Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1846)
- Date
- 1846-04-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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m Wir unsrerseits tragen nicht das geringste Bedenken offen zu sagen, daß sich mehrere (Gott sei Dank, nicht viele) solcheZrrtbümeraus der talmudischen Scholastik erzeugt haben, und eben so wenig, dieselben in so weit nachzuweisen, als dadurch wohl eine ruhige, verständige Würdigung der Frage herbeigeführt werden dürfte. Wir beabsichtigen hiemit weder einen vielen Streitern willkommenen Zankapfel hinauszuwerfen, noch wohl gar feindlichen Ansallen Zugänge zu eröffnen. Friedliche Besprechung und leidenschaftslose Beleuchtung werden schon zum Ziele führen. Die Wahrheit aber fordert ihr Recht und es muß ihr werden. Frankfurt a. M., im März *846. vr. I. M. Zost. Geschichte des Tages. vr. Hirschfeld nnd vr. Adler. / (Frankfurt a. M., im April.) — Sie glauben nicht, welchen angenehmen Eindruck auf uns die ersten Hefte der Frankelschen Zeitschrift dieses Jahrgangs gemacht haben, und sind noch weniger im Stande, davon die Ursache zu errathen. Diese Hefte führten uns Jugenderinnerungen und Jugendeindrücke zurück, die wir für immer erloschen geglaubt. „Elise, Weib, wie es sein sollte", wie entzückte uns dein tugendsamer, musterhafter Lebenslauf, wie konnten wir uns an deinen als Titelkupfer ihm beigegebenen, etwas gewöhnlichen Gesichtszügen nicht satt sehen! Und „Robert, Mann, wie er sein sollte", wer weis mehr von dir? Ach, es hat nun „Robert der Teufel" deine Stelle eingenommen! Eine arge Zeit, die sich nur um das: wie es ist, und nicht um das: wie es sein sollte, kümmert, und wovon eine Ausnahme, eine Rückkehr zum Bessern in jenen Heften zu finden, uns so sehr freute und in unsere Kindheit zurückversetzte. Sie brachten: „Die Rabbiner-Versammlung, wie sie sein sollte", von vr. Hirschfcld, Rabbiner. Wie in so vielen andern hatte der weise König auch darin Recht: unter der Sonne nichts Neues, welchem ungefähr entspricht das modernere I«8 morts seuls ne reviennent pas der Franzosen, und im Judenthum das modernste Historisch - Positive die positive Historie des Hrn. Frankel, der das Glück oder Unglück hat, insofern von einer buntscheckigen jüdisch-theologischliterarisch-mikrologischen Gauklerbande als geistliches Oberhaupt anerkannt zu werden. Wenn wir auch den genannten Aufsatz als ein dahinein schlagendes Kunststück ansehen müssen, so haben wir doch durch denselben mit Vergnügen die Bekanntschaft des Verfassers , eines durchgebildeten, äußerst gescheivten und gewandten Rabbinen, gemacht, der sich nicht nur auf alle religiösen Standpunkte zu versetzen, sondern auch mit großer Geschicklichkeit und Behendigkeit vom einen zum andern zu bewegen, wre ein Eichhorn am Baume der Erkenntniß von Zweig zu Zweig zu klettern weiß, und mit dem wir in Hinblick auf die neuesten Begebnisse in London nur bedauern können, daß „die synagogalm Zustände in der Gegenwart großentheils der Art sind, daß sich jeder Hinzudrän, gen kann, und der Unberufene oft dem Tüchtige« den Rang abläuft", da. wenn seine Candivatur die Unterstützung, daher auch den Erfolg, wie die des Hrn. vr. Adler, daselbst gehabt hätte, der Chief-Rabbi den religiösen Standpunkt des Sir Moses Montefiore, wie den des Sir Isaak Lyon Goldsmid, cinzunehmen gleich geeignet gewesen sein, und beide zufrieden zu stellen gewußt haben würde. — Bei dieser Veranlassung können wir nicht umhin, unsre Verwunderung über die „Ansprache der Burton- Street-Synagogen-Gemeinde" in London (Nr. 14 u. 15) auszusprechen. Zu einer solchen wäre unsres Dafürhaltens Grund vorhanden gewesen, wenn dort die Ehen unter Juden nur dann gesetzlich anerkannt würden, wenn die Trauung von dem Chief-Rabbi oder einem Delegirten desselben verrichtet wird. Dies scheint jedoch nicht der Fall, und solche gleich gut vom Prediger der erwähnten Gemeinde vollzogen werden zu können, deren Mitglieder daher nur unter sich zu bestimmen brauchten, daß sie sich und ihre Angehörigen weder von Hrn. Adler, noch von Hrn. Meldola, noch von Delegirten deiselben, überhaupt nur von ihrem Prediger trauen lassen, wogegen auch aus allgemein jüdisch-religiösem Standpunkte nichts zu erinnern ist, da jeder großjährige Jude Trauungen vornehmen darf. Sie mußten zugleich jede Beisteuer zu den andern Gemeinden verweigern. Was aber den Cherem (Bann) betrifft, so ist es freilich am besten, eine solche Albernheit zu ig» noriren, welche im Leben alle Bedeutung verloren hat. Kann oder will man das aber nicht, so befolge man die biblische Vorschrift: pp nnn pp, Aug um Auge und setze dem Cherem einen Cherem entgegen. Als vor länger denn einem halben Jahrhundert die Haarzöpfe Mode wurden und auch bei der hiesigen jüdischen Gemeinde Eingang fanden, that ein zu jener Zeit dahier lebender Chasiv die jüdischen Zopfträger in Cherem. Diese aber nahmen das nicht so hin, vereinigten sich in der gesetzlichen Anzahl von Zehn zu einem Minian, und sprachen förmlich den Cherem gegen jenen Chasiv aus, welchem Banne durch einige Schofcrstöße noch größerer Nachdruck gegeben ward. Das wirkte, und der unglückliche, mit den eignen Waffen geschlagene, im eigenen Netze gefangene Chasiv, war froh sich durch Aufhebung seines Cherems aus