Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1847)
- Date
- 1847-01-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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3S Aussprüche nicht als eine bindende Autorität anzusehen, und wo vie Macht der Ueberzeugung, oder die, Dringlichkeit des Lebens gebieten, weiter zu gehen, als ihr für erlaubt oder rathsam gefunden. Und find nicht die übrigen Beschlüsse hinfichlich deS zweiten Festtages und der Trauergcbräuche von Werth und bereits auch in manchen Gemeinden zur Ausführung gekommen? Darum immerhin cm freimüthiger Tadel gegen manche Beschlüsse der dritten Versammlung, aber darum nicht minder ein Interesse und eine thätige Theilnahme an dem Institute selbst. Und hierin solltet ihr Entschiedenen! — und deren zählt ja unsere Nachbarstadt am Main so viele — es allen Anderen zuvorthun, und dadurch recht sichtbar beweisen, daß euerm Tadel und euren Protesten eine wirkliche Gesinnung, ein rechter religiöser Ernst und ein wahrer Eifer für die Sache der Reform selbst zu Grunde gelegen. Zustände in Ungarn. (Pcsth, im Jan.) Erwarten Sie nicht, daß ich diesen Bericht mit einer Aufzählung oder gar kritischen Uebcrficht alles desjenigen beginne, was sich in der letzten Zeit bei uns freudig gestaltet, oder doch zu schönerem Sein und Wirken ungestaltet hat. Solcher Erscheinungen giebt es gar wenige, neuere nun gar nicht nnd die Bemerkung ist ja weder neu noch erfreulich, daß eS bei uns mit der Umbildung unseres religiösen (wie socialen und politischen) Lebens nicht recht fort will. Leben wir doch hier in Pesth, der Hauptstadt Ungarns, dem Sammel- und Mittelpunkte des geistigen Lebens und Strcbens in Ungarn, zudem in einer Gemeinde, die im Daterlande die größte, an Hülfsquellen aller Art reichste, die erste in Ungarn, euren gebildeten Rabbiner und Prediger an der Spitze, Choral und Predig: in einem ihrer Gotteshäuser, einen verständigen Vorstand an der Leitung hat. WaS ist nun während dieses Zeitraumes, der im benachbarten Deutschland so manigfache Erscheinungen aus und niedcrtauchen sah, die nur in der letzten Zeit drei Reformvcreine, drei Rabbinerversammlungen, allenthalben selbst bei den Helden des Zionswächters eine Rührigkeit und Regsamkeit, wie schon lange nicht, gezeugt: — was ist während dieser Zeit auf jüdisch - religiösem Gebiete im Leben und in der Wissenschaft, hier in Pesth geschehen? Wir haben Schule und Tempel, aus deren crsterer doch die neuere Generation ganz hervorgegangen, deren letzterer durch Lehre und Beispiel aufs Leben zu wirken, Zeit genug gehabt hat. Ist von beiden aus die Masse so weit nur bearbeitet worden, daß nur der Tempel der sogenannten deutschen und polnischen Schule gegenüber allgemeine Geltung sich verschafft hatte? Ist man im Bereiche dieses Tempels selbst in Liturgie und Anordnung um einen ^Schritt weiter gekommen, als man bei dessen Gründung war? Over begnügen wir uns nicht selbstzufrieden damit, als dem höchsten erreichbaren Punkte? Ich will hiemit weder Schule noch Tempel mit ihren beiderseitigen Lenkern und Lehrern angreifen; ich kenne sehr wohl die Schwierigkeit ihrer Stellung, ihren Amts - und Lehreifer, aber eben darum, und desto mehr bleibt mir meine Frage unerklärlich. Es ist wahr, die Umgegend schickt uns meist rohe, in der Isolirtheit ihrer Dörfer verhärtete Elemente zu. Warum hat aber der bereits vorhandene Organismus nicht so viel 'Lebenskraft, daß er sich diese fremdartigen Elemente affimiliren, geschweige auf die Umgegend selbst belebend wirken könnte? Sei es an dem, wie es wolle, so dürste schon aus dem einen Beispiele (und seinem Gegenstücke in Wien) hervorgehen, daß es bei uns der Chortempel nicht ist, von wo aus eine Regeneration des religiösen Lebens mit Erfolge zu erwarten wäre, und den man zum Ausgangs- und Stützpunkte reformatischer Bestrebungen nehmen könnte. Und vieß natürlich. Schließt sich doch das Bethaus seiner Natur nach der Iugendschule, der Schule des Lebens an, indem sie da weiter baut, wo jene stehen geblieben, indem sie die Lehren und Resultate letzterer auffaffcn lehrt, weiht und heiliget. Wie unzuverlässig aber der Grnnd der Bildung ist, den die Jugend hier aus den Studienjahren heim ins Leben bringt, wie unzuverlässig die Lehren unseres (ganz materiellen) Lebens sind: so ungewiß und schwankend muß auch der Einfluß sein, der vom Bethaus aus sich geltend macht. Auch läßt sich da nicht weiter bauen, das Deutsche ist der Masse noch zu viel Staatsgewand, das Ungarische ist auch noch zu sehr Pfropfreis, und vor Allem, das merke man sich: wir wollen lieber gar nicht, als deutsch beten. Das ist so bequemer, und läßt sich mit einem hebräischen Gebete einzweimal durchs Jahr oder durchs Leben wieder gut machen. Von wo sich für diese Nebel eher Abhülfe hoffen ließe, das dürsten Sonntags- oder Samftagsschulen für die Handel- und Handwerk treibende Jugend, das dürfte eine freiere, gemessenere Behandlung des religiösen Stoffes im Unterrichte bei der reifere Gymnasien und höhere Schulen besuchenden Jugend sein, anstatt daß bald ans einem für Kinder bearbeiteten Religionsbuche fünf, sechsmal vorgetragen, bald der Gegenstand ganz umgangen wird/ wie es in den philosophischen Jahrgängen geschieht, wo doch erst etwas Erkleckliches zu leisten wäre. — Möchte doch, wenigstens, was den ersten Punkt betrifft, der hier entstandene „Magyaritd egylet“ (Verein zur Verbreitung der ungarischen Sprache unter Juden), da er seinen Wirkungskreis ohnedieß auch auf die