Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1847)
- Date
- 1847-01-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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weiter, dort aber wird der vollendeten Welt das Zeugniß ertheilt, daß sie gut gewesen,, und d<r sie jetzt so böse ist, muß sie wohl seitdem, es ist schon etwas lange her, ausgeartet sein. Dagegen vermöchten wir nicht mit demselben die biblische Erzählung von den sechs Schöpfungstagcn für eine Allegorie zu erklären, *) also für Dichtung, nicht für Wahrheit, wenn uns wie ihm die Thora das Bleibende wäre, „und deren Wort ein Göttliches zu zu ihm spricht, vor dem er sich beugt, und die Autonomie seiner Vernunft zurücktritt;w **) wir würden es solchenfalls mit unscrem trefflichen Offenbarungs-Weltweisen oder Offenbarungswelt- Weiscr, Hrn. Steinheim, halten, nach welchem die Schöpfung der Welt in sechs Tagen jüdisches Glaubens-Dogma ist.***) Doch wo ffnd wir hingerathcn, wir wollten nochmals darauf zurückkommen, wie Geiger, und hinzufügen, daß auch Sie sich an uns versündigt haben, und fangen an vor Adams Sündenfall,, statt Geigers und Ihren Sündenfall in Kürze vorzutragen. Zu der Stelle, wo Geiger in seinem Sendschreiben, zu unfern so großen Schrecken als Leidwesen, den Ton unserer Correspondenzen für mißliebig erklärt, bemerken Sie, Sie hätten die Erfahrung gemacht, daß nichts desto weniger Freunde des Fortschritts an solchen Gtfallcn fänden, was Sie einigermaßen zu wundern scheint, von denen Sie aber vcrmuthetcn, daß es denselben ergangen, wie Ihnen selbst, daß sie nämlich die Güte der Frucht über die Schale hinwegsehen lassen. Freilich könnten wir uns insofern bei dem neutestainentarischen Aussprüche: „an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen" beruhigen, allein, daß wir cs nur gestehen,, wir finden, daß Sie uns darum kein geringeres Unrecht thun als selbst Geiger. Mit diesem wissen wir, woran wir sind, unsere Mittheilungen sind ihm, was Sie. was wir, was ihr, geneigte und ungeneigte Leser, was Rabbiner-Versammlung, was Rcformgenoffenschaft, was anderes noch, Mi'itel, Mittel zum Zwecke, je nach ihrer Tauglichkeit zu solchem gut oder verwerflich. Und dieser Zweck? fragen Sie, fragt mit Ihnen das neugierige Publikum. Wir vermögen nur über den nächsten eine vage Bermuthung zu haben, und geben sie als solche, ohne Präjudiz für den Nus penetranten Verstandes, in welchen uns das Sendschreiben ohne unser Zuthun gebracht, und auf die Gefahr hin, damit ein koscheres Zweck-Essen zu geben; als Geigers nächsten Zweck vcrmuthen wir, daß in Breslau der Aron Pulvermacher nicht länger Zum Gadalia hakte, anders ausgedrückt, daß sich dort seine,. Geigers Rabbinatsgewalt hin erstrecke all überall, vom Ringe bis über *) Ebcnv. S. 79, **) Ebendas. ©. 117, 118. ***) Frankel, Zeitschrift, Juliheft 1845, S. 255. die Fechtschule, Wts njfl miHD. Wir wollen damit demselben.- nicht zu nahe treten, vielmehr unser Bedauern aussprechen, daß ein Mann von seinem Geiste,, Talente und Wissen sich durchsölch kleinliche Rücksichten bestimmen zu lassen nur vermuthet werden kann. Die Stelle, welche Geiger in Breslau beklei-- det, erklärt die Stellung, welche er neuerlich im Judcnthume eingenommen, seine zweifelhafte Haltung,, seine zuweilen abwegige Richtung, sie nöthigt ihn wie zur Buße nach zweien Schritten vor-immer einen rückwärts zu thun. In Breslau ist die Zahl der intelligenten, gesinnungsvollen,, tatkräftigen Männer' zwar keine geringe, nichts desto weniger ist noch die dortige' jüdische Gemeinde als eine halbpolnische anzusehen und von derselben der. talmudische Krankheitsstoff nicht' einmal vrrhältnißmäßig verwunden. In dieser Gemeinde verrichtet Geiger die Sysiphusarbcit der Vermittelungs- und Verschmelzungsversuche der Parteien nun schon Jahre lang, und bringt diesem vergeb-- lichrn Bemühen die unsäglichsten Opfer, deren geringstes der Schein des llnbestandcs nicht ist, welchen« rr'durch das unsichere Umhertasten sich zugezogen. Er veraulaßte, daß dir dritte Rabbincrvcrsammlung zu Breslau abgehalten ward, wohl mit um durch solche auf die dortige Gemeinde in seinem Sinne zu wirken,, was ihm auch theilweise gelungen zu sein scheint; begreiflich kamen ihm die hiesigen Proteste und unsere Eorresxondenzen, welche nicht geeignet waren, diesen, günstigen Eindruck ZU verstärken, etwas ungelegen, wie ihm schon die ziemlich unbefangenen Mittheilungen über diese Versammlung in der D. 2L Zeitung wenig zugesagt zu haben scheinen. Es ist ihm aber die Nabbinervcrsammlung nicht bloß Mittel zu dem angegebenen Zwecke, sondern in so. ferne sie die Geistlichkeit den Rang kirrnehmen laßt, welcher ihr in der Judenhcit znkoinmt, ist sie ihm auch Selbstzweck. Was uns betrisst, sind wir nun einmal nicht gefügig wie Lehm in der Hand des Bildners; das Zettalterdes Lehms und dcrGolems ist ohnehin vorüber, kaum daß mau von letzten noch die Spur in einer Novelle des seligen Herrn Achim, von Arnim findet; wir vermutheten längst, daß unsre Correspondenzen sich nicht durchgängig des Beifalls unsres gelehrten und geehrten Freundes zu erfreuen haben dürften. Wenn freilich Ihr vielverkannter / - Correspondent sich über das verfehlte Dresdener Sukkoth - Rendez - vous lustig macht, sich an die Löwen des Orients, wagt, und ähnliche Großthaten vollbringt; dann ist er ein interessanter junger Mann, aus'dem mit der Zeit etwas werden kann, ein trefflicher Schütze, eine Säule Ihres Blattes. Spricht er aber einen bescheidenen Zweifel,, einen leisen Tadel aus hinsichtlich der .letzten Rabbinerversammlung, deren Beschlüsse, deren Mitglieder, war er gar die ent-