Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1846)
- Date
- 1846-04-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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114r hätten, der sich nnter seinen Amlsgcnoffen auszeichnetc durch den Ungestüm seiner Bigotterie, von einem solchen Manne könnte man etwa den Ausspruch erwarten: Wo mein Vorgänger ercommunieiric, will ich sein Ansehen aäuen; wo er blindlings für seinen Glauben eiferte, will ich seinen Schritten folgen; ich will aber nicht länger ibn als Autorität betrachten, ich will sein Ven'ahrcn behandeln als das Ergcbniß von Schwachbcit und Irnhum, wenn ich finde, daß er irgend ein Zeichen der Duldung vcrriclb, daß er es unterließ seine eigne Bannverküudiguugen anszuübcn mit derselben entschlossenen Bitterkeit, derselben nnabweichendcn Standhaftigkeit in der Verfolgung, die ich mich rübme zuerst einzufübren unter die Juden Britanniens. Allein Grundsätze wie diese wird der gegenwärtige Oberrabbincr gewiß nie eu,gestehen wollen; und wir sind daher in Verlegenheit, zu begreifen, wie er das Verfahren rechtfertigen will, das er begonnen hat. Nicht minder schwierig ist cs, einzuseben, wlc dies Verfahren mit dem Umstand znsammenstimmt, daß in den letztverfiossenen Monaten von den geistlichen Häuptern der portugiesischen Synagoge ein Hhebündniß vollzogen wurde zwischen einem Mitglied jener Synagoge und einer Dame, von der Wcst- London-Gcmeinde. Behauptet vr. Adler, daß dadurch die Gläubigen ungläubig geworden sind? Erklärter das Verfahren seiner Amtsbrüdcr für nicht rechtgläubig? Erklärt er, daß sie Unrecht hatten, die eben in Rede stehende Vermählung zu gestatten? Timt er das, was wird aus dem Wertbe geistlicher Autorität, auf die so viel Gewicht von denen gelegt wird, die unsre Schritte verdammen, wenn wir finden, daß die leitenden Häupter unter ihnen in einem so wichtigen Punkte so entgegengesetzte Ansichten verfolgen? Gewiß ist offenbar eine dringende Noihwendigkeit vorhanden, Urkunden zu widerrufen, in deren Auslegung die einen ihrer Verkünder nicht übereinstimmcn können mit dem Nachfolger eines andern; Urkunden, die, wie auch immer ausgelegt, durch die Unrichtigkeit ihrer Behauptungen und die Bitterkeit ihres Geistes jene Synagogen beschimpfen, von denen sie als Bestandtheil ihrer Gesetze behandelt werden; Urkunden endlich, die jede Spur der Eintracht unter den Befolgcrn derselben Religion ausbannen. Weder ihr, Brüder, noch der Oberrabbiner wird vergessen haben, wie die Regulirungen behufs seiner Wahl die vorkehrende Bemerkung enthielten, daß ihm nicht die Macht zustehen sollte, irgend eine neue Ercommunikation ergehen zu lassen — eine Vorkehrung, welche deutlich genug angab, daß die ihn wählenden Gemeinden die Anwendung wohl nicht billigten, die von der Rabbinergewalt gemacht worden war. Allein, da man fand, daß die veröffentlichten Urkunden, die wir so eben erörtern, nicht so viel Unheil angestiftet, wie man erwartet haben möchte, bestand man nicht besonders auf ihrer Widerrufung. Jetzt aber ist die Verhinderung neuer Ercommunikationcn nicht länger genügend, wenn ihr sehet, daß den bereits vorhandenen cuerOberrabbiner eine bindende und wirksame Kraft giebt und sie in einer Weise vollstreckt, die nicht anders zu rechtfertigen ist, als durch den Einwand, daß wir keine Juden sind. Brüder, wir fragen euch, ob ihr diese Ansicht theilt? Seid ihr zu erklären bereit, daß wir, die wir den mosaischen Gesetzen treu ergeben sind, die wir mit gewissenhafter Strenge beobachten das Bündniß Abrahams, die Verordnungen des Sabbaths und die der Festtage, wie sie die heilige Schrift gebietet, die wir uns einig den Vorschriften unsers heiligen Glaubens ergeben und darnach unser Leben einzurichten trachtet,— seid ibr also bereit, wegen geringerer Unterschiede uns außer dem Kreise des Jndcnthums zu erklären? Seid ihr bereit, die „Warnung" und „Erklärung" zu behaupten? Die Folgerungen anzuerkennen, die vr. Adler von ihnen herlcitet, und somit cs zu verweigern, unsre Söhne für eure Töchter zu nehmen und eure Töchter unfern Söhnen zu geben? Dahin, Brüder, muß es kommen, oder alle derartige Ebebündnisse müßten in unserer Gemeinde vollzogen werden, wenn man auf dem Wege des Obcrrabbincrs fortfakrt; denn seid versichert, daß in diesem Zeitalter,' wo das Parlament einen Test nach dem andern abgcschafft bat, kein Engländer von höherer Gesinnung es jemals dem Sohn oder der Tochter gestatten wird, und kein Jüngling oder Mädchen Englands von Gefühl oder Selbstachtung wird je einwilligen, sich einem neuen, von vr. Adler eingesetzten, Teste zu unterwerfen, und noch dazu einem Teste, der aus der Behauptung hervorgeht, daß wir nicht den Namen Israeliten verdienen. Wir bitten euch, Brüder, zu urtheilen, ob solch eine Behauptung richtig ist. Höret den Gottesdienst in unserem Bethause, die Belehrungen von unsrer Kanzel, und urtheilt selbst, ob Jsrael's oder ein fremder Glaube die