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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-03-29 · Heft 13 (29.3.1846) · page 11

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 13 (29.3.1846)
Date
1846-03-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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03 unmöglich die Liede Gottes zur Menschheit, die er in der Liede zu Abraham als Menschen bekundet, in Zweifel gezogen werden, und daher eben so wenig, daß Gott vermöge dieser Liebe nicht den Wunsch haben sollte, es wären alle Menschen seines väterlichen Wohlgefallens eben so würdig befunden, wie Abraham. Wenn Gott also den Abraham erwählte, so konnte er keinen andern Zweck mit dieser Erwählung verbinden, als den, welchen die Schrift selbst zu wiederholten Malen deutlich genug ausspricht' nämlich, daß durch Abraham und seinen Saamen alle Geschlechter der Erde gesegnet würden, d. h. ebenso das Wohlgefallen Gottes, die Urquelle alles Segens, finden möchten, wie und wodurch Abraham eS gefunden. — Läßt fich nun der der ganzen Menschheit geltende Zweck der Auserwählung Abrahams und des mit ihm errichteten Bündnisses nicht bezweifeln, so haben wir nur darauf zu sehen, wodurch, d. h., durch welches Verdienst, Abraham das Wohlgefallen Gottes fich erwarb. Wir haben hierbei auf zwei Dinge zu achten, nämlich auf das, was Gott dem Abraham zu thun befahl, und auf das, was er gethan. Hinsichtlich beider ist natürlich nur auf dasjenige zu sehen, was Grund und Ursache des Bündnisses zwischen Gott und Abraham gewesen, nicht aber auf das, was Folge und Bestätigung oder Zeichen und Ausdruck desselben war. So ist die Beschneidung Zeichen und Besiegelung des Bundes und darum für alle verpstichtend, welche als Nachkommen Abrahams Theilnehmer des Bundes sind, nicht aber für ein Verhältniß, in welchem der Zweck jenes Bundes bercits erfüllt ist und die Menschheit auf einem Standpunkt sich befindet , welcher, wenn er zur Zeit, als das Bündniß geschloffen worden, vorhanden gewesen wäre, das Bünvniß überflüssig gemacht hätte und dasselbe auch in der That gar nicht in die Welt ge. kommen wäre. Ursache und Grund des Bündnisses ist aber nichts Anderes als das Verdienst Abrahams gegenüber der Verdienst, lofizkcit und Verderbtheit der übrigen Menschheit, das Wohlge. fallen Gottes an dem Wandel Abrahams, wie das Mißfallen an dem Wandel aller Andern. Das Eine machte die Veranstaltung Gottes, sich dem Menschen zu offenbaren amd sie in feinen Wegen zu erziehen überhaupt nothwendig , das Andere bestimmte die besondere Auserwählung gewisser Menschen zu diesem Zwecke. Sowohl das Wesen des Verderbniffes der Menschen, welches die Offenbarungen Gottes nothwendig machte, von der einen, wie auch das Wesen des Verdienstes Abrahams, wodurch er und seine Nachkommen dieser Offenbarung gewürdigt worden, auf der andern Seite, läßt es uns deutlich erkennen, welchen Zweck diese Offenbarung Gottes überhaupt hatte und welche Mission damit für die Nachkommen Abrahams verbunden war. Greulicher Götzendienst und schändlicher Frevel jeglicher Art waren das traurige Loos der Menschheit; Reine Erkenntniß des Einen wahrhaftigen Gottes, verbunden mit einem tugendhaften gerechten Wandel waren das Verdienst Abrahams. Diesen seinen Wandel legt uns die Schrift in mehreren Zügen mit ungefchmückter Darstellung vor die Augen und wir können in nichts Anderem als in diesem die Ursache erkennen, warum er als der Einzige von Gott berufen und gesegnet worden, daß durch ihn und seine Nachkommen die Menschenwelt erleuchtet und gesegnet werde. Als Einleitung in das Bündniß, welches Gott mit ihm schließen wollte und dessen Zeichen die Beschneidung sein sollte, sprach Gott die Worte zu ihm: Zch bin der Allmächtige, wandele vor mir und sei vollkommen. Wir müssen aus vielen Parallelstellen, namentlich aus dem Parallelismus Ps. 18. 24, was die Schrift unter D'£n „vollkommen" versteht, nämlich mögliche Unschuld und Sündenreinheit, so wie auch aus der Geschichte von Sovom, deren Leute als böse und sündhaft geschildert werden, zur Genüge erhellt, was die Schrift außerhalb der Theokratie unter „Sünde" versteht. Zn beiden ist der spätere Begriff einer symbolischen Sünde wie einer symbolischen Tugend durchaus unzulässig, und wie die Bewohner Sodoms wegen ihrer sittlichen Verderbtheit Sünder genannt und bestraft werden, wird Abraham der Wandel vor Gott und die Unschuld befohlen, und well er beide in hohem Grade besessen, ward er als das Werkzeug des göttlichen Segens der Menschheit erwählt. Wenn also später für. Israel noch außerdem ein symbolischer Cultus mit einem ausgedehnten symbolischen Ceremonialgesetz von Gott eingesetzt ward,. so waren beide nach dem weisen Erziehungsplan Gottes wonach Israel der Träger der göttlichen Offenbarung für die Menschheit werden sollte, für die Cultursiufe, welche Israel damals einnahm, nothwendig, damit es erst selber auf die höhere Stufe der Tugend und Gotteserkennteiß erhoben werden und durch das aus ihm fich verbreitende Licht auch die Übrige Menschhett mit ihm auf dieselbe Stufe emporgebracht wer. den sollte. Wie aber der Zweck der Erwählung nicht Israel allein, sondern die ganze Menschheit sein kann, welche durch das in Israel aufgegangene Licht der göttlichen Wahrheit allmählig zum reinen Gottesglauben und zur hohen Tugend erzogen werden sollte, so kann auch, nachdem ein so großer Theil der Menschheit dem Glauben an die Einheit und Geistigkeit des geoffenbarten persönlichen Gottes und der Uebung von Tugend und Gerechtigkeit fich geweihet, das symbolische Ceremomalgesetz. welches nie Selbstzweck, sondern Mittel zur Erschließung und Befestigung religiöser Wahrheiten und Tugend war, entweder für die gesammte Menschheit, welche seine Wahrheiten anerkannt, zu deren Belebung und Befestigung nothwendig sein, oder, wenn auf der gegenwärtigen Erkenntuißstufe eure solche Nothwenvigkeit im AUgc.

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