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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-05-17 · Heft 20 (17.5.1846) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 20 (17.5.1846)
Date
1846-05-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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160 wenn es seinen eigenthümlichen Lebensfond in selbsteigener Gestaltung zur weltgeschichtlichen Lösung bringt, nicht aber, wenn es seinen eigenen Weg verlassend, in fremde Bahnen sich verrennt, seinen eigenen Charakter verleugnend, fremde Formen borgt. Das Zudenthum will tief und innerlich aufgefaßt und fortgebildet werden, es birgt oft m abstoßender Schale einen lebensfrischen Kern, welchen die unberufenen Reformatoren mit jener wegwerfen." Nicht jeder Schritt ist ein Fortschritt, nicht jede Veränderung eine Verbesserung!" Zum Schlüsse fordert der Vers. Hin. vr. Geiger auf, vom Rabbinate abzutreten und sich an die Spitze der Genossenschaft stir Reform zu stellen. Hierdurch sah sich nun Hr. vr. Geiger veranlaßt, in beiden hiesigen Zeitungen eine Erklärung erscheinen zu lassen, in welcher er den an ihn ergangenen Ruf aus Berlin entschieden ablehnte und auch auf die Unrichtigkeiten dieser Drochüre hinwies. Da dieser Brief schon ziemlich ausgewachsen ist, so wollen wir uns die versprochene Würdigung der ganzen literarischen Fehde auf später aufsparen und nur noch bemerken, daß namentlich die Breslauer Zeitung dieser ganzen Bewegung aufmerksam folge und fast täglich Referate darüber in gediegener Haltung bringt. Holdheim, der zu Besuch hier war, hat vorigen Sonnabend in der großen Synagoge mit vielem Beifall gepredigt. Der Inhalt war in gewohnter Gediegenheit und Freimüthigkeit, die Form poetisch und rhetorisch. Der Mangel einer lauten und festen Stimme, durch welche in großen Localen die Fernstehenden ihn nicht gut verstehen, ist an ihm zu beklagen. Dagegen wird man die äußerlichen rhetorischen Maniern gern vermissen, und an seiner milden Natürlichkeit, welche sich in seinem ganzen Wesen ausdrückt, besonders Wohlgefallen finden. Erfteulich wird Ihnen noch die Nachricht sein, daß bei der nun demnächst stattsindenden Rabbiner-Versammlung hier der Besuch von Zuhörern gegen Karten gestattet ist. Der Fuldaer Rabbiner. (Aus Fulda.) — Vor mehreren Wochen wollte und sollte unser Rabbiner, vr. Rosenberg, an einem Tage und an einem von ihm bestimmten Orte zwei Copulationen vornehmen. Die Brautleute und die HochzeitSgästc fanden sich frühzeitig ein, doch unser Geistlicher nicht. Es wird Mittag, es wird Abend, allein immer harrte man noch vergebens auf die Ankunft des Geistlichrn,' und da die Nacht anbrach, ohne daß Hr. vr. Rosenberg gekommen, so mußte man unverrichteter Sache wieder heimkehren. Warum kam denn aber der Rabbiner nicht und ward der Pflicht und dem gegebenen Worte untreu? Wurde er krank? Mitnichten! War das Wetter zu stürmisch? Mit nichten. Warum denn nun? Der Rabbiner vergaß es. Die Leser mögen indessen nicht staunen und den Stab der Verurtheilung nicht über ihn brechen, sondern mögen bedenken, daß derselbe sehr viele Sorgen hat um den Cultus und die Schule seines Rabbinatsfitzes und der ganzen Provinz; das religiöse Heil seiner Pflegbefohlenen geht ihm zu stark zu Herzen, so daß es gar kein Wunder ist, wenn er eine solche Kleinigkeit, wie die Vornahme einer Trauung, die noch dazu schwerlich davonläuft, vergißt. Das können wir aber nicht unterdrücken, daß, WAN vr. Rosenberg noch lange in Fulda bleiben sollte — und wo sollte er denn hinkommen — Fnloa unsterblich werden wird. Der Glanz des Gottesdienstes in Fulda und erst der der Dorfgemeinden, die klassischen Predigten rc. rc., ziehen schon jetzt die Blicke aller Gebildeten auf sich. Doch genug für heute. Aufforderung. Nachdem die von dem seligen Königs. Kommerzienrath Jonas Fränckel vermittelst Testaments errichteten Familienstiftungen die gesetzliche Bestätigung erhalten haben, fordern wir dessen Verwandte, welche in grader Linie von den Geschwistern seines Vaters Joel David Fränckel, wie seiner Mutter Edel Fränckel, geb. Joseph, Jonas Fränckel, abstammen, hiermit auf, unter Beibringung der durch Geburtszeugnisse gehörig begründeten Legitimation ihres Verwandtschaftsgrades sich bei uns schriftlich oder persönlich zu melden, um zum Genüsse der im Testamente §. 1. und §. 2. erwähnten Familienstiftungen zu gelangen. Den sich legitimirenden Verwandten werden wir den die Familienstistungen betreffenden Extrakt aus dem Testamente einhändigen. Breslau im April 1846. Die Testaments-Erekutoren des Kommerzienrath Fränckel'schen Nachlasses. Samuel Jacob Levy. Lobet Milch. Joseph Prinz. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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