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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-01-17 · Heft 3 (17.1.1847) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 3 (17.1.1847)
Date
1847-01-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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s» fcrnte Veranlassung, daß drr Simcha Schwanenhals auf -seinem Marsche aus der alten in die neue Synagoge zu Breslau Rechtsum gemacht; gleich wird aus ihm ein Gelbschnabel, der es niemals zu etwas bringt, ein Freischütz, der nicht einmal ehrliche Waffen führt, und den Sie, wenn Sie als Mitglied dieser Versammlung sich auch außerhalb derselben den »collegialischen Sinn,, zu bewahren gewußt hätten, als Redac- -teur fortzuweisen sich von selbst verpflichtet gefühlt haben müssen; ton ton, D’ton ^on. Wodurch aber auch Sie sich gegen uns .vergangen, sollen Sie nächstens erfahren. Der Mekelnburger Landtag. (Von der Müritz, im Januar.) — Eine Freude hat .uns das Jahr kurz vor seinem Schluffe gebracht. — Die Befreiung von jener niittelalterlichen, unter dem Namen Schutzgeld bekannten Steuer: eine andere erwarteten wir noch im Laufe des Christmonats, nämlich eine Bevorwortung der Verbesserung unserer bürgerlichen Verhältnisse, absciten der, in diesem Augenblick noch versammelten Stände, aber — wir sind um eine getäuschte Hoffnung reicher geworden. lieber das Sch.'Hgeld und das darauf bezügliche Großherzogliche Rescript will ich Ihnen nicht weiter refrriren; wohl aber kann ich cs mir nicht versagen. Ihnen eine kurze Mitthcilung über die Behandlung .unsrer bürgerlichen Angelegenheit auf dem diesjährigen Landtage zu machen, da dieselbe noch ganz jung, wenigstens nicht älter, als — der Liberalismus unsrer Stände ist. Daß Wir getäuscht worden sind, ist eigentlich unsre Schuld; denn cs ist kaum begreiflich, wie wir, hätten wir uns das Personal des Landtages vom Kopf bis Fuß, ich meine vom Adel bis zum Bürger und Bauer herab, nur etwas genauer angesehen, uns Hoffnung auf cirrr verbesserte Lage hätten machen können; denn da, wo man, wie es leider! hier der Fall ist, nicht die vereinten Interessen des Vaterlandes und der Menschheit, sondern bloß das egoistische Sondcrinteresse im Auge hat, ist wenig für uns zu erwarten. Sie werden aber fragen, woraufwir die Hoffnung, daß die längst ersehnte Gleichstellung mit uniern christlichen Brüdern auf dcnr diesjährigen Landtage Unterstützung finden werde, denn eigentlich gründeten? Ich will Ihnen die Antwort nicht schuldig bleiben. Seit einigen Jahren herrscht zwischen den adeligen und bürgerlichen Gutsbesitzern (Ständemitgliedern) ein heftiger Streit um einige alte Vorrechte; die crstern behaupten, wie bisher, so auch ferner allein Ansprüche auf dieselben zu Haben, die letztem wollen — mitgenießen. Gegen Vorrechte einer Kaste in die Schranken treten, das wissen unsre Herrn Bürger entweder vom Hörensagen, oder auch aus der allbekannten Dorfzeitung und andern ähnlichen weltberühmten Organen, zeugt von — Liberalität, und liberal will ja Jeder sein! Nun hörten oder lasen sie wieder, daß zur Liberalltät bei weitem mehr gehöre, als mit dem Adel um rin paar morsche Vorrechte kämpfen; besonders Petitionen um Oeffcntlichkeit, Mündlichkeit, Gefchworncngericht, die Selbstständigkeit Schleswig- Holsteins, Portomoderation, Münz- und Steuerreform, Preßfreiheit und — Judenemancipation, und gar bald waren die desfallsigen Anträge gestellt. Ob man damals gewußt habe, was eiunuciputi» eigentlich heißt? Ich bezweifle cs; denn als in Folge einer Regicrungsvorlage unsre Angelegenheit endlich auf dem diesjährigen Landtage zur Sprache kam und bei einer nähern Erörterung Jedem klar werden mußte, daß emancipiren z. B. heißt: dem jüdischen Kaufmanne Jtzig Stern nicht minder, als dem Taglöhncr Christian die Erlaubnis zum Ankäufe eines Wohnhauses, oder dem jüdischen Rechtsgclehrten nicht minder als dem christlichen das Recht zu advocircn ertheilcn: da gingen Vielen erst dis Augen auf und cs zeigte sich, daß die Liberalität, deren man sich so gerne rühmte, nur eine affectirte fei. — Die Rostocker Zeitung berichtet folgendermaßen über unsre Angelegenheit: „Malchin, d. 4. Dez.) Die Schweriner Landmarschä'lle überbriugcn ein Rescript in der Juoenangele» grnheit mit dem Bemerken des Herrn Commissarius, daß bei der vorgesch ittenen Zeit des Landtages und bei so vielen noch rückständigen Arbeiten Serenissimus keine Beschlußnahme über diesen Gegenstand auf diesem Landtage erwarteten. Es werden die Gründe auseinander gesetzt, warum die Negierung auf die Gesetzgebung von 1630 nicht weiter habe eingehcn wollen, die theils in der Reclamation der Juden, theils darin gelegen, daß die Regierungen es vorgezogcn haben, auf administrativem Wege in di-ffer Sache weiter zu wirken. Es seien kirchliche und Schulreformen, Vereine, um die Juden den Handwerken zuzuwenden, begünstigt worden, jüdische Gemeinden hervorgcrufen und denselben Corporationsbefugniffe und Geineindeordnuiigen ertheilt, die Juden hätten sich een christlichen Armenordnungen angeschlossen; — eine völlige Gleichstellung werde nicht beabsichtigt, da einer solchen theilweise das jüdische Glaubensbekenntniß entgegen trete" (?). (Was die französischen, englischen, holländischen und belgischen Juden wohl für ein Glaubensbekenntniß haben? Wir haben nie gehört, daß dieses sie an der Erfüllung ihrer bürgerlichen und politischen Pflichten hindert. Sollte das dortige Judenthum von dem unsrigen abweichend sei«? Bis jetzt hat von zwei — Juventhümern nichts verlautet).

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