Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1847)
- Date
- 1847-01-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2566751-2567098-2567103--2510-2569936- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
S7 ten sich beschäftigen, hingegen keine anstrengende Arbeiten verrichten dürfen, welche das Weihegebot stört! Freilich wird die Sabbathweihe nicht gestört, aber es kann auch kein Gedanke der Sabbathweihe im Gemüthe aufkommen Wir wollen nur noch die eine Frage an Herrn Adler richten, woher es denn komme, daß er mit einer solchen Sicherheit von einer Sabbathweihe und zwar von einer andern als der durch die Sabbathruhe anzustrebenden Weihe auf dem Standpunkte des MosaismuS spreche, da in demselben doch immer nur von Ruhe und nirgend von Weihe' die Rede ist. Freilich halten wir auf diesem Standpunkte Ruhe und Weihe für identisch, die Ruhe ist uns nichts Negatives, sondern positiver symbolischer Cultns. Allein Hr. A. nimmt es nicht in diesem Sinne, zieht aus der Weihe Resultate, die ans der Ruhe nicht folgen; woher das? Wir werden auf diesen uns sehr wichtig scheinenden Punkt noch bei andern Gelegenheiten und namentlich bei der Vertheidigung des Herrn E. zurückkommen und wollen hier vorläufig von Hrn. S. Adler bis auf Wiedersehen Abschied nehmen. Nach S. Adler tritt Einhorn als eigentlich erster Debbatant auf. Mit richtiger Einsicht läßt er dem K.- B. das Verdienst. Die talmudische Auffassung des Arbeitsbegriffes klar und deutlich wiedergegeben zu haben, unangefochten, macht zwar auf die Lücke, welche durch die n&rain in diesem Prinzip entsteht, aufmerksam, weist aber mit richtigem Takt auf den Ausspruch p^>pon^o hin, erklärt sich — und das wieder mit vollem Recht — entschieden gegen die Begriffsbestimmung des K.-B. auf biblischem Grunde, und hebt die symbolische Bedeutung des biblischen Sabbath scharf hervor, und fügt hierbei noch die wichtige Bemerkung hinzu: der biblische Sabbath, indem er nicht ein rein religiöses Moment, sondurchaus nix Symbol ist, sei deßhalb auch nicht bestimmt, aus Israels Mitte heraus in die Völker einzudringen und auch im messianischen Reich Geltung zu haben, womit Einhorns wissenschaftlicher Standpunkt klar angegeben ist. Rur wäre es sehr wunschenswerth gewesen, daß Einhorn uns auch darüber Aufschluß gegeben hätte, in welchem Verhältniß wir in der Gegenwart uns zum alten symbolischen Zudenkbnm überhaupt und zum Symbol des Sabbath insbesondere befinden? Hat das Messiasreich schon seinen Anfang genommen, das rein religiöse Elemem des Zudenthums aus Israels Mitte heraus in die Völker einzndringen schon begonnen, wir demnach von dem Symbol lassen dürfen und uns das Reinreligiöse in uns und unter uns festzuhalten und fortzubilden nunmehr als unsre religiöse Ausgabe zu erkennen habe», oder ist dies Alles noch der Zukunft Vorbehalten und wir, damit solche Ausströmung der reinen Religion aus unserer Mitte in die Völker hinein künftig geschehe, an das Symbol fort und fort festzuhalten verpflichtet sind und daß Herr Einhorn dies zu rhun unterlassen hat, kann nur bedauert werden; daß aber die Resultate seines Votums zwischen den zwei Endpunkten dieser Frage hin und her schwanken, muß ihm als Vorwurf angerechnet werden. Einhorn geht in seiner Abstimmung über die einzelnen Punkte des K.-B. über diesen hinaus, ist strenger in seinen Forderungen wie dieser, will in Uebereinstimmung mit der gefundenen symbolischen Bedeutung der Sabbathruhe, wie die Bibel sie angibt, nicht blos gewerbliche und anstrengende, sondern auch producirende Tkätigkerten am Sabbath verboten wissen, ist im Begriffder Produktion strenger wie der Talmud und urgirt auch künstlerische Produktionen, die jener gestattet, als am Sabbath verboten. Hr. Einkorn macht also auch für die Gegenwart die religiöse Pflicht geltend, das Factum der Schöpfung aus Nichts durch die Sabbathruhe, durch das Ablassen von aller und jeder schaffenden Thatigkeir, symbolisch darzustellen und zu bezeugen. Ter Messias ist also noch nicht gekommen, sein Reich hat noch nicht begonnen und wir müssen den Sabbath feiern, wie das biblische Judenthum solche Feier vorschreibt. Dagegen stimmt unser Einkorn in seinem Votirm über das Verhältniß der Sabbathruhe zum Staate auf derselben Seite 58 einen ganz andern Ton an, und man sollte glauben, die der nächsten Ankunft des Messiasreiches vorangehende und dieselbe ankündigende Sphärenharmonie zu vernehmen. „Auch sei jede Tätigkeit," sagt Einhorn, welche das Staatswohl erfordert, zu erlauben und kein Unterschied zwischen Arbeit und Dienstarbeit in dieser Beziehung zu machen, indem auf unserem Standpunkte eine solche Grlaubniß nicht etwa anf unvermeidlichen Zwang, sondern auf die religiöse Pflicht Israels sich gründe, sich Behufs seiner Aufgabe, das mosaische Sittengesetz und die weisen Wahr-