Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-04-05 · Heft 14 (5.4.1846) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 14 (5.4.1846)
Date
1846-04-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2566751-2567017-2567032--1965-2569824
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Literatur-Blatt )um Israeliten des 19. Jahrhunderts. Enthaltend: Abhandlungen, Aufsätze, Recenfionen, literarische Aphorismen rc. re. für die gesammte höhere Wissenschaft des Judenthums, und unter Mitwirkung von Geiger, Holdheim, S. Hirsch, Jost, Rießer, Herzfeld, Wechsler, Maier, Reben stein, Stern, Dukes, Adler und vieler anderer Gelehrten redigirt und herausgegeben von vr. M. Heß, Großherzogl. Weimarschem Land-Rabbinen in Eisenach. Nr. 14 Sonntag den 5. April 1846. I Jahrgang. Neeension von Rabbiner Dr. Geiger. Zur Geschichte und Literatur. Von vr. Zunz. Erster Band. Berlin, Veit. 1845. VIII u. 607 S. gr. 8. Zweiter Artike l.*) Die nachbiblische jüdische Literatur ist in ihrem Zusammen, hange noch sehr ungenügend bearbeitet, die Entwicklung des Geistes, die Erzeugung und Ausbildung der Gedanken, der Kampf der Richtungen, das geschichtliche Jneinandergreifen der einzelnen Zeiten, der Antrieb, welchen die eine von der andern erhielt,, der Stoff, welchen sie entweder weiter zu verarbeiten over bei', fortgeschrittener Bildung zu bewältigen und zu beseitigen hatte —jj alles dies ist noch keineswegs in voller Klarheit dargestellt, selbstf bei den bevorzugten Zeiten, auf welchen das Auge des jüdischen,' Geschichtforschers, des Freundes der jüd. Literatur gerne weilet;' eine abgerundete übersichtliche Anschauung der auseinander sich entwickelnden geistigen Zustände und hierdurch eine Erklärung der vielfachen Elemente in unserer Gegenwart, als der Erbstücke aus der langen Vergangenheit, die höchste That, das Endziel aller wahren Geschichtforschung, ist noch nicht vorhanden. Welch ein großes Bedürfniß sie ist, bedarf keines weitern Nachweises; nur nach einer klaren Erkenntniß des geschichtlichen Ganges, nach einer richtigen Auseinandersetzung des so verschiedenartigen Nachlasses kann die Gegenwart ihren Besitz wohlgeordnet antreten, erst dann wird sie sich in ihrem Eigenthum fühlen und dieses in rechter Weise verwalten. Allein die Schwierigkeiten find sehr groß, und es bedarf daher noch sehr vieler Vorarbeiten. Unsere ganze Geschichiforschung ist noch sehr jung, viele Zeiten sehr dunkel, Vieles, *) Der erste Artikel befindet sich in Nr. 1 und 2 dieser Blatter. Die Red. was rechte Aufklärung giebt, ist handschriftlich vergraben und ganz verloren, über Vieles, das seine Spuren in die späteren Zeiten tief cingegraben, find blos leise Andeutungen vorhanden, es muß erschlossen werden, gerade die Zeiten, in welchen weniger geschrie. den worden, prägten oft Gedanken aus, welche für kommende Geschlechter maßgebend wurden, und wir sehen Richtungen und Thatsachen vollkommen fertig vor uns, ohne daß wir sie an der Hand von Berichten bis zu ihrem ersten Ursprünge verfolgen könnten. Die erste Entstehung der talmudischen Erweiterung des biblischen Inhaltes, die Anfänge der eigenthümlichen Bibelerklärung verbergen sich im Dunkel; mit der Mischnah tritt die ganze Richtung schon vollendet hervor und wird Norm für alle künftige Geschlech. ter. Blos eine weisere Ausbildung findet sie in den unmittelbar folgenden Schulen Palästina's und Persiens, und die Gemara's legen vollständige Zeugnisse davon ab. Erst die neueste Zeit hat versucht, in dieses Dunkel Licht zu bringen und die geheimen Gänge zu erforschen, welche die Geschichte gewandelt; wie weit dieser Versuch noch von einer glücklichen LösOig entfernt ist, dies einDgestehen, bin ich vor Allen gerne bereit. Mit dem Abschlüsse der babylonischen Gemara find wieder dunkle Zeiten, die durch keine gleichzeitigen Dokumente aufgehellt werden, deren auf die folgenden einflußreiche Thätigkeit sich doch bald offenbart; Punktation und Accentuation erhalten in ihnen die volle Ausbildung, die Verbreitung und Befestigung der gemaristifchen Lebensanschauung und Bibelerklärung machen die freien beweglichen Erzeugnisse des Geistes zu einem unantastbaren festen Kern, aber auch eine Reaktion beginnt mit den Karäern, welche, von der unter den Arabern entstehenden Cultur angeregt, Philosophie und gesunde Bibeleregese anzubauen beginnen. Auch die erste Wirksamkeit der Karäer ist noch nicht genugsam erkannt; der spätere Haß der Rabbiniten hat ihre Werke in Vergessenheit gebracht, die Karäer selbst find zusammengeschrumpft und ihrer eignen Lite-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.