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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-04-26 · Heft 17 (26.4.1846) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 17 (26.4.1846)
Date
1846-04-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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134 faßt von hoher Zweckmäßigkeit. Sie hat es anerkannt, daß rin Theil des Gottesoienstcs in deutscher Sprache abgehalten werde, daß die Stellen in den Gebeten, welche die Rückkehr nach Palästina erflehen und die Wiedereinführung des Opferdienstes wünschen, ausfallcn sollen, daß das Stück, welches aus der Thorah vorgelesen wird, von geringerem Umfange sei durch die Emfüh. rung eines dreijährigen Cpklus, daß diese Stelle auch ins Deutsche übersetzt, daß der Propheten - Abschnitt blos deutsch vorgctragen werde, daß Orgelbegleitung bei den Gesängen höchst wünschenswertfei. Noch nicht eine einzige dieser Bestimmungen ist bei uns ausgeführt worden, mit Ausnahme des Wegfalls der Opfergebete, und dies nur aus dem Grunde, weil die Gemeindeglieder selbst ein beharrliches Stillschweigen darüber beobachten. Dieselbe Versammlung hat die Unzweckmäßigkeit, den Mangel an religiöser Begründung der bisherigen Bestimmungen über die sogenannten ritualen Gemeinvebäder ausgesprochen, die Gemeinden haben davon keine Notiz genommen. Wie soll demnach das rcformatorische Bestreben der Rabbiner von gedeihlichem Erfolge sein, woher sollen sie die Kraft schöpfen, in ihrem heilsamen Verfahren fortzusckreiten? Es muffen sich um sie die Männer aus dem Volke schaarcn, sich vereinigen, um solche zweckmäßige Bestimmungen in's kleben dringen zu lassen. Freilich können die Rabbiner auch noch aus andern Gründen nicht allen Bedürfnissen zuvorkommcn; diese müssen sich erst selbst bestimmt geltend machen. Die Religion ist nicht blos die Sache des Gelehrten, des Führers und Lehrers der Gemeinde, sie ist die Sache eines jeden Einzelnen, und naincntlich im Judenthum gibt es keinen Unterschied zwischen Laien und Priestern. Es müssen also auch dir Nicht - Rabbiner über ihre Ueberzeugungen und Bedürfnisse sich klar zu machen suchen und sie aussprechen. Das ist cs. was wir in der Resormgenossenschast zu Berlin als ein schönes Zeichen unserer Zeit begrüßen. Diese hat allerdings bis jetzt keine festen Grundsätze ausgesprochen, sie hat bloS das Bevürfniß einer entschieduern Reform, als sie bisher sich gezeigt hat, kundgegeben. sie hat vorläufig kür ihre Mitglieder einen Gottesdienst eingerichtet, der seine erbauliche Wirkung bereits bewährt hat, sie hat die Bestimmung getroffen, daß neben dem Eonnabendgottesdicnstc au.b cm Sonntagsgottesdienst eingrführt werde, und hat endlich auf ven 14. und 15. April e. Berathungcn anzcsetzt mit sämmtlichrn Freunden der Reform tut Judenthum. Wir sehen hierin ein Beispiel, das von uns Nachahmung verdient. Eine Verständigung über mehrere Punkte, welche bei jenen Berathungcn vorkoinmcn. ist gewiß auch für uns von großem Werthe, und so wollen wir uns das Mittel nicht entgehen lassen, durch gegensei. tige Besprechung auch unsere Ueberzeugungen zu kräftigen und zu berichtigen. Nur durch ein solches Zusammenwirken von Rabbinern und Gcmeindeglicdern läßt sich hoffen, daß das Judenthum wieder zu einer lebendig wirkenden religiösen Macht werde; das lautere Judenthum bedarf wahrlich keiner Reform, aber das bestehende mit seinen Jahrhunderte lang aufgehäuften Mißbräuchen bedarf einer solchen dringend, und soll sie ausgeführt werden, so muß von allen Seiten daran gearbeitet werden. Dazu unsererseits nach Kräften beizutragen, muß unser Zweck sein; als Männer aus dem Volke, als schlichte, aber ernstgesinnte Bekenner des Judenthums wenden wir uns an euch, Mitbürger und Glaubensbrüder. Vereiuigen wir uns zu einer Gesammtheit, welche die Reform zu fördern bezweckt, und sich mit allen denjenigen in engem Zusammenhänge erhält, welche den gleichen Zweck verfolgen. Die Zeit ist da, laßt sie nicht vorübergehen; es handelt sich um unser und unterer Kinder Heil! Seht nicht auf diejenigen, welche euch zurufen, sondern merket auf den Ruf selbst; wir sind jeden Augenblick bereit, bessern Händen die Leitung zu übergeben. Wo das Zeitbedürfniß so laut mahnt, da kommt es jedoch weniger auf den an, welcher ihm das Wort verleiht, sondern daß es ausgesprochen werde, und der Segen des Gottes der Wahrheit wird ihm nicht entgehen. Breslau, den 30. März 1846. Pas vorläuflge Comitee der Breslauer Genossenschaft für Urform im Iudenthum." Diese neue Reformbewegung nimmt hier einen erfreulichen Fortgang, und in der gestern stattgefundenen zweiten Versammlung der Reformfreunde stieg die Zahl der Unterschriften auf 110. In derselben Versammlung ist auch beschlossen worden, daß die hiesige Genossenschaft ihren vorläufigen Anschluß an die Berliner Genossenschaft dieser erklären und auch einen Deputirten zu den Berathungen abordnen soll, welche am 14. — 16. d. in Berlin werden gepflogen werden. Die Wahl des Deputirten wurde dem provisorischen Comitee übertragen. Zugleich wurde der fast einstimmige Beschluß gefaßt, einen Sonntagsgottesdienst einzurichten. Zu einer länger» Debatte führte der Antrag, daß die Versammlung das Comitee beauftragen möge, sich beim Synagogenvorstande dahin zu verwenden, daß sobald als möglich wenigstens die von der Rabbinerversammlung gebilligten Cultusre. formen eingeführt werden. Viele hegten die Befürchtung, zu welcher auch der ganze Ton des hier beiliegenden Aufrufs Anlaß gegeben, daß die Genossenschaft dadurch der Rabbinerversannnlung eine Autorität und gewissermaßen eine Vormundschaft einräumen würde, welche im Allgemeinen wohl wünschenswert-, für die

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