Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1847)
- Date
- 1847-01-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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13 auch ohne Absicht des Aufbauens an diesen Platze, weil es eine anstrengende Arbeit mny raabo ist, verboten ist. Hr. A. hat also den vom K.-B. einseitig aufgefaßten traditionellen Begriff dahin berichtigt, „daß nach ihm auch nickt gewerbliche und anstrengende Arbeit, wenn sie nur eine produzirende ist, wegen der symbolischen Bedeutung der Sabbathruhe, die jener außer Acht gelassen, zu verbieten sei, stimmt aber darin mit ihm überein, daß überall, wo das Moment der Produktion wegfällt, die am Sabbath verbotene Arbeit auf das vom K.-B. gegebene Maß einzuschränken sei. Ter Arbeitsbegriff des K.-B. meint er daher, passe wohl auf die Festtage aber nicht auf den Sabbath, wo das Symbol hinzutritt. Nun hat aber Hr. Adler das Verbot des Feueranzündens rein vergessen, welches die gedachte Mischnah unter der Kategorie von Tjacn erwähnt, und welches weder — wenigstens in sehr vielen Fällen— anstrengend noch produzirend und doch verboten ist! Oder wollte Hr. S. Adler mit dem seligen Ereizenach in der That nur das Feuer er zeugen Hervorbringen, in welchem Fall es eine Produktion ist, verbieten? Es wäre demnach jeder Umgang mit Feuer und mit Licht nach ihm nicht verboten! Zndcß H. A., das wissen wir, wird sicherlich, und vielleicht nicht mit Unrecht, behaupten, daß Feuermittheilen irgend einen Gegenstand in den Prozeß des Verbrennens bringen, ein Produziren und Schaffen sei. Aber wenn dieses Brennen und Verbrennen dennoch ein Zerstören und Verderben ist, soll es dessen ungeachtet am Sabbath verboten, nach seiner symbolischen Bedeutung, daß wir mit dem Rüben von schaffender Thätigkeit die Wahrheit, daß Gott geschaffen und vom Schaffen geruht habe, bezeugen sollen, verboten sein? Wie stellt sich also nach diesem der traditionelle Begriff von schaffender und produzirender Thätigkeit heraus? Warum soll, wenn Verbrennen auch zerstörend verboten ist, nicht auch Kleider zerreißen, die Schrift auslöschen auch ohne die Absicht der Produktion verboten sein? Hr. S. A. bat sich durch seine subtilen Distinktionen, die freilich nicht an Ort und Stelle geprüft werden konnten, ans ein schlüpfriges Dach geflüchtet, wo er sich an die von ihm verschmähte unächte Tradition feftbalten muß, um nicht jeden Augenblick herunter zu stürzen. Es ist höchst auffallend, und zeigt wie der Geist des Hrn. A., um ein morsches Gebäude zu unterstützen, mit aller Mühe nach Sophismen sucht, auf den zufälligen Umstand, daß die Mischnah bei -imD den Nachsatz nuP weggelassen, eine so luftige Tbeorie aufzubauen. Zn der Mischnah fehlt das man1? D"y. Darum ist Hr. A. ein “nno1? n'y run. Denn daß diese Weglassung keine im Interesse eines Systems beabsicktigte ist, beweist ja klar genug die Mischnah Sabbath 12,3, wo es ausdrücklich heißt; pios pp^pon P „keine zerstörende Arbeit, sie mag anstrengend oder nicht anstrengend sein, ist verpönt, d. h. biblisch verboten. Nach Hrn. A., daß p» rrWD weil es miay ist, verboten sei, wäre diese allgemeine Regel die aller unbestimmteste von der Welt, und sie müßte lauten: Alle leichte nicht anstrengende Arbeiten, wenn sie zerstörend sind, sind nicht verboten. Hr. A. wird nicht verfehlen, sich mit den von ihm schon anderswo (Prot, der 2. R.-B. S. 341) gebrauchten Satz des R. Jochanan zu decken, nämlich: 'tn rPPn jo \ncb p«; allein dieser Schild wird ihn hier schlecht schützen, denn es werden hier keine Objekte oder Fälle aufgezählt von denen man sagen könnte, es seien einige als Ausnahmen von der Regel weggelassen oder nicht mitgezählt worden, sondern die Regel ist nach Herrn Adler eine durchaus falsche, denn nicht das Moment der Zerstörung bedingt ausschließlich die Befreiung, sondern auch das der Nichtanstrenguug, eine Thätigkeit, die anstrengend ist, mag sie noch so zerstörend sein, ist immer verboten, und nur eine nicht anstrengende Thätigkeit darf, wenn sie erlaubt sein soll, nicht schaffend sein. Tie Regel hebt also das eine Merkmal, das des Schaffens, allein hervor und läßt das andere, nämlich das der Anstrengung, welches eben so wesentlich und bedingend ist, ggnzlich weg, was, da es die Wahrheit der Regel wesentlich beeinträchtigt, nicht geschehen dürfte. Auch wir erkennen in dem von der Tradition aufgestellten Momente der Produktion als Erforderniß einer den Sabbath verletzenden Thätigkeit ein sehr bedeutsames, und muß uns um so mehr wundern, wie Hr. A., der diese Arbeitserklärung für die Gegenwart festhält, durch seine Alles auf den Kopf stellenden Theorie die Tradition um ihr größtes Verdienst zu bringen sucht. Auch für uns ist jede menschliche Thätigkeit eine zugleich schaffende und nur insofern sie das ist, ist sie eine menschliche. Die schöpferische Kraft am Menschen ist ein Theil des in ihm waltenden göttlichen Ebenbildes.