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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-04-26 · Heft 17 (26.4.1846) · page 10

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 17 (26.4.1846)
Date
1846-04-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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78 weiter ab steht es von dem Christenthum in seiner bisherigen Gestaltung. Ob vr. Stern die Beibehaltung eines solchen Judcnthums wünscht, weiß ich freilich nicht, obleich ich, wie ich den gemüthlichen Manu kennen gelernt, nicht daran zweifle. Aber das weiß ich, daß es uns und den meisten Wortführern der Reform in Deutschland nur um eine solche zu thun ist. Wechsler. Reeension. Zur Geschichte und Literatur. Von Dr. Zunz. Erster Band. Von Rabbiner Pr. Geiger. (Dritter Artikel.*) Eine höchst wichtige Stellung zwischen Spanien und Frankreich nimmt die Provence ein, das Land, welches die verschiedenen Richtungen jener beiden Länder in sich aufnahm und Pie Aufgabe hatte, dieselben in sich zu vermitteln oder das doch wenigstens dazu bestimmt war, die Gegensätze durch ihre notwendige Berührung schärfer in ihrem innern Widerspruche gegeneinander auftreten zu lassen. Zn der That ist die Thätigkeit der Provence aus jener Zeit eine höchst einflußreiche, und Schlach. tcn des Geistes wurden hier geschlagen,- welche zwar nicht ganz durchgckämpft werden konnten und deren Erfolg ein zweifelhafter blieb, die jedoch zu größerer Klarheit hindrängten, und sicher wäre diese erreicht worden, wenn nicht der bald eintretende äußere Druck und der Verfalls der Selbstständigkeit, welchen die Provinz erfuhr, den Aufschwung gelähmt hätten. Sie war reich an talmudischen Erleb «täten, wie Juda b. Barsillai und seine Schüler Abraham b. Isaak Ab-Beth-Din, Meschullam b. Jakob mit einer zahlreichen gelehrten Nachkommenschaft und berühmten Schülern — Abraham b. David, A.'s b. Isaak Schwiegersohn, und Serachiah b. Isaak Ha - Lcvi — Salomo b. Abraham aus Montpellier, Menachem b. Salomo Ha - Mciri aus Perpignan u. v. A., aber nicht minder reich an Philosophen, besonders Uebersctzcrn aus dem Arabischen, Eregeten, Gramatikern und Dichtern, wie schon die Namen Kimai, Thibbon, Antoli, Bcdarschi, lauter gelehrte Familien, nicht blos Einzelne, außer ihnen Abraham b. Chija, Charifi u. v. A. beweisen, unv waren selbst die meisten der Talmudisten nicht ohne andere Bildung. Daher denn auch die beiden großen Kämpfe, welche um 1232 *) Die ersten zwei Artitel befinden sich in Nr. 1, 2, 14 und 15 dieser Blätter. Die Ned. und 1304 in der Provence über die philosophischen Schriften des Maimonides und über das Studium der Philosophie überhaupt ausbrachen, in welchen sich eine Masse von Gelehrten der verschiedenen Richtungen und eine Anzahl geistiger Kräfte bemerklich machen, wie wir sie vielleicht in keinem andern Lande finden. Auch auf dieses Land hat erst die neuere Zeit mit der rechten Entschiedenheit hingewicsen, theils durch neue Aufschlüsse, welche erst jetzt veröffentlichte Geistesprodukte und Aktenstücke an die Hand geben, theils durch eine nun erst gewonnene klarere Einsicht in den Gang der Geschichte. Eine umfassende Bearbeitung ist dennoch dieser vermittelnden Provinz noch nicht geworden. Wie gerne hätten wir ihr einen Mann gewünscht, der sie mit dem scharfen Blicke des Verf. durchwanderte und durchforschte; allein er begnügt sich vorläufig mit der Nachwcisung der Dichter, deren Dichtungen gleichfalls erst in der neuesten Zeit in den provenzalischcn Siddurim gleichsam wieder neu entdeckt wurden, theilweise auch noch in handschriftlichen Divan's, wie in dem des Abraham Bedarschi und Salomo Bonfed vergraben liegen. Die fünfte Abhandlung nämlich: „die jüdischen Dichter der Provence" (S. 459 — 483) liefert uns diese gründlichen Nachweise nach kurzem einleitendem Ueberblicke, und es wird durch sie eine tüchtige Vorarbeit Zur eigentlichen literarhistorischen Erkenntniß dieser Gegend im Mittelalter geliefert. Das Minachath Kenaoth des Abba-Mari b. Moses b. Josef aus Lünel, das eines der schätzbarsten Documente aus dieser Zeit ist, liefert auch für diese Arbeit wichtige Beiträge. Auf den philosophischen Streit näher einzugehcn, lag außer den Gränzen, welche der Verf. sich gesteckt hat; doch erhält derselbe durch vielfache Mittheilungen über Personen, welche mit in ihn verwickelt waren, manche neue Aufklärung. Besonders wichtig sind die Nachrichten über Levi b. Abraham b. Chajim (S. 470 ff.), und es ist mir nicht unwahrscheinlich, daß dieser eben der Levi ist, dessen Lehren mit eine wichtige Veranlassung zum Ausbruche des Kampfes um 1304 waren. Jedenfalls wäre es erfreulich, wenn das skl welches H. I. Michael besitzt, gedruckt würde. Derselbe ist auch wahrscheinlich der „Levi, Verwandter des Lcvi b. Gerson", in dessen Namen Samuel b. Chabil de Vidas in Dß/n E'pna ms.*) *) Das Mspt., das ich gesehen habe, enthält 114 Doppelseiten in 4, und ist abgeschrieben 1570 (Neumond des Schebat) durch Josef b. Abraham Ha-Lcvi b. Juda Schabthai für Isaak b. Maß'uv. Das Buch wird übrigens von Jakob Gavison in 'Omer Ha-Schikhchah 65 e. angeführt und der Verf. ist vielleicht derselbe, dessen Comm. zu dem Clg. in Salonichi 1596 gedruckt ist und der von Bezalel in der Schittah zu Mezi'a einige Male angeführt wird.

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