Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1847)
- Date
- 1847-01-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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diese schönen Gedanken nicht verborgen gewesen, nur wußte kein einziges, daß es dieselben seit Jahren mit der Sabbathruhe bezeugt bätte. — Was beweist dies? daß die Verbindung dieser Gedanken mit der Sabbathruhe für uns ein Spiel reiner Willkühr ist.— Hr. S. Adler wird übrigens auf die von Hirsch erklärte und verklärte symbolische Bedeutung des Sabbalh keinen sonderlichen Werth legen dürfen, da dieser durch sie zu dem Endresultat gelangt, daß man nicht blos durch die Sabbathruhe, sondern auch durch die Ruhe an jedem andern Tage dieselbe Sabbathidee ausdrücken und verwirklichen, d. h., daß man diese an sich wahren und bereits als Wahrheit im Gcmüthe festbegründeten Gedanken mit der freiwilligen Ruhe jedes andern Tages willkübrlich verbinden könne. Nun, wir glauben, daß man diese Gedanken auch ohne willkürliche Verknüpfung derselben mit irgend einem willkürlichen Zeichen im Gemüthe behalten kann, wenn sie nur erst einmal dessen Eigenthum geworden, und darauf, daß sie cs werden, unser Streben allein gerichtet sein müsse. Wodurch? daß wir einen Tag der Woche, an welchem uns die Ruhe möglich ist, dem geistigen Leben und der Gottesverehrung, die jene Gedanken in uns Hervorrufen und befestigen, widmen. Nachdem Hr. S. Adler die Sabbathidee in ihrer symbolischen Bedeutung gefunden, stellt er sich die Frage: wie aus der Consequenz derselben der Begriff des Arbeitsverbots sich herausstcllte. Die Tradition, meint er, nämlich „die ächte, aus dem religiösen Volksbewußiftin von selbst herausgewachscne", sei hierin weiter gegangen als der K.-B., indem sie nicht blos gewerbliche und anstrengende, sondern auch jede schaffende, produktive Thätigkeit verbiete, und daß auch das Merkmal der Produktion ihr noch nicht als die ausschließliche Bedingung einer verbotenen Arbeit gelte, beweise die Thatsache, daß sie anstrengende und gewerbliche Thätigkeiten verbiete, auch wenn sie keine produzirende sind. Um dieses zu erklären, hat Hr. Adler die scharfsinnige Entdeckung gemacht, der biblische Sabbath vereinige zwei Momente in sich, das der Ruhe und das der Heiligung, erstere symbolisire den S ch ö p f u n g s a k t durch Gott und ihr gemäß sei das Verbot jeder schaffenden, produzirenden Thatigkeit, in deren Enthaltung eben die Ruhe Gottes nach der Schöpfung bestanden habe, letztere, die Heiligung, schließe jede gewerbliche und anstrengende Thätigkeit von selbst aus. Das ist der Kern und Grundgedanke in dem Adlerschen System, aus welchem alle Conscquenzen seines Votums fließen. Gehen wir auf die Begründung desselben näher ein. Nach dem K.-B. (P. der 2. R.-V. S. 350) beruht der traditionelle Begriff — wie derselbe in Mischnah und Gemara ausgeprägt sich findet — der am Sabbath verbotenen Arbeit in deren Resultate und Zwecke; Absicht und Erfolg einer Thätigkcit soll vermieden werden— sobald nur das Resultat irgend eine Produktion ist; aber umgekehrt ist auch, sobald das Moment der Produktion nicht vorhanden ist, die Thatigkeit nicht als eine biblisch verbotene Arbeit zu betrachten. Diese Auffassung des traditionellen Standpunktes bestreitet Hr. Adler mit Abweisung aller sekundären Quellen, welche die achte Tradition nicht wiedergcben, auf die Hanptquelle der Mischnah allein sich beschränkend. „Schlagen wir", sagt er, jene Hauptquelle der Mischnah auf, wo die Kategorien der verbotenen Arbeiten gegeben sind." Da, meint Hr. A. finden sich einige Thätigkeiten, die nicht prodnzirend sind, aber doch weil sie eine Produktion beabsichtigen, wie mro1? a'P pma -nör6 jmp verboten sind, und wieder andere, nniDi run Bauen und Einreißen, ohne an letzteres die Bedingung einer beabsichtigten Produktion zu knüpfen. (Daß die Gemara Sabbath 29 wirklich diese Bedingung nun1? tfy -lnrcj hieran knüpft, kümmert Hrn. Adler nicht, dem nur die ächte Tradition imponirt.) Wie erklärt sich das? Der Sinn der Tradition stellt sich so heraus. Das religiöse Volksbewußtsein hat sich das Arbeitsverbot am Sabbath in doppelter Weise gedacht, in einer Beziehung den Festtagen gleich, an welchem nur may roi6ö, anstrengende Arbeit, in anderer Hinsicht von ihnen sich unterscheidend, wo bn jede Arbeit verboten ist. Die symbolische Bedeutung, die ausschließlich dem Sabbath angehört, verbietet jede produzirende Arbeit, wenn sie auch nicht anstrengend ist, anstrengende, wenn auch nicht produzirende Arbeit ist wegen der dem Sabbath mit den Festtagen gemeinsamen Weihe und Heiligung, die rrnny als die Weihe störend, verboten. Zerreißen eines Kleides und Ausl ö sch en der Schrift wäre nach Hrn. A., wenn nicht die Absicht des Nähens und Schreibens als einer Produktion damit verbunden wäre, weil es keine anstrengende Arbeit ist, nicht verboten, während Einreißen eines Gebäudes