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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-01-31 · Heft 5 (31.1.1847) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 5 (31.1.1847)
Date
1847-01-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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37 Geschichte des Tages. Die deutschen Rabbinerversammlungen. (Vom Rhein.) — Auch bei uns wundert man sich über den sonst so klar schauenden Geiger, daß er Ihrem Blatte in neuerer Zeit eine unfreundliche Richtung gegen die Rabbinerversammlung zugeschrieben. Da beweisen doch die Aeußerungen über die Sa'obathsfrage in Nr. 35 und 37 des vorigen Jahrganges gerade das Gegenthcil und selbst in den tadelnden Bemerkungen Ihres Pfeil.Correspondenten gibt sich ein Ernst und ein Interesse für das Institut der Rabbiner-Versammlung kund, die ihm auch gerade die entschiedensten Freunde des Fortschrittes erhalten müssen. — Denn, sagen Sie selbst, auf welche Weise könnte die Sache der Reform besser gefördert werden, als durch jene Versammlungen? Was in einzelnen Gemeinden geschieht, hat wohl das für sich, daß es bereits vollkommen im Bewußtsein gereift, zu einer einigen, festen That geworden. Aber, wie geringfügig ist öfters eine solche That; wie wagen cs, was namentlich den Gottesdienst betrifft, einzelne Gemeinden so selten, über die noch beliebte Form in andern hinauszugehen, und selbst die Emancipation vieler Mitglieder von dem Druck des talmudischen Ceremonial ist diesen elbst, wenn es sich nur vom Gesetze und den Entscheidungen der jüdischen Behörden hiernach handelt, keine klar bewußte, keine allgemein berechtigte. Mehr Selbstvertrauen würden da schon Svnoden. ich meine eine Vereinigung der Abgeordneten mehrerer Gemeinden unter Zuziehung einiger Sachverständigen, haben. Aber kaum ist noch eine solche zu Stande gekommen, und träten ihrer übrigens auch mehrere hervor, sie würden nach außen hin wohl für sich als berechtigt erscheinen, aber sonst doch, weil des wissenschaftlichen Ansehens entbehrend, von geringem Einstuß sein. In dieser Beziehung ist nun die Literatur und besonders die populäre, journalistische von Gewicht. Aber ihre Macht ist eben nur die Idee und diese muß natürlich beschränkt sein durch den Zweifel an ihrer praktischen Wahrheit, an ihrem richtigen Verhältniß zu den noch vorherrschenden Gesinnungen und Zuständen. Hingegen sprechen die Rabbinerversammlungen ein wissenschaftliches Ansehen, und eine praktische Bedeutung in gleich hohem Grade an; denn ihre Glieder sind Männer der Wissenschaft, Männer, die dem Nachdenken und Forschen in der Religion ihre beste Kraft geweiht; aber auch Männer der praktischen Wirksamkeit und der amtlichen Erfahrung, die ihre Beschlüsse wohl auf Jd-een stützen, und damit auch diese angebahut werden, stützen müssen; die aber zunächst dabei den gegenwärtigen Standpunkt, das heutige Bedürfniß der für die Reform Empfänglichen im Auge haben. Und darum werden auch alle aufrichtigen Freunde des religiösen Fortschrittes bereitwillig Geigern darin beistimmen, „daß die Versammlungen deutscher Rabbiner das kräftigste Institut seien, aus dem ein gemeinschaftlich berathener, ein in weiter Verbreitung durchdringender, auf Sachkenntniß und Lebenserfahrung beruhender Fortschritt erwachsen kann;" und nur dann einem Institut ihre Theilnahme versagen müßten, wenn es fortdauernd nur aus Männern zusammengesetzt würde, die den Fortschritt entweder selbst nicht begreifen, oder nicht verwirklichen wollten. Aber kann man dieses auch nur mit einigem Grunde von der dritten Rabbinerversammlung sagen? Wohl hat sie in Beziehung auf die Sabbathfrage es nicht verstanden, Lehre und Leben zu einigen, es nicht verstanden die Gewissen frei zu machen, und Gebot wie Verbot in der Weise zu erklären, daß jede bessere Ueberzeugung ihren Inhalt darin gefunden und jeder höhere Anspruch dadurch gewahrt worden wäre. Aber ist das, was eine Versammlung thut und resp. unterläßt, entscheidend für den Werth des Institutes selbst? Können nicht zufällige Ursachen, wie z. B. das Wegbleibcn einiger entschiedenen freisinnigen Mitglieder, mangelnde Aufmerksamkeit bei Formnlirung der Beschlüsse und noch manches Andere ein größeres Ergcbniß verhindert haben? Und ist wirklich das, was die dritte Nabbinerversammlung in Beziehung auf den Sabbath beschlossen, so unbedeutend, oder gar retrogader Natur? Hat sie nicht mit wenigen Federstrichen jene hundert und abermals hundert von rabbinischen Erschwerungen (5'-- B'Tü D\PD) aufgehoben; hat sie nicht die Fiktion der Erubin für unzulässig erklärt und den jüdischen Beamten und Soldaten volle, dem Geschäftsmann uns Gcwerbtreibenden doch einige Berücksichtigung gewährt? Hat sie nicht das ungeheuer Starre des talmudischen Sabbathgesetzes wenigstens flüssig gemacht, und dadurch zu einem Hinausgehcn über die von ihr noch festgehaltene Grenze selbst ermächtigt? Findet hier nicht dem Wesen nach, wenn auch in verschiedenen Umfange das Verhältniß der heutigen Reformatoren zu dem des 16ten Jahrhunderts seine Anwendung? Denn gleichwie die ersteren zu jenem sagen können: „Du hast einmal den Autoritätsglauben gestürzt; also erlaube uns auch, daß wir über dich hinausgehrn und nicht an dem Buchstaben, sondern an dem Geist und dem innersten Wesen der heiligen Schrift uns halten;" so kann auch jedes selbstbewußte uns rcformlicbende Glied der israelitischen Rcligionsgemeinve den Mitgliedern der dritten Nabbinerversammlung zurufen: Seid ihr über das talmudische Sabbathsgesetz hinweggegangen, räumt ihr nur dem Geiste und der ewig fortschreitenden Geschichte die Bedeutung der wahren Tradition ein, so erlaubt auch uns eure

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