Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 13 (29.3.1846)
- Date
- 1846-03-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2566751-2567017-2567031--1949-2569807- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
109 gehen, zu unbedeutend und kurz, als daß seine Bekanntschaft nur ( durch eine separate Zeitschrift erzielt werden könnte; zweitens können nur praktische Schulmänner eine fruchtbringende Beleuchtung der Zustände Herstellen, deren damals noch zu wenige waren, die Mündigkeit und Sachkenntnis erlangt gehabt hätten; daher war an das regelmäßige Erscheinen eines besondern israel. Schulblattes damals nicht zu denken. Nichts desto weniger bleibt jener Versuch für die Männer, von denen er ausgegangen war, ein ehrendes Moment. Dann erschienen einmal in der Allg. Zeit, des Zudenthums einige Aufsätze, „Pädagogisches", überschrieben, die als Vorläufer hingestellt waren, aber ohne Nachfolger geblieben find. Endlich erschien jüngst in dem „Israeliten des j9. Zahrh." ein zu beherzigendes Wort über den Unterricht der hebr. Sprache in unfern Schulen. — Das ist alle Aufmerksamkeit, welche der israel. Schule von ihren Verehrern zu Theil geworden ist. Ein trauriger Beweis, wie einerseits im Allgemeinen die israelitischen Lehrer fich ihrer hohen Stellung noch nicht ganz bewußt find; andererseits die israelitischen Gemeinden ihre Schule noch nicht gehörig würdigen; denn sonst müßte von Zeit zu Zeit eine schreibfähige Feder, die ja jetzt gottlob nicht mehr zu den Seltenheiten unter uns gehört, in ihren Dienst getreten sein. Ich müßte mich an dem frisch aufstrebenden Sinne der israel. Lehrerwelt irren, wenn es mehr als dieser Anklage bedürfte, um Viele aus derselben anznregen, die Schule und ihres Lehrers Stellung überhaupt aus dem Dunkel und dem Staube, worin fie bis jetzt gedrängt gewesen, an das Helle Licht zu ziehen, um nach innen wie nach außen sie zu erkennen und das Publikum erkennen zu lassen, damit man einestheils dadurch balo gegenseitig ins Klare komme, was des isr. Lehrers Beruf ist, und was dieser von ihm, wie von der Gemeinde fordert, andcrntheils die Erfahrungen des Einen fich durch die des Andern ergänzen mögen. Auf diese Weise wird die Einrichtung der isr. Schulen, wie die Behandlung rer besondern isr. Lehrgegenstände an Zweckmäßigkeit gewinnen, und die Gemeinde, mehr in das Interesse der Lehrer hcrcingezogen, deren Zwecke durch rege Theilnahme nach Kraft und Möglichkeit fördern. — Oft ist mir von meinen benachbarten Collcgen der Wunsch ausgesprochen worden, durch häufige Conserenzen unter uns jene Zwecke zu verfolgen; allein bedenkt man, daß dazu immer kleine Reisen mit nicht unbedeutenden Kosten und Versäumnissen erforderlich find; ferner, daß das Wiedersehen entfernter Freunde auch der heitern geselligen Laune zu viel Raum vergönnt; bann, daß der eine Zweck, die Betheiligung der Gemeinde an den Schulinteressen nicht damit zu verbinden ist; endlich, daß durch eine Zeitschrift ein größerer Kreis berührt und also der Umfang der zu besprechenden Gegenstände erweitert wirb. so kann kein Zweifel darüber obwalten, welcher Weg der zweckmäßigere sei. An die Conserenzen isr. Lehrer sind die hier genannten Zwecke nicht geknüpft. Das Bedürfniß des engern collegialen Umgangs findet seine Besr.cdigung in der Theilnahme an den allgemeinen Lehrerconferenzen nnv dem innigeren Anschluß an die christlichen Collegen. Denn der neugeborene und fort und fort fich belebende Humanismus reißt ja immer mehr die Schranken nieder, welche hie und da das Glaubensbekenntniß unter Menschen eingesetzt hat. Nehmen Sie deshalb, meine isr. Collegen und Schulfreunde, nah und fern, meinen brüderlichen Gruß hin und die Bitte, von Zeit zu Zeit in dieser Zeitschrift unter der Rubrik: „Die israelitische Schule" die Beziehungen des isr. Lehrers zur Schule und Gemeinde mit mir zur Sprache zu bringen. Der Hr. Red. wird gewiß gern seine Spalten unferm Bedürfnisse öffnen, da ja auch die Tendenz dieser Zeitschrift solches fordert. Unsere Schule ist die Schule der Menschheit und auch des religiösen Lebens. P. Lehmann. Zur Verständigung. £ (Frankfurt a. M. im März.) — Ja, geehrter Freund, es ist ein mächtiger Unterschied zwischen lesen können und zu lesen verstehen; in unsrer Zeit ist zwar erstes, darum nicht aber auch letztes Gemeingut geworben. Wenn nach Ihrer Versicherung in Nr. 10 d. B. und I. einige Leser die Weise, in welcher wir uns in Nr. 7 über die Confirmationsfeier äußerten, anstößig gefunden, so nehmen wir ihnen das nicht übel, nur dürfen sie es uns nicht verargen, wenn wir der Meinung sind, daß sie, zum wenigsten bei dieser Gelegenheit, fich als solche zeigen, welche des Lesens kundig nicht zu lesen verstehen. Wir wollen versuchen, dafür den Beweis zu liefern. Eine jede öffentliche Feier, sie sei religiöser oder politischer Natur, bietet durch ihr äußeres Gepränge ein Schauspiel, und wer mitwirkt erscheint in so fern als Schauspieler, ohne daß man dabei an darstellende Kunst und Künstler zu denken braucht. Von der Confirmationsfeier gilt in der Beziehung was von andern öffentlichen Feierlichkeiten; fie verliert darum nicht an innerem Werth und Gehalt, man kann ihr vielmehr davon so viel man nur immer will, zugestehen, ohne deshalb jenes hinwegleugnen zu können. Hatten wir in der beanstandeten Stelle unserer Mittheilung beabsichtigt, uns über den Werth oder Unwerth der Confirmation, oder nur über die Zweck- oder Unzweckmäßigkeit deren öffentlicher Feier auszusprechen? Wollten wir überhaupt gar .davon die uns eigne Auffassungsweise wiedergeben? Mit Nichten. Wir beabsichtigten blos den unserer Ueberzeugung