Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1846)
- Date
- 1846-05-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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155 das Blut gekört auf den Altar. Daher ferner das Buir der wilden Tbiere oder der Vögel, die nicht geopfert werden können, mir Erde zugedeckt werden muß. (V. 13). Lader endlich 5. Mos. 12, 16, 24; 15, 22 und 2:4, wo erlaubt wird, überall zu schlachten, oder wo vom fehlerhaft gewordenen Erstgeborenen die Rede ist und deßbalb eingeschärft wird, das so Geschlachtete ja nicht als ein Opfer zuSbetrachten, sondern „sowohl der Unreine wie der Reine sollen davon essen zusammen, wie der Hirsch und das Reh," immer wiederholt wird, „das Blut sollst^du auf die Erde gießen wie Wasser," damit nämlich man sich ja nicht einrede, das Blut, welches als der Theil des Herrn angesehen wurde, irgendwie geopfert zu haben. Es bleiben also die übrigen Speiseverbote, deren sinnbildlicher Charakter feststehet. Bei allen Völkern des Alteithums finden sich nämlich gewisse Thiergattungrn als zum Genüsse verboten. So durften nach Porphyr, de abstin 4, 7 die ägyptischen Priester keine Fiswe genießen und von den vieriüßigen TKieren die nicht, welche nur eine Klaue (nicht gespaltene') hatten, oder welche mehr als doppelrspaltig waren (welche also gar keine Hufen, sondern Tatzen haben), oder welche keine Hörner tragen. Eben so von den Vögeln die nickt, welche Fleisch fressen. Man sicher, hier ist ganz dasselbe verboten, wie im mosaischen Gesetze; denn schon das Targnm Zer. zu 3. Mos. 11, 3. gibt als Zeichen der Reinheit der Tbicre das Horn an. Eben so findet sich bei den Persern dieser Unterschied von reinen und unreinen Thieren, von solchen, die vom Lichtgott, Ormuzd, oder von dessen feindlichem Bruder, Ahriman, geschaffen sind. Letztere dürfen nicht gegessen werden. Eben so findet sich dieser Unterschied bei den Indern und bei noch andern Völkern. In den Eigenschaften gewisser Thiergattungen sahen also alle alten Völker ihre religiösen Gedanken auf eine gewisse Weise veranschaulicht; daher auch der Mosaismus dieses benutzt, die ihm eigenlhümlich angehörenden religiösen Gedanken durch diese Eigenschaften dem Bewußtsein immer gegenwärtig zu halten. Der Mosaismus kann aber nicht, wie die übrigen heidnischen Religionen gewisse Thiergattungen an sich als unrein erklären. Dazu fehlt ihm jeder Grund. Er sagt nicht, wie die heidnischen Religionen, die unreinen Thiere sind Geschöpfe des bösen Gottes: .Alles stammt vielmehr von einem und demselben Gott und ist an sich auf gleiche Weise rein. Daher auch nach der Schrift dem Noah (1. Mop 9, 3.) alle Thiere ohne Unterschied zum Genüsse erlaubt sind. Aber schon hier deutet' die Schrift jenen Unterschied von reinen und unreinen Thieren an und dessen eigenthümlich mosaische Bedeutung. Zum Opfer nämlich, da wo es darauf ankommt, das Verhältniß des Menschen zu Gott sinnbildlich darzufteklen — der einzigen Bedeutung des Opfers im Mosaismus — eignen sich die unreinen Tbiere nicht. Während nämlich der Heide in den unreinen Thieren Geschöpfe und Machtbezeugung der feindlichen Gottheit siebet und daher nicht selten gerade diese zu Ehren des guten Gottes schlacktet — denn dadurch wird die Macht des feindlichen Gottes verringert — sicher der Mosaismus in diesen Thieren nur ein Abbild des innern Seelenlebens des Menschen. Zbm sind vor Gott alle Tbiere gleich rein, aber für den Menschen, näher für den Israeliten, gilt ein Unterschied. Das Verhältniß seines eigentbümlichen Prinzips zu Gott und zu der übrigen Menschheit siehet also der Zsraelit in diesem Unterschied sinnbildlich dargestellt. Dieses zeigt sich sogleich bei dem ersten Speiseverbot, wir meinen das Verbot, die Spannader zu essen. Zum Andenken au jene Begebenheit, daß nämlich ein feindlicher Engel eine ganze Nacht hindurch mit Jakob kämpfte, ihn körperlich verletzte, aber Jakob dennoch geistig Sieger blieb, und dieses von dem Engel eingestanden wurde, sollen die Söbne Israels jene Ader nicht essen. Dieses Verbot soll also offenbar jenen Gedanken dem Israeliten immer vergegenwärtigen, der durch jene Begebenheit dargestellt ist, nämlich: Israel kann wohl körperlich verletzt werden, aber geistig bleibt es immer Sieger. Ganz so verhält es sich mit den Speiseverdoten 3. Mos. Cap. 11 und 5. Mos. Cap. 14. Von den Tdieren ist Alles verboten, was nickt gespaltene Hufen hat und nicht wiederkauet; von den Vögeln die daselbst angeführten (Raubvögel); von den Fischen was nicht Schuppen und Floßfedern bat. An diese von der Schrift selbst hervorgehobenen Zeichen muß man sich halten und nicht etwa an bloße Einzelnheiten dieses oder jenes Tbieres — wie die tbun, welche den Grund, daß Schweinefleisch verboten ist, etwa im heißen Klima Palästinas und Aehnlichem suchen. Aber warum ist denn das Kameel und Anderes verboten —