Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1847)
- Date
- 1847-01-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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IO ist, verboten. Nach diesem müßte a« den Festtagen | wiederum jede nicht gewerbliche und nicht anstrengende, mithin die Festesweihe nicht störende Thätigkeit, wenn sie auch schaffend und producirend und nur deßhalb am Sabbath verboten ist, weil ihr Unterlassen die Schöpfung symbolistrt, unbedingt erlaubt sein, es muß dieses, menn Logik und Consequenz in einem System ein Wort Ml'trureden haben, nach der Tradition, nämlich nach der „in der Schrift woblbegründctcn Tradition," welche „die Idee berausgcnommen und sie praktisch gemacht," mit aller Aotbwendigkeit der Fall sein. Nun bat aber zum großen Unglück dieser Tbeorie des Hrn. Adler die Mischnah selbst, die ächte Tradition, wiederholt dew Kanon ausgestellt: d"-> p p« Efcj. Der Unterschied zwischen Festtagen und Sabbath binsichtlich des Arbeilsverbots beschränke sich ausschließlich auf die Zubereitung der Speisen, welche an den Festtagen erlaubt und am Sabbatb verboten ist, Bezah Z, 2, Megillah \, 5. Dieser Kanon spricht also deutlich das Gegentbeil von den Consequenzcn der Adlcrscheu Tbeorie aus, daß nämlich mit alleiniger Ansnabme der Zubcreittmg von Speisen alle Thätigkeiten, welche an Sobbalh auch wenn sie keine Anstrengung erfordern, verboten sind, auch an den Festtagen verboten seien. Das Fundament in der Tbeorie des Hrn. A. ist daber in seinen tiefsten Grundfesten erschüttert, erstens ist es nicht wabr, daß nach der Tradition auf dem Standpunkte der Mischnab nicht produ zircude Thätigkeiten am Sabbath wegen ihrer Anstrengung verboten, und zweitens, daß nichtanstrengende und nichtgewcrbliche Thätigkeiten an den Festlagen erlaubt seien. Und doch ruft Hr. S. A. mit einer Znversicht, die zu impouiren im Stande ist, aus: „Hiermit glaube ich den Sabbatbgedanken des Mosaismus nnd die conse q u e n t c Begriffs - Bestimmung seines Arbeitsverbots nach der Tradition in ihrer Wahrheit hergestellt zu haben".' Und mit dieser Betheurung sich nicht begnügend, wiederholt er: „Das ist Mosaismus und das ist Tradition! Sind sie in deftigen Widerstreit mit den unbezwinglichcn (sic!) Verhältnissen unserer Zeit geratben, wie leider nicht zu leugnen ist, dann müssen wir ehrlich sagen: Dürfen wir nicht unter diesen Umstanden, um den Sabbath an sich zu retten, einen Thcil seiner strengen Forderungen opfern? Ja ich würde ohne Weiteres diese Frage mit Ja beantworten, würde alle produktive Thätigkeit, welche nicht gewerblicher und nicht anstrengender Natur ist, und blos symbolischen Grund und ceremonielle Bedeutung hat, mit dem K.-B. den gebieterischen Forderungen der Zeit opfern, wenn damit eben die Wunde geheilt und die Zeit befriedigt wäre. Der Zeit ist aber mit dieser iu ihren Augen lächerlichen Concessio» nicht gedient, sie will den ganzen Sabbath, sie will ihn dem Verkehr geöffnet wissen — das können wir, das dürfen wir nie und nimmer." Wir antworten Hrn. S. Adler hierauf mit allem männlichen und religiösen Ernst, dessen wir nur fäbig sind: Wer einen Tb eil der Religion, seine halbe Religion den Verhältnissen preisgiebt, ist eben so ein Verrälher, wie der, welcher die ganze Religion den Verhältnissen opfert, wer einen Theil des Sabbatb, wie ihn Mosaismus und Tradition festgestellt, der Zeit als Eoncession hingibt, vergreift sich mit eben so großem Frevel am Sabbatb, wie derjenige, welcher den ganzen Sa'- batb dem Verkehr öffnet. Von dem, was Religion ist, was den unbezwinglichen Verhältnissen gegenüber, der gottlosen Zeit zum Trotz als Religion, als Gottesgcsetz sich behauptet, darf nach meiner Ucberzeugung auch nicht das kleinste Titelchen geopfert werden. Religion ist keine erte nsive, ist vielmehr eine intensive Größe, und von demjenigen, der pflichtvergessen die Hälfte der Religion dem Materialismus feilb.etet, kann man nicht sagen, er sei im Besitz eines Theils der Religion geblieben. Mit der Religion laßt sich kein solches Compromiß, keine solche Transaktion schließen, und mögen die Verhältnisse drängen, wie sie wollen, die Religion wird nicht weichen, möge die Zeit gebieterisch fordern, was sie will, die Religion wird auf die Zeitgebote nicht achten, wird sie verachten. Mag die Zeit mit ihren Verhältnissen untergeben, die Religion, wenn sie anders Religion, Gorleskraft ist, wird ewig bleiben. Da ist jedes Rachgeben Verrath, jede Anbeqnemung sträflich, jedes Sichfugen Sunde, da gilt der Grundsatz: pereal. mundus et fiat justitia. Hr. S. Adler begeht aber einen solchen sträflichen Verrath an der Religion, indem er alle produktive Thätigkeit, welche nicht anstrengender und nicht gewerblicher Natur sind und blos symbolischen Grund und ceremonielle Bedeutung haben, mithin aus der im Mosaismus ausdrücklich angegebenen und von der Tradition durch