Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1846)
- Date
- 1846-03-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Literatur-Blatt zum Israeliten des 19. Jahrhunderts. Enthaltend: Abhandlungen, Aufsätze, Recenfionen, literarische Aphorismen ,c. rc. für die gesammte höhere Wissenschaft des Judenthums, und unter Mitwirkung von Geiger, Holdheim, S. Hirsch, Jost, Rießer, Herzfeld, Wechsler, Maier, Rebenstein, Stern, Dukes, Adler und vieler anderer Gelehrten redigirt und herausgegeben von Dr. M. Heß, Großherzogl.WeimarscheM Land-Rabbiner» an Eisenach. Nr. 1» Sonntag de« S». Mär, 184«. 1 Jahrgang. Ueber die Principien eines dem gegenwärtigen Religionsbewußtsein entsprechenden Cnltus. Von Pr. Holdheim. (Erster Artikel.) (Schluß.) Consequent dieser Anschauung steht ste in der mesfianischen Zukunft die endliche umfassende Erfüllung dieser göttlichen Abficht, in welcher Israel mit der ganzen Menschheit erleuchtet und eine gleiche Stufe der Erkenntnis und der Tugendhaftigkeit theilen wird. Sie weist darum für diese Zeit, und, um diese allmälig herbeizuführen, schon für die Gegenwart, jedwede besondere Verpflichtung und Berechtigung Israels entschieden ab, wie es auch einer Religion, die fich für die Trägerin der göttlichen Offenbarung hält, die ihrer hohen Bestimmung zur Religion der ganzen Menschheit fich bewußt ist, jedes Privilegium von fich fern halten muß, welches ihrer Bestimmung nur verderblich werden kann. Die orthorore Ansicht hält die Erwählung Israels für eine ewige, die mit dieser Erwählung zusammenhängenden theokratischen Zustände folgerechtfür unvergängliche, hofft in der mesfianischen Zukunft die Restitution aller Privilegien, der ausschließlich höheren Verpflichtung Israels auf das ganze symbolische Ceremonialgesetz, wie auch der höhern Berechtigung Israels vor Gott, mit dem es, der übrigen Menschheit gegenüber, in einem engern Bündniß verbleibt und ihm näher steht und von ihm geheiligter ist. Der Zweck aller dieser geschichtlichen Ereignisse ist und bleibt ausschließlich Israel selbst. Die übrige Menschheit sollte nicht allmalig durch Israel erleuchtet und ihm ebenbürtig werden, sondern wird durch die Macht und Herrlichkeit des Messias zur Anerkennung des einzigen Gottes Israels mit Gewalt gezwungen werden. Israel sollte nicht Träger der Offenbarungen Gottes für die Menschheit, sondern nur für sich allein sein; die übrige Menschheit sollte nicht durch die Beobachtung der Ceremonialgesetze Israels die in denselben verschlossenen religiösen Wahrheiten fich aneignen und Theilnehmer an dem durch sie bewirkten Heil werden können, sondern bei Todesstrafe davon fern gehalten werden. Das Ceremonialgesetz ist nur für Israel gegeben und die Heiligung nur für dasselbe ausschließlich bestimmt worden. Das ganze mehrtausendjährige geschichtliche Drama ist Vieser Ansicht zufolge rein überflüssig und unnütz gewesen. Denn das, was am Ende der Zeiten geschehen soll, hätte eben so gut am Anfänge geschehen können, nämlich, nachdem Gott Israel anserwählt, womit die Eine Seite der göttlichen Absicht vollkommen erreicht war, hätte Gott die übrige Menschheit zur Anerkennung des Monotheismus durch Mose oder Josua mit Gewalt zwingen können, was er doch am Ende durch dm Messias wird thun müssen. Ich glaube, unhistorischer kann fich eine Ansicht kaum so erweisen. Um uns mit dieser Ansicht, welche mit uns die symbolische Bedeutung des mof. Ceremonialgesetzes anerkennt, und die wir deshalb als Gegensatz zu der verwerflichen Auffassung, die das Sinnliche und Aeußerliche als Selbstzweck bewachtet, eine orthodorrationale nennen möchten, völlig und klar auseinanverzusetzen, bemerken wir, daß wir in der Auserwählung Israels und dem theokratischen Bündniß mit demselben wirklich nur den hohen und weisen göttlichen Zweck erblicken können, der Israel zum Werkzeug der religiösen Erleuchtung und zum Träger der göttlichen Offenbarung für die ganze übrige Menschheit zu machen, daß also der symbolische Eultus entweder für die ganze Menschheit als ihr höchstes und endliches Ziel gesetzt, oder auch für Israel nur so lange bestimmt sein könne, als derselbe feinem ursprünglichen Zwecke nach nothwendig ist. In der symbolischen Natur dieses Eultus ist aber einerseits sein erziehender und mündigmachender Zweck, andererseits seine relative Md darum nur