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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-04-05 · Heft 14 (5.4.1846) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 14 (5.4.1846)
Date
1846-04-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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106 achtung gegen den öffentlichen Gottesdienst Ln der Sy- > nagoge. Ein solches Gefühl der Nichtachtung aber bemächtigte sich offenbar in erschütterndem Maße der l Vorunbeilsfreicn in der Gemeinde, hauptsächlich in Folge der zablrcichcn Mängel in der veralteten Form des öffentlichen Gottesdienstes, sowie durch den schädlichen Einfluß, den auf das angeordnete Ritual jener trübselige Glückwechsel ausübte, welchen unsere Väter in den Jahrhunderten allgemeiner Geistesfinfterniß vielfach erfuhren. Es war unsere Ueberzeugung, daß die stets zunehmenden Umgriffe von Unglauben und Abtrünnigkeit unter den Juden Britanniens, so weit cs uns selbst betrifft, gehemmt werden könnten nur durch Aufnahme eines einfacher«, biblischen Gebetbuches, und durch Einj fubrung einer reincrn Art äußerer Andacht in der Syj nagoge. Trotz der Schwierigkeiten, mit denen wir auf j diesem Wege zu kämpfen batten, bar doch der kurze Zeitraum von vier Jahren genügt, um uns einen umfaffenden Beweis zu liefern für die Gründlichkeit unsres Untcrnebmcns, und uns in dem Entschluß zu stärken, von dem guten Werke, das wir begonnen, nicht abzulassen, es vielmehr aus allen Kräften aufrecht zu erbalten, zu verschönern und es zu bewahren unfern Nachkommen als ein heiliges Vermächtniß, und durch Gottes Segen, als ein erfreuliches Denkmal für all unsere Glaubensgenossen. Indem wir so keine andere Absicht hatten, als unfern öffentlichen Gottesdienst an Inhalt und Form zu verbessern, enthielten wir uns mit gewissenhafter Strenge jeder Abänderung, welche diesem unscrm heiligen Zwecke fremdartig war. Wir haben keinen Glaubenssatz angenommen, der nicht vom gesummten Israel anerkannt ist, noch haben wir die Befolgung irgend einer Lehre verweigert, bei welcher wir, als Israeliten, gehalten sind, zu fteben oder zu fallen. Es war einer unserer eifrigsten Wunsche, das Band brüderlicher Einigkeit ungeschwächt zn erhalten, welches so lange, selbst die Zeiten der schrecklichsten Verwirrungen hindurch, alle Zweige des Hauses Israel zusammengehalten hat, und wofür uns gebührende Bewunderung gezollt wurde von den Wohlgesinnten unter unfern nichtjüdischen Brüdern. Wir dürfen auch alle als Zeugen anrufen, nicht wir bezcichneten die Einrichtung der West-London-Synagoge als ein Bekenntniß abweichender Glaubensmeinung unter den Juden Englands; nicht wir setzten die Sturmglocke parteisüchtiger Zwiettacht in Bewegung; nicht wir haben der Welt eine abtrünnige Sekte zur Schau gestellt. Abtrünnigkeit, ob im religiösen, socialen, oder politischen Leben war, ist und wird immer unseren Gefühlen so fern und verhaßt sein, wie die Verstoßung der theuersten Güter unserer Seele. Die Vergangenheit, deren wir als Israeliten uns rühmen, gehört der Geschichte des gesammten Israels an. Unsere religiöse Gesinnung hegt für die Zukunft keine Hoffnung, an der nicht die Synagoge durch die ganze Welt gleichen Antheil nimmt; und so sehnsuchtsvoll wir auch streben für Verbesserung unserer jetzigen socialen und politischen Stellung, so wollten wir doch gern die schrecklichsten Verfolgungen mitdulden, sollte es dem Himmel gefallen, solche über uns alle zu verhängen; während wir alle erdenklichen Vorrechte zurückweisen würden, welche die Gemmmcheit unserer Brüder in diesem Lande etwa ausschließen möchten. Aber trotz der Reinheit unserer Beweggründe, trotz der unbedingten Nothwendigkeit, ernste Schritte zu thun, um die Herzen unsrer Kinder dem mosaischen Glauben treu zu erhalten, so begegnete man dennoch unfern rechtschaffenen Bemühungen von Anfang an mit dem Geiste der Lieblosigkeit und Verfolgung. Einige Monate vor Eröffnung unsrer Synagoge erschien der erste Band unsrer Gebete, umfassend die Liturgie für die Wochentage und Sabbathe. Kaum hatte cs den Druck verlassen, als der selige vr. Hirsche!, Oberrabiner der deutschen Juden, und Herr Mcldola, das Haupt des Betb-Dins der portugiesischen Synagoge, sich mit ihren Beisitzern vereinigten, gegen das Gebetbuch eine Urkunde bekannt zu machen, unter dem Namen einer „Warnung", die aber Ihrem Inhalte nach eine Bannbulle war, und welcher eine „Erklärung" von ähnlicher Bestrebung folgte. Vergebens hatten wir in der Vorrede zum Geberbuche gezeigt, daß dieses sich gründete auf das übliche Ritual der verschiedenen jüdischen Gemeinden; daß wir nichts ausgenommen hatten, das nicht in strengster Uebereinstimmnng mit dem Judcntbum wäre; und daß kein leitender Grundsatz des gemeinsamen jüdischen Glaubens ausgeschlossen war. Vergebens wiesen wir aufs gründlichste nach, daß das jüdische Ritual keinen Anspruch hat auf einen unmittelbar göttlichen oder unabänderlichen Charakter, daß es vielmehr mit dem Laufe der Zeiten häufige und

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