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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-04-19 · Heft 16 (19.4.1846) · page 9

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 16 (19.4.1846)
Date
1846-04-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Literatur-Blatt zum Israeliten des 19. Jahrhunderts. Enthaltend: Abhandlungen, Aufsätze, Recenfionen, literarische Aphorismen rc. rc. für die gesammte höhere Wissenschaft des Judenthums, und unter Mitwirkung von Geiger, Holdheim, S. Hirsch, Jost, Rießer, Herzfeld, Wechsler, Maier, Rebenstein, Stern, Dukes, Adler und vieler, anderer Gelehrten redigirt und herausgegeben von vr. M. Heß, Großherzogl. Weimarschem Land-Rabbinen in Eisenach. Nr. 16, Sonntag den IO. April 1846. i. Jahrgang. Plank, über den Ursprung des MosaiSmus, und Mund, der heilige Geist und der Zeitgeist, besprochen vom Land-Rabbinen P. Wechsler in Oldenburg. Die Art und Weise, wie christliche Theologen und Philosophen das Judenthum sowohl nach seinem Ursprünge und'seinem geschichtlichen Verlaufe, als auch in seiner gegenwärtigen Entwicklungsphase bettachten, kann uns bei aller Differenz der Standpunkte nicht gleichgültig sein. Betrachten sie auch häufig das Judenthum als etwas Antiquirtes und der Vergangenheit Angehöriges, sprechen fie ihm auch oft das Recht und die pulfirende Kraft ' deS Fortbestehens ab, so wird doch ihre Aufmerksamkeit nicht sel- . ten angezogen von dem Jmponirenden, Gewaltigen, das in seiner ' Idee und in seiner Geschichte liegt und das fich nirgends ganz verkennen läßt und zwingt ihnen Zugeständnisse ab, die für uns nm so größern Werth haben, je gemessener fie find, und je weniger dagegen der Borwurf der Einseitigkeit und der Befangenheit des wissenschaftlichen Urtheils aufkommen kann. Solche Urtheile und Zugeständnisse bleiben dann freilich selten ohne Limitation, ohne ein mißliebiges, verkümmerndes Aber. Mag man fich auch . noch so sehr der wissenschaftlichen Unparteilichkeit rühmen , die religiöse Verschiedenheit schlüpft doch zu einer Hinterthür wiederherein und trübt den fteien Blick, und so find wir es schon seit einigen Decennien gewohnt, selbst im Lager des deutschen Liberalismus und Radikalismus den Borwurf der Abgeschlossenheit, des Particularismus u. s. w. und zwar da am lautesten erschallen zu hören und dürfen wir uns nur an Rotteck, Paulus und Bruno Bauer erinnern, um keine zu großen Hoffnungen auf diese Seüe zu setzen. Und daß die christliche Orthodoxie, und daß die Männer des christlichen Staates noch viel weniger Lust und Neigung haben, Las Jndenthum nach feiner wahren, höhern Bedeutung zu würdigen, ihm und seinen Bekennem gerecht zu sein, ist eine alte, bekannte Sache, der es leider auch an neuen Beispielen und Thatsachen nicht fehlet. Wissen wir daher die Aussprüche, die wir von nichtjüdischrr Seite her über unser RrligionslebeN, feine Urkunden und deren Berständniß vernehmen und mit Borficht benützen und anwenden, so dürfen wir fie dach keineswegs ignoriren, so sollen wir doch Notiz von ihnen nehmen,-und wäre es auch nur darum, daß wir dadurch erfahren, woher devAngriff kömmt, wo wir Rrve und Antwort zu geben haben. Manchmal jedoch reicht die Belehrung weiter, ist fie uns eine gewichtige Stimme in Untersuchungen und Zeitfragen. die auf unsere gegenwärtigen Zerwürfnisse, und Resormangelegenheiten entscheidenden Einfluß haben. Die Fragen über Trennung des Politischen und Religiösen im Judenthum, über die Bedeutung der Beschneidung, über die Sabbathfeier,' über die bindende Kraft des Ceremonialgesetzes, wo fie von einem nichtjüdischen Gelehrten mit Ruhe und Klarheit behandelt find, da halte ich es für unsere Pflicht, aufzuhorchen und uns selbst von der rauhen Schale einer fremden Terminologie nicht abschrecken zu lassen. "Das ist nun besonders der Fall mit der ersten hier anzuzeigenden Abhandlung, nämlich: 1) Plank, über den Ursprung des MosaismuS, in den theologischen Jahrbüchern der Gegenwatt von Zeller, 3tes Heft, 1845. Schon der Umstand, daß Plank den Ausgang seiner Untersuchung nimmt von dem Widerspruch, der im Judenthum fich findet, daß er einerseits das sogenannte Nationale und Partikuläre im Volksbewußtsein der alten Juden ebenfalls als vorherrschend vor. findet, andererseits aber die geistige und universelle GotteSanfchauung — die universelle jedoch erst in der nachmosaischen, prophetischen Periode — derselben anerkennt und diesen Konflikt zwar nicht zu lösen sucht — er ist ihm unlösbar —; aber wohl historisch und philosophisch, und zwar mit einem Aufwande von des Gegenstandes vollem Ernste und vergleichender Forschung erklären

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