Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1846)
- Date
- 1846-04-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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115 Seelen derer belebt, welche sich innerkalb der keiligen Mauern unserer Synagoge versammeln? Urcheilt selbst, alle die ikr das Judentkum bezweifelt, welches von der West- London-Synagoge beobachtet wird! Urtkeilt selbst und gebet nicht dem gegenwärtigen Jahrkundert und England das betrübende, das fast unglaubliche Schauspiel, wie eine umfangreiche Gemeinde sich zurückschrecken laßt von Ausübung der Duldung gegen ikre Brüder und dies durch eine Bannbulle, die einige Fanatiker erpreßt Kaben von der Schwachheit des seligen Obcrrabbiners in den letzten Tagen seines schwankenden Daseins, als er an Leib wie an Seele viel geplagt wurde von langwierigen Leiden und der Bürde des Alters! Urtheilt selbst, wie andere gethan haben, seit Bekanntmachung dieser „Warnung" oder „CKerem" genannt, und wie sie, werdet auch ihr unfehlbar den Geist erkennen und ikn gebührend charakterisiren, welcher „jedem, der sich einen Israeliten nennt" das Verbot dictirte, das Gebetbuch der West-Loudon-Gemcinde anzunekmen, oder in irgend einer Weise anznerkennen; ihr werdet dann wissen, was ihr von der „Erklärung" zu denken habt, welche uns als solche achtet, „denen keine Gemeinschaft gestattet werden kann mit Israeliten in irgend einem religiösen Brauche, oder einer heiligen Handlung." Brüder, wir erfüllten eine heilige Pflicht, indem wir euch aufrnfen, euer Mitgefühl für die uns bisher zugefügteu Verletzungen auszudrücken, durch euern einfachen Protest gegen jeden ferner» Eingriff in nufere Rechte, als Glieder einer jüdischen Gemeinde Großbritanniens. Wir ersuchen euch um eure Erklärung für Widerrufung des noch wirksamen Eherems (wie man ikn erst neulich geltend machte), der nur wegen der Aufklärung des Zeitalters und Volkes, in und unter welchem wir so glücklich sind gebo^bn zu sein, nicht beladen werden konnte mit Kochst unseligen Folgen für unser gemeinsames WoKl, welcher jedoch, wie es wirklich der Fall ist, wesentlich dazu dient, den schönen Namen der Gemeinde Israels in der Achtung bei der Welt hcrabzusetzen. Zu diesem Schritte sind wir nicht bewogen durch etwaige beschränkte Rücksicht für unsre persönlichen und unmittelbaren Interessen: diese, wie ihr wobl wisset, sind gesichert durch die geltenden Gesetze dieses Landes, bekannt durch seine äußerste Gleichgültigkeit gegen allen Kirchenbann. Wir sind augetrieken durch die Sehnsucht, die Ehre des Stammes aufrecht zu halten, dem wir angeboren, und durch den Wunsch, Frieden und Einigkeit zu bewahren oder wicderhcrzustellen zwischen unsrer Gemeinde und dem allgemeinen Körper, mir welchem auf Unkosten jedes weltlichen Interesses wir leben wollten unter Bedingungen vollkvm« mcncr Eintracht. Keinesweges fleken wir eure Vermittlung für uns an als eine Handlung der Barmherzigkeit oder der Nachsicht; wir beanspruchen sie als eine Maßregel der Gerechtigkeit, die ihr euch selbst nicht minder schuldig seid, als uns. Wir erinnern euch an die Gefahr, mir welcher das gegebene Beispiel der Verfolgung gegen die Weft-London-Synagoge unsere allgemeinen Freiheiten atS Engländer bedroht, an den Unwillen, den wir alle laut ausdrückten, so oft einem unsrer Glaubensgenossen im Auslande von einem Despoten ein Test aufgebürder wurde, der mit der Glaubensfreiheit Israels nicht ubereinstimmte. Ja mehr, wir fragen euch, könnt ihr nach wie vor so dreist an eure Mitbürger Ansprüche machen auf Befreiung von gewaltlhätigen Versuchen gegen euer Gewissen, während ihr selbst Bestrebungen ähnlichen Eharakters unterstützt oder ruhig gestattet, die sich gegen eine Minderzahl eurer eignen Glaubensgenossen richten, gegen eure Brüder in Ansehung des Vaterlandes, der Abstammung und des Glaubens. Erinnert euch an die vielfachen Lehren, die uns die Geschichte von parrnsüchrigen Streitigkeiten darbietct; ruft euch ins Gedachtniß die unzähligen Beispiele, wo die Bemühungen der Unduldsamkeit mit strenger Vergeltung zuruckfielen auf die Unterdrücker selbst. An euch daher, Glaubensgenossen und Landsleute, richten wir unfern ernsten Anruf. Bei jedem Bande, wodurch ein Israelit dem Israeliten theuer sein kann, fordern wir euch auf, gegen diese Verletzung der Gewissensrechte nachdrücklich zu protestiren, und zu zeigen, daß ihr keine Theilnehmer seid an dem Werke der Verfolgung. Unsere Rechtssache ist nun vor euch; wir lassen sie in euren Händen, mit Vertrauen auf das Mitgefühl, das ihr uns zeigen werdet, und auf die feurige Liebe für religiöse Freiheit, welche, da ihr Engländer seid, euren Herzen inwohnen muß.