Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1846)
- Date
- 1846-04-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Literatur-Matt zum Israeliten des 18. Jahrhunderts. Enthaltend: Abhandlungen, Aufsätze, Recenfioneu, literarische Aphorismen rc. rc. für die gesammte höhere Wissenschaft des Judenthums, und unter Mitwirkung von Geiger, Holdheim, S. Hirsch, Jost, Rießer, Herzfeld, Wechsler, Maier, Rebenstein, Stern, Dukes, Adler und vieler anderer Gelehrten redigirt und herausgegeben von vr. M. Heß, Großherzogl. Weimarschem Land-Rabbinen in Eisenach. Rr. 1». Sonntag den *«. April LSI«. i. Jahrgang. Plank, über den Ursprung des Mosaismus, und Muudt, der heilige Geist und der Zeitgeist, besprochen vom Land-Rabbinen D. Wechsler kn Oldenburg. (Schluß.) Daß eine solche Wirkung vor der Hand auch der Regierung des christlichen Staates willkommen sein muß, versteht sich von selbst, da der Jndifferentismus in Sachen der Religion, welchen das alte Judenthum bisher vorzugsweise zu Tage gefördert und wodurch es den negativen Richtungen der Zeit und den skeptischen Trieben der modernen Wissenschaft manchen Zuwachs geliefert, eben für den Feind gilt, den man um jeden Preis gern vertilgen möchte. Die jüdische Reform hat daher im christlichen Staat, wie er jetzt ist, und unter seinen gegenwärtigen Zeitverhältnissen die Bedeutung, daß sie als eine Bekämpferin der religiösen Indifferenz und als Propaganda eines religiösen positiven Sinnes überhaupt angesehen wird; und in dieser Beziehung wird sie zunächst auf jede Unterstützung und Billigung der Regierung, besonders aber des preußischen Cultusministers, zu rechnen haben. So weit möchte man der Mundtfchen Betrachtung in der Hauptsache beipffichten. Denn, wenn es auch nicht wahr ist, daß bisher das Judenthum außer dem Grunddogma des einigen und alleinigen Gottes keine eigentlichen dogmatischen Bestimmungen in sich getragen, wenn vielmehr der Offenbarungs-, derMesfiasder Traditionsglaube, wenn die ewige Geltung des Gesetzes überall die Träger und Grundpfeiler desselben waren, ohne welche dem talmudischen Judenthum alles Derständniß abgeht; so waren doch diese im Leben theils verhüllt und verdrängt von der strikten Observanz des Cerimonialgesetzes, theils so völlig mit dem religiösen Bewußtsein der Gegenwart zerfallen, daß sie als nicht vorhanden betrachtet werden konnten. Die Reform hingegen, indem sie auf eine Ausgleichung des Bewußtseins mit der Lehre dringt, indem sie nach einer Vernunft- und zeitgemäßen Auffassung des Inhalts der Religion ringt, kehrt allerdings von der Indifferenz zurück, baut den Glauben auf und wird in so fern positiv. Der Borwurf des Zerstörens und Auflösen« trifft ' sie daher unstreitig weniger als ihre Gegner, ja auch weniger als ihre christlichen Schwestern, weil sie zunächst ein starr gewordenes, dem Leben abgekehrtes und es einzwängendes Gesetz bekämpft, während jene ihre Schärfe sogleich gegen das Dogma selbst kehren. Freilich involvirt eine Reform des Gesetzes zugleich eine Reform der Lehre und kann nur auf ihr baffre». Aber auch die Reform der Lehre berührt den Staat nicht, selbst wenn er ein christlicher ist, wie er vorgibt, geht vielmehr darauf aus, den Glauben mit dem Leben im Staate bei den Juden ein Einklang zu bringen, oder vielmehr diesen Einklang nachzuweisen und was ihn stört, als falsche, verkehrte Auffassung und Deutung zu beseitigen. Fährt nun aber Muudt also fort: „Bei einer weiter» Entwicklung dieser Reform, welche die Stern'sche universale und verallgemeinernde Anficht de» Judenthums zu ihrer Grundlage genommen, wird die daraus hervo^gehende Gemeinde entweder i« Christenthume sich verlieren, oder zu einer Bernunstreligio» fich gestalten"; so vergißt er, daß zwischen diesem: Entweder- Oder noch ein weites Dritte liegt, nämlich das Judenthum, das sich mit der Vernunft begreifen und rechtfertigen läßt, das aber eben so noch die. Geschichte und die alten Urkunden zur Basis für feine Formen und Normen hat. Ein Judenthum, das de» Sabbath und die Feiertage, das de« Bersöhnungstag und sonstige Erinnenmgsseste beibehält, das den Glauben an eine Erlösung, an ein einstiges Gottesreich, an eine Bestimmung Jsra,1« u. s. w. in sich trägt, kann und soll eine vernünftige Religion heißen, eine Bernunftreligion wird es nicht fein, und noch