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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-05-17 · Heft 20 (17.5.1846) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 20 (17.5.1846)
Date
1846-05-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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158 ob die Gedanken, die durch die Speiseverbote veranschaulicht werden sollen, nämlich: der von dem Prieftcrberuf eines jeden Zsraelircn irenai der von der Heiligkeit der Rasurgesetze (m HJ bwn u. nbip) und der, daß die Vertreter der Wahrheit wohl körperlich verletzt werden, aber geistig nicht unterliegen können (die übrigen Speiseverbote) auch heute noch der sinnbildlichen Darstellung und einer immerwährenden sinnbildlichen Vergegenwärtigung bedürfen, oder ob diese Gedanken so Allgemeingut geworden sind, daß er jedem schon mit der Erziehung ins Herz geschrieben wird und nicht mehr verloren gehen kann. Von der Beantwortung dieser Frage hangt überhaupt das Schicksal aller Ceremonialgesetze ab. Samuel Hirsch. Geschichte des Tages. Bewegungen in Breslau. A (Breslau, 30. April.) — Wir haben hier in den letzten Wochen eine ereignißreiche Zeit verlebt. Die verschiedenen Parteien sind wieder einmal so recht aneinander gestoßen und der daraus entbrannte Kampf ist auch wieder auf das Feld der Oeffentlichkeit getreten. Die nächste Veranlassung hierzu war die von der Berliner Genossenschaft für Reform im Zudenthum an Herrn vr, Geiger abgesandte Deputation, welche ihn zum Geistlichen für die Berliner Genossenschaft gewinnen sollte. Hr. Lr. Geiger lehnte zwar die Wahl nicht ab, nahm sie aber auch nicht sogleich an, sondern behielt sich Bedenkzeit bis nach Abhaltung der dritten Rabbiner-Versammlung vor. Unterdessen hoffte er, die Gelegenheit benutzen zu können, um die hiesigen Reformfreunde zu einem entschLedneren Wirken anzuregen. Er schrieb in diesem Sinne einen wichtigen Brief an das Obervorsteher-Collegium, in welchem er von der Berliner Deputation und dem ihr gegebenen Bescheid referirte, dabei sich aber auch über die Unerquicklichkeit des bisherigen schwankenden Zustandes der hiesigen Gemeinde und über das Bevürfniß entschiedener Reformen aussprach. Nachher hielt er einen Bortrag in dem Golvschmidt'schen Saale über das Thema: „von wem sollen die Reformen ausgehen!'' wobei er die Schritte der Berliner Genossenschaft im Allgemeinen billigte und auch an einzelnen Beispielen nachwies, wie der Talmud auch biblische Gesetze und Feststellungen mvdifizirte und abänderte. Hier trat nun zuerst Hr. vr. W. Freund als kampfgerüsteter Gegner des Vr. Geiger und der Berliner Genossenschaft auf. Seiner sehr flüchtigen Rede haben wir in diesen Blättern schon Erwähnung gethän; wir sind aber setzt im Stande, seine Ansichten nach dem von ihm verfaßten „Sendschreiben der großen Mehrzahl der Breslauer Zsraelitengemeinde an Hrn. Rabbiner vr. Geiger" vervollständigt zu betrachten. Da es nicht zu leugnen ist, daß dieses Sendschreiben gleich nach seinem Erscheinen von Tausenden gelesen worden und daß seine Wirkung eine große gewesen, so dürfen wir cS auch nicht mit der Manier anderer Correspondenten vornehm abfrrtigen; wir müssen dem vr. Freund ernst ins Gesicht leuchien. seine Ansichten, die er noch dazu nicht in seinem eigenen «Kamen, sondern in dem der Gemeinde, der gemäßigten Reformfreunde, ausspricht, genau prüfen. Hören wir ihn also! Der wesentliche Inhalt des Sendschreibens ist folgender: „Nach aufmerksamer und sorgfältiger Prüfung der Beschaffenheit und der Lebensäußerungen der Berliner Genossenschaftsreform muß die Breslauer Gemeinde diese Reformbewegung aus vollster Ueberzeugung und vom Grunde ihres Herzens für verwerflich und verderblich halten, und dies zwar deswegen, weil unter allen religiösen Bewegungen, von denen die Geschichte erzählt, keine so versteckt unv so irreführend ausgetreten ist, als eben jene neueste Reform im Zudenthum. Man sehe auf die altjüdischen und altchristlichen Sekten, man sehe auf Luther, bettachte Rouge und Czerski, oder Uhlich, Wislicenus, Krause: überall findet man eine bestimmte, klare, ausgebildete Glaubensansicht, in klaren, allgemein verständlichen Worten ausgesprochen. Blickt man dagegen auf die Erklärungen und Manifeste der Reformgenoffenschaften, so findet man nirgends eine bestimmte, deutliche Erklärung über das, was dieselben glauben oder nicht glauben: überall unbestimmte, allgemeine Redensarten von Fortschritt und Zeitbedürfniß, von positivem Glauben und Geist der Offenbarung und ähnlichen religiösen Stichworten, die Zeder nach Belieben auffassen und deuten kann. Wäre nun dieser gänzliche Mangel an Bestimmtheit und Deutlichkeit in den Manifesten der Genossenschaften die Folge einer noch unklaren religiösen Ueberzeugung, so .ließe sich dagegen natürlich nichts Gegründetes einwenden. Aber ist jener Mangel an Bestimmtheit nicht vielmehr ein reiflich erwogener und geschickt angelegter Plan, um damit den doppelten Zweck zu erreichen, einmal unter das weit ausgcbreitete Dach eine recht große Anzahl von Theilnehmern zu sammeln, mit welchen man dann sicherer an das erwünschte Ziel zu gelangen hofft, und zweitens, um durch die bestimmte und offene Darlegung seiner'religiösen Ueberzeugung sich nicht die direkte Mitwirkung und Theilnahme der Rabbiner vorweg zu verschlagen, welcher man als geistlicher Autoritäten, per unwissenden Menge gegenüber/ zur sichern Erreichung des vorge-

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