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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-04-19 · Heft 16 (19.4.1846) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 16 (19.4.1846)
Date
1846-04-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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isr »ersten Gedanken» und sogar ein ernstes und scharfes Unheil über das eigene Selbst; damals Stumpfsinn, jetzt Leben und Regsamkeit, damals Unwissenheit, jetzt Tuchtigkeit und Kenntniß, damals Trägheit und Verwahrlosung, jetzt rüstige Arbeit und kräftigls Fvrtschrciten; die Intelligenz ausserhalb meist geschäftig, damals um die Grunde der Ausschließungen zu befestigen und den Zustand des Jammers zu verewigen, jetzt aufrichtig bemüht, die Hemmnisse zu beseitigen, und einer besseren Zukunft den Weg zu bahnen; damals die Volksmeinung feindselig und widerwärtig, jetzt aufrichtige Bruderliebe immer stärker wurzelnd; oft dieselben Vertreter des GesamMturtbeils aus Feinden zu Freunden geworden;-- solche Gegensätze beurkunden eine tiefer greiieude Wirksamkeit aller Lebenssäfte und ein regeres Treiben aller Elemente, als der umsichtigste Geschichtsschreiber voddie Augen zu stellen vermag". Bei dieser trefflichen Schilderung sind zwar, da die Cult Urgeschichte erst später in einer gesonderten Abtdeilung des Werkes behandelt wird, hauptsächlich nur die in unserer bürgerlichen Stellung eingetreteucn Veränderungen berücksichtigt; aber cs zeigt sich dadurch desto unwidersprechlicher, daß die im Innern berschenden Bestrebungen der Gegenwart eine notbwendige Folge unserer veränderten Stellung nach Außen sind. Der Gang unserer Geschichte ist ein nothwendiger, und es wäre eben so tlwricht als vermessen, ihn hemmen zu wollen. Wir sind aus der früheren Abgeschlossenheit in's sociale Leben übergetreten, und dieses wirkt mit unwiderstehlicher Macht auf die Umgesraltung im Innern. Indem wir diese, den Anforderungen der Gegenwart gemäß, zu bewirken streben, stellen wir die wahrhafte Vereinigung derselben mit der Vergangenheit her. Wir haben dieses Resultat unserer neuern Geschichte hier nur im Allgemeinen berührt, weil, wie wir bereits bemerkt haben, das genannte Werk erst in der später erscheinenden Abtheilung die Geschichte der inner« Veränderungen behandelt. In einem zweiten 'Artikel werden wir nun, dem Gange nnsers Verfassers folgend, einen Blick auf die äußere Geschichte der Israeliten während der letzten 30 Jahre in Deutschland werfen, um den Leser auf den uns bereits vorliegenden reichen und anziehenden Inhalt dieses Werkes aufmersam zu machen. F ran für t a/M., im März 1846. vr. Jakob Auerbach. Geschichte des Tages. Wissenschaft und Leben. / (Frankfurt a. M., im Mär;.) — Welcher Einfluß ist der Vergangenheit bei Gestaltung der Gegenwart einzuräumcn? Wiewohl viese Frage vom allgemeinsten Interesse ist, und gewisser, maßen das ganze gebildete Europa, in Staat und Kwche, in Kunst und Wissenschaft, praktisch und theoretisch, polimch und social, ssch an deren Losung bctheiligt und abarbeitet, so können wir es roch nur als unsere und dieser Blätter Aufgabe betrachten, sie in Beziehung zu dem jüdischen Glauben zu erörtern. Hier siebt nun so viel fest, daß sie allein innerhalb der Reformvartei aufgeworfen und behandelt werden kann, indem die orthodoxe Unterstellung der Unantastbarkeit des Bestehenden als geschriebenen oeer überlieferten Ausfluß göttlicher Befehle und Verheißungen sie von vornen herein als ketzerisch und sündhaft abwcist. Insofern ist «s ganz gleich, wie man sie beantwortet und zu welchem Resirlrate man gelangt, ob man der Gegenwart größere orer geringere Abändcrungsbefugniffe, oder solche überhaupt gar einräumt, werl die Gründe dafür nicht aus dem Glauben, sondern aus der Wissenschaft geschöpft werden. Die auffallende Erscheinung, daß die neuesten Resormbestrebungen im Zudenthum mit nicht geringerer Heftigkeit in wissenschaftlichem als in gläubigem Dünkel angesochten worden, das betrübende Schauspiel, daß Gleich, gesinnte und Kampfgenossen sich befehden, ist allein der unrichtigen Auffassung und nicht gehörigen Würdigung dieses Verhältnisses beizuinesscn. Zeve Vergangenheit war Zukunft und Gegenwart, jede Zukunft wirr Gegenwart und Vergangenheit, und jede Ge. genwart war Zukunft und wird Vergangenheit; sie bilden gemein, sam, waö wir Zeit nennen, und stehen in unauflösbarem Zufam. menhange; die Länge oder Kürze thut vabei nichts, und insm'ern sind Zahrtausende Stunden gleich. Aus diesem Zusammenhänge folgt mit Nothwendigke t ein Einfluß der Boraus die Nachzcrt, welche sich auch wie Ursache und Wirkung, wie Saamen und Frucht zusammen verhalten. Ein anderes ist aber dcr Einfluß und ein anderes die Verpflichtung, man kann bei Gestaltung der Gegenwart der Vergangenheit jenen einräumen, ohne ihr diese zuzugestehen. Man nehme den Talmud. Wer vom Zudenthum und seiner Geschichte auch nur eine oberflächliche Kennnnö hat. wird zugeben, daß er auf solches vom größten Einflüsse gewesen und nicht ignorirt werden kann. Sind aber dessen Bor. schriften darum für unS verpflichtend, weil nur aus ihnen das heutige Zudenthum richtig begriffen werden kann? Man nehme

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