Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1846)
- Date
- 1846-04-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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135 Genossenschaft aber nachtheilig sein müßte. Die Rabbinerversammlung habe die Allgemeinheit der Juden im Auge, und so erwünscht es ihr sein müsse, sich von den Ncformgenossenschaften vorwärts gedrängt zu sehen, auf dieselben als auf geschichtlich hervortretende Momente der reformatorischcn Nothwenvigkeit Hinweisen zu können, so kann sie doch, so lange sie ans Rabbinern ganzer Gemeinden besteht, diese nur in ihrer Ganzheit und nicht in ihren bcsondern Genossenschaften berücksichtigen. Wollen daher die Reformgenossenschaften in ihren Bestrebungen durchaus einer geistlichen Autorität sich bedienen, so müssen sie diese nicht in den Gemeinde-Rabbinern sondern in ihren eigenen Geistlichen suchen. Aus diese durchaus festzuhaltende Unabhängigkeit der Ncformgenossenschaften von den Nabbinerversammluugen wies in der gestrigen Versammlung namentlich der wackere Hr. Heinrich Hahn hin. Nach dieser Bemerkung zur Verwahrung im Allgemeinen erklärte er sich doch für den in Reve stehenden Antrag in diesem speziellen Falle. Nachdem noch Manches darüber gesprochen wurde, ging endlich der Antrag durch, aber mit der ausdrücklichen Bemerkung. daß die von der Rabbinerversammlung gebilligten Culms - Reformen nicht deshalb cmgeführt werden sollen, weil sie die Rabbincrversammlung gebilligt, sondern weil sie auch die Rabbinerversammlung gebilligt, oder mit andern Worten, weil die Nothwendigkeit dieser Reformen um so größer sein müsse, da sie auch die Rabbinerversammlung gebilligt. Nachdem nun noch zur Wahl des permanenten i Comitee, welches aus 15 Personen bestehen wird, geschritten worden, sie aber in dieser Versammlung nicht mehr vollzogen werden konnte, wurde die Versammlung aufgelöst. Den Vorsitz in derselben führte Hr. Benjamin Baskcr, welcher zugleich Mitglied des Obervorstehrr-Collegiums ist. Diese im Ganzen so erfreulichen Bestrebungen haben nun auch einen ganz unerwarteten Widersacher zu bekämpfen. Es ist dieses der Jndifferentismus, von wel, chcm man gewöhnt war, daß er über Alles lächelnd den Kopf schüttelte, im Ucbrigen aber sich ruhig verhielt. Jetzt will er aber kämpfend in die Schranken treten und zeigen, daß er in seiner kalten Gleichgültigkeit von einem innern Prinzipe zusammengehalten werde. Wir werden in einem andern Schreiben ausführlich darauf eingehen. Der Bau einer neuen Synagoge in Berlin; Pie Tempel-Einweihung. £. (Berlin, im April.) — Vor Kurzem erließen die Aeltesten und Vorsteher der hiesigen Judenschaft ein Rundschreiben an die Gemeinveglieder, um ihnen den Entschluß zur Erbauung einer neuen Synagoge mitzutheilen und sie zu Geldbeiträgen aufzu- Jn einer Beilage wird nun der Plan zur Aufbringung dieser erforderlichen Mittel angegeben. Die Zahl der Synagogenplätze soll vorläufig aus höchstens 800 veranschlagt werden. Diese wer. den getheilt in A platze und H platze, von denen erstere besser gelegen sein sotten und daher nur um den Preis von 150 Rthlr. erworben werden, während letztere nur 100 Rthlr. kosten. so daß etwa 100,000 Rihlr. erzielt werden. Wie ich aus sicherer Quelle höre soll die Hälfte dieser Summe bereits gezeichnet sein nuv Vas Unternehmen überhaupt guten Fortgang haben. Dies darf Niemanden Wunder nehmen. Der Aufruf ist so allgemein und schillernd gehalten, daß Jever wohl ein Wörtchen fand, das er zu Gunsten seiner Ansichten deuten zu können und daher sein Schärslcin beitragen zu müssen glaubte. Aus diesem Grunde haben sich auch viele Altorthodoren und Reformer bctheiligt. Andere tieferblickende und daher weniger leicht zu blendende Männer haben dennoch mit einer gewissen Selbstverleugnung bedeutende Summen gezeichnet, weil sie sich freuen des frisch aufblühenden Lebens, der Rührigkeit und Rüstigkeit, zu der unsere Gemeinde nach einem langen dumpfen Schlafe von Neuem erwacht ist. weil sie Wohlgefallen finden an dem kräftigen Muth und der Kühnheit, mit welcher die alte Gemeinde einen geistigen Kamps mit der Reform« Genossenschaft cinzugehen wagt. Jndeß hat es mit diesem Kamvf in der Wirklichkeit noch gute Wege. Denn wahrend über die Ausführung jenes Unternehmenwohl noch einige Jahre hingehen werden, gewinnt die Resormgenossenschast täglich mehr sowohl an äußerem Umfang als an innerer Kräftigung und Festigung. Den schönsten Beweis hiefür liefert uns die am 2. April, als dem Jahrestage des „Aufrufs an unsre israelitischen Glaubensbrüder" ftattgefunvene Einweihung des neuen 900 Sitzplätze und eine große Anzahl Stehplätze umschließenden Betsaals der Genossenschaft. Der einfache Saal war in kürzester Zeit durch den Eifer und die unermüdliche Thäligkeit der Bevollmächtigten in einen Tempel lungeschaffen worden, der den würdigsten Anblick gewährte. Nach einem thcils vom Chor allein, theils vom Chor und der Gemeinde gesungenen Liede, betrat Hr. Dr. Stern die Vorbetertribüne. In seiner wie gewöhnlich meisterhaft abgerundeten Rede führte er besonders den Gedanken durch, daß einzig und allein Gott die Ehre des gelungenen Werks zu geben sei; Niemand könne sich rühmen, weder ein Einzelner, noch die Bevollmächtigten, nvchd'e, welche sonst thätigen Antheil ander Leitung des Ganzen nahmen, daß es ihre That sei; vielmehr sei es die That ves Weltgeistes, der sich mach, tig offenbaret in der Geschichte, wie der Wachsthum der Pflanze weder dem erquickenden Regen noch der belebenden Sonne, sondern