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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-04-19 · Heft 16 (19.4.1846) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 16 (19.4.1846)
Date
1846-04-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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ISS / Briefe vom schlefischeu Odergebiete. (Fortsetzung.) IV. Sie waren so gütig und haben jenes Manifest der 77 oder 116 des verlassenen unglücklichen Zionswächter, in Ihrem geschätzten Israeliten (Nr. 13 d. I.) ausgenommen. Sie haben dadurch Ihren Lesern eine recht wehmüthige Freude bereitet. Ja! wehmüthig, so komisch auch dies klingt, war jene Freude. Denn wo das Licht mit der Finsterniß, wo die Kraft mit der Ohnmacht kämpft, da fteut sich natürlich der Zuschauer schon im Voraus des Lichtes und des Kraft, empfindet aber zugleich eine gewisse Wehmuth über das Unverhältniß der kämpfenden Kräfte. Freilich wird dasselbe gemildert, erwägt man die Juden en masse in Polen, Ungarn und Deutschland, die sogenannte vox populi, und wir Juden wissen gewiß, daß sie nicht ist vox <tel, die Basis auf die jene Zeloten fußen, allein wer überlegt in der Hitze des Kampfes? Man muß, wie Referent, durch Geschäftsreisen Gelegenheit haben, jene Männer durch Anschauung und langweilige Unterhaltung zu kennen, dann kann man sich einen richtigen Begriff von ihrer Befugniß, ihrer Fähigkeit, der hochwürdigen Rabbinerversammlung gegenüber, die mit ihrem umfangreichen theologischen Wissen, von dem diese Leutchen keine Ahnung haben, klassische Bildung vereint, als Glaubensvertheiviger aufzutreten. Ich will hier keine cdroniea seanckalosa dieser Herren sich nennender Rabbiner liefern, sondern nur andeuten, daß diese Herren sammt und sonders, außer dem bischen Talmud, dem sie in ihrer Unwissenheit noch immer mit dem Rambam in Einklang zu bringen, als ihre wichtigste Lebensaufgabe erachten — und den sie natürlich höchst deschränkt und einseitig auffassen — von Nichts, ja nicht einmal von der Bibel Kenntniß haben. Viele dieser Herren suchen Bibel- Verse etwa nicht in der Bibel, sondern schiffen im Talmudmeer umher, und finden endlich nach österm Schiffbruche einen Passuk in Baba Kama. Welcher Täufling, zu denen doch in gewissen Fällen die Zeloten ihre Zuflucht nehmen (wie weiland in Breslau) ihnen das Manifest auch ausgearbeitet haben mag? Trotz seiner salbadernden Erbärmlichkeit möchte ich fast behaupten, daß es aus keiner Feder dieser Herren floß, gewiß aber nicht aus der eines ungarischen oder polnischen Rabbis. Dieser schafsartige Hirtenbrief war eine tragikomische Folge der ersten R.-V., der sie natürlich wenig beeinträchtigte. Im Gegentheil stellte sich die hohe Bedeutsamkeit der R.-V. durch die salomonischen und meierschen Broschüren dargethan, immer mehr heraus. Es war vorauszusehen, daß sie bei dem Briefe nicht bleiben werden, zumal die R--V. mit Energie und Besonnenheit (abgerechnet der der Scharmützel gekränkter Eitelkeit) das vorgesteckte Ziel verfolgte und so die zweite R.-B. zu Stande brachte. Und richtig, durch die unermüdliche Thätigkeit unsers Nasfi, des Stolzes Israels, unsers Rabbi Zebi Hirsch Lehren, erschien ein förmlicher Briefsteller unförmlicher Briefe, genannt mm. Ich will zwar nicht in Abrede stellen, daß diese Herren eines Briefstellers bedürfen; wohl aber, daß dieser durchaus zur Läuterung ihres Geschmackes sich nicht eignet. Auch will ich dieses klassische Werk unberücksichtigt lassen, nur beiläufig erwähnen, daß diese frommen Hirten sich im Fluchen gegenseitig überbieten, ferner, daß dies Pamphlet selten ist, und nur Leuten ihre Farbe, zu denen ich nicht gehöre, Übermacht wird. Zufällig sah ich eS in den Händen eines Zeloten, der mir aber zumuthete: vor dem Lesen dieser Schimpfepistel mich tobel zu sein; was ich natürlich dieser sauberen Lectüre wegen nicht thun mochte. Ohne Tbilo habe ich es aber doch durchgcstöbert und kann dadurch, wie auch durch die auszügliche Mittheilung des □mnx Dnm (Breslau bei Sulzbach) das würdig ist, diesem Briefsteller angereiht zu werden, und auch sollte, unsers Rabbi Isroel Deutsch, Ihren geehrten Lesern, nicht nur ein treues Bild, sondern ziemlich eine richtige Mittheilung des Ganzen liefern. Nur weil letzteres ein Product unseres schlesischen Nestor-Rabbiners ist, demnach in den Kreis meiner Aufgabe gehört, will ich es hier ausdrücklich folgen lassen, sonst ist es gewiß nicht minder wie der ganze Briefsteller keiner Beachtung würdig. Literarische Notiz. Empfehlen können wir das bei Marr in London erschienene hebräische Sprachbuch von Nosenfelv, nebst der Anleitung dazu; ungleichen die in demselben Verlage erschienene Biblia bebraica CfJ'n.) Literarische Anzeige. So eben ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu haben: Die isrrrel. Bibel mit Nebersehung und Erklärung : III. Band. Letzte Propheten Omnx Dwsi) herausgegeben von Dr. Herxheimer. Berlin. Lewent's Verlagshandlung. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Krähe & May in Offenbach.

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