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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-04-26 · Heft 17 (26.4.1846) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 17 (26.4.1846)
Date
1846-04-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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133 dem ihren zu befreien. So wußte man sich bei uns in der Zopfzeit zu helfen, und Engländer sollten in dieser Dampfzeit, zeloti. scher Anmaßung und Kopflosigkeit nichts entgegenzusetzen wissen als eine breite Ansprache? Das aber ist's gerade; die Beschwerdeführer müssen damit anfangen einzusehen, daß sie Engländer find, welche sich zum jüdischen Glauben bekennen, und nicht Zuden, die in England wohnen, und wenn Hr. Adler ein- und absichtslos sie, wie der Schluß ihrer Ansprache vermuthen läßt, zu dieser Erkenntniß gebracht hat, so sind sie ihm als Förderer ihrer inner« Emaneipation genau genommen eben so sehr zu Dank verpflichtet, als dem Ministerium Peel, dem selbstbewußten Förderer ihrer äußern Emaneipation. Gewiß, Hr. Dr. Adler hat sich in seinem neuen Wirkungskreise bereits so verdient gemacht, daß ihm billig als mouumeotum uere pereuuiu-r eine Orangen- Pyramide ans Dukesplace zu London errichtet werden sollte, mit der Zuschrift: Dem Verdienste seine — Orangen! Reformbewegungen in Breslau. (Breslau, im April.) — Sie haben bereits gemeldet, daß Geiger durch eine Deputation der Berliner Neformgenossenschaft zum Geistlichen derselben berufen worden, den Ruf jedoch noch nicht angenommen habe, indem er erst versuchen wollte, ob er nicht feine bisherige Gemeinde zu einer entschiedenen Reform werke bewegen können. Dieses ist nun auch von ihm in einem energischen | Schreiben an das Obervorsteher-Collegium geschehen, welches nach allen Seiten große Sensation machte, und dessen nächste Folge di: Bildung einer Neformgenossenschaft war, welche nachstehenden Aufruf ergehen ließ: „Ein Jahrhundert ist verflossen, seitdem der große Mendelssohn die Fackel des Geistes unter uns und für uns anzündete, ein großes Jahrhundert mit den mächtigsten Bewegungen und Umgestaltungen. Auch die äußern und innern Verhältnisse der Juden sind nicht davon unberührt geblieben. Unsere Stellung im Staate ist eine andere geworden, wir nähern uns ver Zeit immer mehr, in welcher wir als vollberechtigte Bürger in dem deutschen Vaterlande anerkannt werden; die Ansichten der überwiegend großen Mehrzahl haben sich sehr geändert, und ihr Leben gibt dafür die deutlichsten Zeugnisse. Dennoch haben alle diejenigen Gebräuche und Satzungen, welche von den Meisten nicht mehr beachtet werden, noch scheinbar religiöse Geltung, sie werden noch immer als streng zum Judenthume gehörend aufgestellt, wenn auch von Tag zu Tage die Anzahl derer sich mindert, welche sich von ihnen binden lassen, und ihr Unwerth längst erkannt ist; für die religiösen Bedürfnisse des gegenwärtigen Geschlechts geschieht nicht genügend, weil man Vorschriften dabei zu Rathe zieht, welche unter ganz andern Umständen entstanden, für die Gegenwart nicht mehr fruchtbringend sein können. Man hat früher, wenn man über einen solchen Zustand sich beklagen mußte, die Schuld den Rabbinern, den geistlichen Führern der Gemeinde zugcschrieben; diese waren es auch, welche jedem Vorschläge, unsere religiösen Institutionen im Einklänge mit der ganzen Bildung der Zeit frisch zu beleben, ihren hartnäckigen Widerspruch entgegensetzten, und dadurch einen Jnvisserentismus erzeugten, der, höchst beklagenswerth, nicht blos das Werthlose abwarf, sondern auch alle bessern religiösen Gefühle ersticken mußte. Dieses Verhältnis ist, Gottlob, ein anderes geworden. Wir zählen jetzt in den Gemeinden Deutschlands viele Rabbiner, welche das Nebel, an welchem wir kranken, erkennen unv thaikräftig demselben Abhülfe verschaffen wollen. Allein ihre Stellung muß eine schwankende bleiben, so lange nicht die Männer aus dem Volke ihren Bestrebungen einen entschiedenen Nachdruck geben, nicht selbst laut ihre Bedürfnisse und Ueberzeugungen aussprechen. nicht in compacter Einheit Zeugniß ablegen für ihr ernstes Verlangen nach einer entschiedenen Reform, welche dcr gegenwärtigen Verwirrung abzuhelfen geeignet ist. Man hat deshalb bei den Reformen, welche die Rabbiner versucht haben, denselben vorgeworfen, sie verletzten damit die religiösen Gefühle des Volkes, das tbeilnahmslos, ja mit Widerspruch drew Versuche ausnehme. Daher sind auch die reformatorischen Bestimmungen, welche von den Versammlungen deutscher Rabbiner gemacht wurden, meistens und fast aller Orten nicht in das Leben getreten, unv diese Männer selbst müßten entmuthigt werden, wenn nicht ihre Ueberzeugung mächtiger wäre, als die ihnen entgegenstehenden Hindernisse. So hat z. B. die erste Versammlung den Ausspruch gethan, daß der Eid, nach den religiösen Grundsätzen der Juden, in einer einfachen Betheurung bei Gott bestehe, die Wahrheit zu sagen, ohne daß weitere Formen dabei anzuwenden seien. Welche Gemeinde Preußens hat jedoch Schritte gethan, um von der hohen Staatsbehörde zu bewirken, daß die mittelalterlichen Formen bei dem Eide abgeschafft werden? Roch bestehen hiebei für den Juden Ausnahmsgesetze, die auf Unkenntniß des Jndenthums beruhen; ein sogenannter jüdischer Gelehrter muß ermahnen, der Schwörende muß Thefillin, die er vielleicht gar nicht kennt, in die Hand nehmen, und auch in dem Eide Dinge aussprechen, welche seine Glaubwürdigkeit verdächtig machen. Die zweite Versammlung hat ausgesprochen, daß ein Gottesdienst in ganz deutscher Sprache wohl gestattet ist, und selbst bei der Rücksicht, welche sie nehmen zu müssen glaubte auf einen Theil der Gemeinden, welcher in dem hebräischen Gottesdienste eine größere Anregung zu finden vermeint, hat sie doch über den Gottesdienst Beschlüsse ge-

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