcitcn, wie kläglich dessen Folgen find, zeigen die fast allgemeinen Wirren und Zwistigkeiten, die einmal ausgebrochen, wie ein Feuer, das nimmer erlischt, durch keine normale gesetzliche Macht geschlichtet, sehr häufig der Willkühr freien Spielraum lassen. Wie könnten sonst Unruhen stattfinden, wie die in Papa, bei denen das am meisten zu bedauern ist, daß solche einen unserer gewandtesten Kämpfer betreffen (dem Vernehmen nach sott Hr. Löw Rabbiner während des Verlaufes der gerichtlich eingeleitetcn Untersuchungen suspendirt sein); oder wie in Ujhely, wo der polnische Rabbine, angeblich, weil er während der ihm von der Komitatsobrigkeit festgesetzten Frist von drei Jahren das Ungarische nicht erlernt (obwohl daS zitirte Gesetz über Nabbinen zum Leidwesen Aller nicht verfügt), auf Betrieb der Gegenpartei schimpflich in seine Heimath schuppirt wurde; 'der wir in St. Nikolau (Liptauer Komitat), wo der orthorore kleinere Theil sich faktisch vom Gcm.'indeverbande lossagte, und die sogenanten Flcichkrcuzer (die einzige finanzielle Hülfsquellr) zu zahlen sich weigert. Was aber hiebei am unerfreulichsten ist, bleibt, daß selbst die Vertheidigcr der bessern Sache oft zu Mitteln greisen, die derselben unangemessen und unwürdig, und weil nicht aus der ihr innewohnenden, inncrn Kraft hergenommen, ihr wenn gleich einen momentanen Vorschub, doch einen moralischen Stoß versetzen müssen, und exemxln süut oälosa. Daß an der Heuer ins Leben gerufenen nationalen Industrieschule auch die Pesther Gemeinde mit einem nach dem k. k. Erzherzog Palatin benannten Stift zu Stipendien sich betheiligt hat (worüber sie von derselben eine schriftliche Belobung erhielt); so wie daß sich hier ein Verein zur Hintertreibung des Wuchers unter Zuden bildete, muß jeden freuen. Möchte crsteres viele zum Besuche dieser Schule aufmuntern; möchten Lehrer und Prediger letztere mit öffentlicher Lehre unterstützen und zur Ausrottung dieses Krebsschadens unter uns das ihrige (und sie vermögen sehr viel) beitragen! — n. Rückblick auf das Jahr 1846. (Aus Baiern. Im Januar) — Erlauben Sie mir, daß ich Ihnen bei dem Anfänge des neuen Jahres ein kurzes Resünw über die wichtigsten Borfallenheiten des vergangenen Jahres in Betreff unserer jüdisch.kirchlichen und bürgerlichen Verhältnisse zur Aufnahme in Ihr weitverbreitetes und vielgelesenes Blatt übersende. Beim Beginne des Jahres 1846 herrschte eine große Aufregung unter den bairischen Juden. Es waren nämlich damals unsere Landstände versammelt und die Israeliten aus allen Gegenden und nahebei aus allen Städten und Dörfern des Landes, wo solche wohnen, schickten sich an, Petitionen um Verbesserung ihrer bürgerlichen Lage, die in mehr als einer Hinsicht eine gedrückte zu nennen ist, an die Vertreter des Volkes zu richten. Viele von diesen Petitionen, die theilweise sehr gründlich und eindringlich unsere Beschwerden und unsere Ansprüche auf Abhülfe derselben, sind durch den Druck veröffenillcht worden und haben in christlichen Kreisen zur Zerstörung der veralteten Vorurihcile gegen Juden und Iudenthum gewirkt. Auch bei unseren in ihren überwiegenden Majorität höchst wohlwollenden Landständen, die schon im Voraus sehr günstig für unsere auf dem klarsten Rechte beruhende Sache gestimmt waren, brachten jene Petitionen einen sehr guten Eindruck hervor. Als dieselben zur Verhandlung kamen, sprachen sich die zahlreichen Redner insgesammt, nur zwei, ein katholischer Geistlicher und ein Krämer aus einer Provinzialstadt, ausgenommen, dahin aus, daß unsere Beschwerden wohlbegründet seien und die Regierung angegangen werden solle, denselben durch Vorlage eines neuen im Geiste der fortgeschrittenen Zeit verabfaßtcn Gesetzentwurfes beim nächsten Landtage abzuhelfen, ja die Kammer der Abgeordneten wollte sogar den Antrag gestellt haben, daß die drückendsten Bestimmungen des Ediktes von 1813 jetzt schon außer Wirksamkeit gesetzt würden, woraus jedoch die Kammer der Reichsrälhe vermuthlich aus dem Grunde nicht cingegangrn ist, weil sie der Ansicht huldigte, daß man an dem bestehenden Gesetze, so lange es nicht durch ein anderes besseres ersetzt worden wäre, nicht rütteln müßte, und daß cs den Israeliten selbst, welche schon über 30 Jahre ans die Verbesserung ihrer bürgerlichen Lage harrten, auf ein Paar Jahre früher oder später nicht ankäme, wenn ihnen nur die sichere Hoffnung einer baldigen Abhülfe gewährt würde! Und diese Hoffnung zu erwecken, dazu hat auch die erste Kammer redlich mitgewirkt indem sie den übrigen Anträgen der zweiten Kammer durch ihre Zustimmung den Weg zu de» Stufen des Thrones und zu dem Herzen des Monarchen möglich machte. Der Bescheid auf die deßfallsigen Anträge im Landtagsabschiede vom 23. Mai 1846 lautete wörtlich dahin:

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