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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-03-29 · Heft 13 (29.3.1846) · page 12

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 13 (29.3.1846)
Date
1846-03-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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64 meinen nicht mehr vorhanden ist, das symbolische Gesetz am allerwenigsten für Israel in seiner frühern Kraft und Verbindlichkeit fortbcstehea. Das theokratische Bünvniß zwischen Gott und Israel ist keineswegs zerstört oder aufgehoben, sondern es hat seinen Zweck erfüllt. Israel steht nicht mehr als das einzige Volk in der Welt, welches im Besitz des wahren Glaubens ist, sondern es sinv Menschen und Völker außer ihm, welche einen rcingeistigen, persönlichen Gott mit einem heiligen Willen anerkennen, wenn sie auch über diese Einheit und Persönlichkeit in Zrrthümern befangen find. Diese Erkenntniß ist den Völkern aus Israel-gekommen, und weil sie dieselbe noch immer nicht in ihrer völligen Reinheit und Lauterkeit besitzen, kann Israel allerdings noch immer den Beruf haben, an dieser Reinheit besonders festzuhalten, muß aber fiir die Zukunft wünschen und hoffen, daß die ganze Menschheit endlich derselben theilhast und es selber dieses Berufes entledigt werden möge. Um aber diese Wahrheiten in sich zu befestigen und durch ihre Wirksamkeit in einem Wandel von Tugend und Gerechtigkeit sie schneller und kräftiger zu verbreiten, bedarf es keiner Symbole, die je mehr die geistige Kraft der Menschen zuoimmt, nur geeigneter ist, das Licht der Wahrheit zu verdunkeln als dasselbe selber brennen zu lassen. Also da aus der Bibel mit Bestimmtheit hervorgeht, daß die Erleuchtung und Heiligung der ganzen Menschenwelt der ausschließliche Zweck der Theokratie war, so muß entweder die ganze Menschheit in dieselbe ausgenommen werden, oder dieselbe auch für Israel aufhören; tertluin non datur. Da aber jede Symbolik ihrer Natur und ihrem Zwecke nach keine fiir alle Ewigkeit firirte sein kann, da das Wesen der Erziehung mit der ewigen Unmündigkeit des zu Erziehenden einen Widerspruch enthält und zu ihr einen scharfen Gegensatz bildet, so kann die Theokratie und die Symbolik des Mosaismus keine andere als eine relative Bedeutung und daher nur eine zeitliche, vergängliche Bestimmung gehabt haben. Der symbolische Cultus der Bibel hat also für die Gegenwart keine Bedeutung und darf auf die Feststellung des gegenwärtigen Cultus nur nach den ihm zu Grunde liegenden durch ihn dargestellten Religiösen Wahrheiten, nicht aber nach seiner Form und Darstellung selbst »einen Einfluß ausüben. Der gegenwärtige Cultus muß durchweg idealer nicht realer Natur sein und die Erfassung des Geistigen und Ueberflnnlichen ohne jedes andere Medium des Sinnlichen als des natürlichen Ausdrucks der Gedanken und Gefühle durch das Wort, das Gefühl der wahrhaft geistigen Verbindung des Menschen mit Gott, ohne jede sinnliche Vermittlung derselben, in ihm vorherrschend sein. Das Iudenthum — um es nun Einmal klar aUSZufprechen — ist aus doppeltem Gesichtspunkt zu betrachten, ans dem seines Inhaltes und dem seiner Form. DaS Judenthum ist nicht bloser Lehrinhalt, Ideen, sondern ist auch Lehrform und Methode, nämlich eine bestimmte Angehung, wie der Mensch sich den Lehrinhalt aneigne und in demselben sich befestige. Letztere bildet das symbolische Gesetz und hat darum nur relative Bedeutung, das heißt, eine bestimmte geistig - sittliche Entwicklungsstufe des Menschen zu seiner Voraussetzung, und muß daher für eine höhere Stufe als unangemessen abgeändert oder abgeschafft werden. Der positive Inhalt des Iudenthums, seine Ideen über Gott und übersinnliche Verhältnisse überhaupt, ist an sich unveränderlich, wenn auch jede höhere Erkenntnißstuft ihn reiner zu fassen und darzustellen vermag. Der gegenwärtige Cultus als Darstellungsmittel jener Ideen muß der gegenwärtigen Culturstufe des Menschen entsprechen, für welche aber kein anderer sinnlicher Ausdruck eristirt als die Sprache, das köstliche Gut, womit die Gottheit den Menschen begabt, daß er in der Erkenntniß ihrer Heiligkeit von Stufe zu Stufe steige und selbst heilig werde und mit dem Urquell aller Heiligkeit in unzertrennlicher Verbindung bleibe. Ob und in wie weit der rabbinische Cultus dieser Anforderung genügt, wollen wir im zweiten Theil näher ausführen. Literarische Anzeigen. Im Verlage der Job. Christ. Hermann'schen Buchhandlung .in Frankfurt a. M. ist erschienen: Becker, K. F., a grammar of the german language. 2 edit. gr. 8. 1844. broschirt. fl. 2. 24 kr. od. Rthlr. 1. 12 ggr. Jansen, William, practical mercantile correspondence with german notes and an appendix containing forms of invoices, bills of lading etc. and abbreviations and explaining mercantile technicalities. gr. 12. 1842. brosch. Rthlr. 1. od. fl. 1. 48 kr. Kunstsywbolik, Christliche, und Ikonographie. Gin Versuch, die Deutung und ein besseres Verständniß der kirchlichen Bildwerke des Mittelalters zu erleichtern, gr, 8. 1839. Rthlr. 1. 16 ggr. od. fl. 3, Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung m Frankfurt a. M. - Druck von Krähe <Sc May in Offenbach.

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